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Hund frisst Gras: Was dahintersteckt und wann es reicht

Kurzantwort: Gras zu fressen ist für Hunde normales Verhalten und meist harmlos. Die verbreitete Erklärung, der Hund sei übel und wolle erbrechen, hält der größten Untersuchung dazu nicht stand: In einer Halterbefragung an der University of California, Davis wirkte nur eine kleine Minderheit der Hunde vorher krank, und die meisten erbrachen hinterher nicht. Auffällig wird es, wenn dein Hund plötzlich hastig und in großen Mengen frisst.

Fast jeder Hund tut es. Kopf runter, ein paar Halme, weiter geht’s.

Trotzdem hält sich eine Erklärung hartnäckig: Der Hund kuriere sich selbst und wolle sich übergeben. Diese Annahme wurde untersucht.

Hier stehen das Ergebnis, die anderen Erklärungsversuche und die Risiken, die tatsächlich auf der Wiese liegen.

Was die Forschung dazu sagt

Karen Sueda, Benjamin Hart und Kelly Cliff werteten an der University of California, Davis Halterbefragungen aus. Die Arbeit erschien 2008 in Applied Animal Behaviour Science unter dem Titel „Characterisation of plant eating in dogs“.

In einer ersten kleinen Befragung unter Studierenden mit eigenen Hunden fraßen alle Hunde Pflanzen. Keiner der Halter hatte vorher Krankheitszeichen bemerkt, und nur ein kleiner Teil der Hunde erbrach danach regelmäßig.

Die große Auswertung mit rund 1.500 auswertbaren Antworten bestätigte das Bild. Weniger als jeder zehnte Hund wirkte vor dem Fressen krank, und nur etwa ein Fünftel erbrach danach häufig. Als Selbstbehandlung gegen Übelkeit lässt sich das Verhalten damit nicht erklären.

Die gängigen Erklärungen im Check

Übelkeit

Nach der Datenlage ist das die Ausnahme. Wenn ein Hund allerdings hektisch Gras rupft, schluckt und dann würgt, kann Übelkeit dahinterstecken. Das ist ein anderes Bild als beiläufiges Zupfen unterwegs.

Rohfaser

Gras liefert unverdauliche Faser, die die Darmpassage anregt. Ein Nachweis, dass Hunde gezielt danach suchen, fehlt.

Erbe des Wolfs

Wölfe und wildlebende Hunde fressen ebenfalls Pflanzenteile, und sie nehmen über Beutetiere Mageninhalt auf. Das erklärt, warum das Verhalten überhaupt existiert, nicht warum dein Hund es heute Nachmittag zeigt.

Langeweile und Geschmack

Junges, feuchtes Gras im Frühjahr wird deutlich häufiger gefressen als trockenes im August. Für viele Hunde ist es schlicht interessant.

Die Auswertung aus Davis fand außerdem einen Alterseffekt: Jüngere Hunde fraßen häufiger Pflanzen als ältere. Ein Zusammenhang mit der Art der Fütterung zeigte sich nicht.

Wann Grasfressen normal ist

Normal ist gelegentliches Zupfen im Vorbeigehen, bei sonst unauffälligem Hund. Kot und Appetit bleiben dabei unverändert.

Auch nach dem Fressen ein paar Halme zu nehmen, ist unbedenklich. Manche Hunde machen das über Jahre in derselben Ecke des Gartens.

Achte auf die Menge und das Tempo. Ruhig und beiläufig ist unkritisch, hastig und in großen Mengen ist ein Signal.

Im Frühjahr steigt das Grasfressen bei vielen Hunden deutlich an. Junges Gras schmeckt süßlicher, und die Wiesen sind feucht.

Halme im Kot sind normal. Gras wird kaum verdaut und kommt weitgehend so wieder heraus, wie es hineingekommen ist.

Was auf der Wiese gefährlich ist

Grannen sind das häufigste Problem im Sommer. Die Ährchen von Wildgräsern haben Widerhaken, bohren sich in Haut, Ohr oder Nase und wandern weiter.

Auf gedüngten oder gespritzten Flächen kommen Chemikalien dazu. Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd ist für Hunde giftig und wirkt schon in kleinen Mengen; Zittern, Krämpfe und Speicheln sind Alarmzeichen.

Der dritte Punkt sind Parasiten. Über Kot auf der Wiese werden Spulwurmeier aufgenommen, über Schnecken im Gras der Lungenwurm. Regelmäßige Kotuntersuchungen oder Entwurmungen nach Absprache mit der Praxis sind deshalb sinnvoll.

Spulwurmeier sind besonders zäh. Sie bleiben im Boden monatelang infektiös und überstehen Frost.

Schau deinem Hund nach dem Spaziergang in Ohren und zwischen die Zehen. Eine Granne, die du am selben Tag findest, ersparst du dir als Eingriff eine Woche später.

Was du tun kannst

Wenn dein Hund viel und hastig frisst, notiere eine Woche lang, wann und wo. Oft zeigt sich ein Zusammenhang mit der Fütterungszeit.

Bau ein Abbruchsignal auf und tausche gegen etwas Besseres. Dem Hund den Kopf hochzureißen macht Gras nur interessanter.

Und schau auf Futter und Fütterungsrhythmus. Ein Hund mit einer einzigen Mahlzeit am Abend hat morgens einen sehr leeren Magen; zwei Portionen können das entschärfen.

Wo du dein Hund grasen lassen kannst

Meide Ränder von Äckern, frisch gedüngte Wiesen und die Streifen entlang von Straßen. Dort landen Spritzmittel, Streusalz und Abfall.

Öffentliche Hundewiesen sind bequem und stark mit Kot belastet. Für einen Hund, der viel frisst, ist eine wenig genutzte Wiese die bessere Wahl.

Für die Wohnung gibt es Zyperngras, oft als Katzengras verkauft. Es ist ungiftig, kostet wenig und gibt deinem Hund eine kontrollierte Stelle, an der er zupfen darf.

Häufige Fragen

Ist Grasfressen beim Hund gefährlich?

Das Gras selbst kaum. Gefährlich sind Grannen, Pflanzenschutzmittel, Schneckenkorn und Parasiten auf der Fläche.

Frisst mein Hund Gras, weil ihm schlecht ist?

Meist nicht. In der Auswertung aus Davis zeigte nur eine kleine Minderheit vorher Krankheitszeichen.

Warum erbricht mein Hund nach dem Grasfressen?

Lange Halme reizen die Magenwand mechanisch. Erbrechen ist eine Folge davon und selten der Anlass.

Soll ich meinem Hund das Grasfressen verbieten?

Bei gelegentlichem Zupfen nicht. Bei hastigem Fressen in Mengen lohnt ein Abbruchsignal und ein Termin in der Praxis.

Hilft mehr Ballaststoff im Futter?

Das wird oft empfohlen, belegt ist es nicht. Sprich eine Futterumstellung mit deiner Tierärztin ab.

Wann muss ich zur Tierärztin?

Wenn Grasfressen neu und massiv auftritt, wenn dein Hund häufig würgt, an Gewicht verliert, Durchfall hat oder Blut im Erbrochenen ist.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.


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