White dog sleeping on the floor with puppies after nursing in Don Det Laos

Hund Zahnstein entfernen: Warum nur der Tierarzt in Narkose

Kurzantwort: Zahnstein beim Hund wird in der Tierarztpraxis in Narkose entfernt, mit Ultraschall, Reinigung unter dem Zahnfleischrand und anschließender Politur. Abkratzen zu Hause oder eine „Zahnreinigung ohne Narkose“ im Hundesalon entfernt nur den sichtbaren Belag, kaschiert Entzündungen und hinterlässt raue Oberflächen, an denen neuer Zahnstein schneller haftet. Vorbeugen kannst du selbst: Zähneputzen jeden oder alle zwei Tage.

Gelbbraune Ränder an den Fangzähnen, Maulgeruch, rotes Zahnfleisch: Zahnstein ist bei Hunden so verbreitet, dass viele Halter ihn für normal halten. Vier von fünf Hunden entwickeln laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz (TVT) im Lauf ihres Lebens eine Erkrankung des Zahnhalteapparats.

Im Internet kursieren Anleitungen zum Abkratzen mit dem Scaler, Hausmittel und Angebote von Hundesalons, die Zahnstein per Ultraschall „ganz ohne Narkose“ entfernen. Tierärztliche Fachgesellschaften lehnen alle drei ab.

Hier steht, wie Zahnstein entsteht, warum die Entfernung in die Praxis gehört, was eine professionelle Zahnreinigung umfasst und was du zu Hause tun kannst, damit sie seltener nötig wird.

Wie Zahnstein entsteht

Auf den Zähnen bildet sich nach jeder Mahlzeit ein weicher Belag aus Bakterien, Speichel und Futterresten, die Plaque. Solange sie weich ist, lässt sie sich mit der Zahnbürste entfernen. Bleibt sie liegen, lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein und der Belag verhärtet zu Zahnstein.

Zahnstein selbst ist rau. Auf seiner Oberfläche siedeln sich weitere Bakterien an. Das Zahnfleisch entzündet sich, bildet Taschen, und die Entzündung greift auf Zahnhaltefasern und Kieferknochen über. Die TVT beschreibt diesen Verlauf als entzündliche Zerstörung von Zahnfleisch, Zahnhalteapparat und Kieferknochen, die letztlich zum Zahnverlust führen kann.

Die Folgen bleiben nicht im Maul. Laut TVT kann die Ausbreitung der Bakterien über den Blutkreislauf zu entzündlichen Veränderungen an den Herzklappen und zu krankhaften Veränderungen in Nieren und Leber führen.

Woran du Zahnstein erkennst

Hebe die Lefze an und schau dir die Außenseiten der Backenzähne und die Fangzähne an. Zahnstein zeigt sich als gelblicher bis brauner, harter Belag am Zahnfleischrand. Dazu kommen häufig Maulgeruch, gerötetes oder blutendes Zahnfleisch, Speicheln, einseitiges Kauen oder Fressunlust.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien gibt an, dass 80 Prozent aller Hunde über drei Jahren an Zahnerkrankungen leiden. Kleine Rassen gelten als besonders anfällig. Ein Hund, der schlecht aus dem Maul riecht, hat fast immer ein Zahnproblem.

Warum Abkratzen zu Hause nichts bringt

Ein Scaler aus dem Versandhandel entfernt den sichtbaren Zahnstein an den Außenflächen. Er erreicht nicht die Innenseiten, nicht die Zahnzwischenräume und nicht den Bereich unter dem Zahnfleischrand, wo die Entzündung sitzt.

Die TVT nennt die einfache Entfernung von sichtbarem Zahnstein an zugänglichen Zahnoberflächen eine rein kosmetische Behandlung. Sie kaschiert eine fortschreitende parodontale Erkrankung, statt sie zu behandeln. Zudem hinterlässt jedes Kratzen und jeder Ultraschall mikroskopische Kratzer im Schmelz, die ohne anschließende Politur die erneute Anheftung von Zahnstein begünstigen.

Dazu kommt das Verletzungsrisiko. Ein Hund, der beim Kratzen den Kopf wegzieht, bekommt die Metallspitze ins Zahnfleisch. Hausmittel wie Öle oder Pulver, die Zahnstein auflösen sollen, sind nicht belegt.

Zahnreinigung ohne Narkose im Hundesalon

Hundepflegesalons bieten häufig eine „professionelle Zahnreinigung mittels Ultraschall“ ohne Narkose an. Die TVT hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde und dem Bundesverband praktizierender Tierärzte ein Merkblatt dazu erarbeitet, zuletzt überarbeitet 2024.

Die Bewertung ist eindeutig: Für die Entfernung muss der Kopf fixiert und das Maul gesperrt werden. Der Eingriff dauert lange, die Töne des Ultraschallgeräts empfinden Hunde als besonders unangenehm, das Kühlwasser löst Angst bis Panik aus, und die Berührung entzündeten Gewebes schmerzt. Abwehrbewegungen können Tier und Personal verletzen. Die TVT stuft die Durchführung ohne Narkose als tierschutzrelevant ein. Amtstierärzte können dagegen vorgehen.

Auch die im Handel angebotenen „Ultraschallzahnbürsten“ für zu Hause erzeugen laut TVT keinen Putzeffekt, der mit zahnärztlichen Ultraschallgeräten vergleichbar wäre. Die Werbeaussage, dass sie harte Beläge entfernen, ist nicht nachgewiesen.

So läuft die professionelle Zahnreinigung ab

In der Praxis beginnt die Behandlung mit einer Untersuchung des Maules. Laut TVT gehören dazu die Kontrolle und Sondierung der Zahnfleischtaschen, häufig auch intraorale Röntgenaufnahmen, um den unsichtbaren Teil des Zahnhalteapparats zu beurteilen. Beides ist nur am ruhig gelagerten Hund möglich, also in Narkose.

Dann werden Krone und Wurzel von Belägen und Zahnstein gereinigt, auch unterhalb des Zahnfleischrands. Nicht erhaltungsfähige Zähne werden gezogen. Zum Schluss folgt die Politur aller Zahnoberflächen. Die TVT bezeichnet Ultraschallreinigung ohne nachfolgende Politur als Kunstfehler.

Zur Narkoseangst schreibt die TVT: Narkosen bei Hunden und Katzen sind heute selbst bei Risikopatienten mit hoher Sicherheit durchführbar. Das Belassen entzündlicher Veränderungen stelle ein weit größeres Risiko dar als eine gut geführte Narkose. Vor dem Eingriff wird der Hund untersucht, bei älteren Tieren häufig mit Blutbild.

Vorbeugen: das kannst du selbst tun

Nach der Zahnreinigung beginnt die Arbeit zu Hause. Die TVT nennt die tägliche Maulhygiene mit Zahnbürste, Zahnpaste, Dentalgel oder Vliesslappen als lebenslang notwendig, nach Anleitung durch die Praxis.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien empfiehlt, die Zahnoberflächen jeden oder alle zwei Tage zu reinigen. Eine wöchentliche Reinigung sei nicht ausreichend. Geeignet sind Hundezahnbürsten, Kinderzahnbürsten oder Fingerlinge mit weichen Borsten, dazu Zahnpasta für Hunde. Zahnpasta für Menschen ist ungeeignet.

Die TVT rät außerdem zu mindestens einer jährlichen Kontrolle der Maulgesundheit in der Praxis. So wird ein Behandlungsbedarf erkannt, bevor Zähne verloren gehen.

Häufige Fragen

Kann ich Zahnstein beim Hund selbst entfernen?

Nein. Abkratzen entfernt nur den sichtbaren Teil, verletzt den Schmelz und lässt die Entzündung unter dem Zahnfleisch bestehen.

Was kostet eine Zahnreinigung beim Hund?

Das hängt von Narkose, Röntgen und Zahl der gezogenen Zähne ab. Lass dir vorher einen Kostenvoranschlag geben.

Ist die Narkose gefährlich?

Laut TVT sind Narkosen heute auch bei Risikopatienten mit hoher Sicherheit durchführbar. Unbehandelte Zahnentzündungen sind das größere Risiko.

Hilft Kauen gegen Zahnstein?

Kauartikel können weiche Beläge an den Backenzähnen abreiben. Harten Zahnstein entfernen sie nicht.

Wie oft sollte der Hund zur Zahnkontrolle?

Mindestens einmal im Jahr, bei kleinen Rassen und älteren Hunden eher öfter.

Woran erkenne ich, dass es dringend ist?

Blutendes Zahnfleisch, lockere Zähne, Schwellung am Kiefer, Fressverweigerung oder starker Maulgeruch: Termin in der Praxis.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.


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