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Kurzantwort: Kot zu fressen ist bei Hunden verbreitet und meist kein Krankheitszeichen. In einer Halterbefragung der University of California, Davis hatten 16 Prozent der Hunde mindestens sechsmal Kot gefressen. Riskant sind vor allem die Parasiten und Erreger, die dabei übertragen werden. Wenn das Verhalten neu auftritt, dein Hund abnimmt oder ständig Hunger hat, gehört er in die Praxis.
Für Halter ist es eine der unangenehmsten Angewohnheiten überhaupt. Für den Hund ist sie unspektakulär.
Der Fachbegriff dafür lautet Koprophagie. Die größte Untersuchung dazu stammt aus Kalifornien und räumt mit einigen gängigen Erklärungen auf.
Hier stehen die Zahlen, die medizinischen Ursachen, die echten Risiken und die Maßnahmen, die im Alltag etwas bringen.
Wie verbreitet Kotfressen wirklich ist
Benjamin Hart, Lynette Hart, Abigail Thigpen, Anh Tran und Melissa Bain veröffentlichten 2018 in Veterinary Medicine and Science die Arbeit „The paradox of canine conspecific coprophagy“. Grundlage waren zwei Online-Befragungen von Hundehaltern.
In der größeren Auswertung mit 1.552 verwertbaren Antworten gaben 76,9 Prozent der Halter an, ihren Hund nie beim Kotfressen gesehen zu haben. 7,1 Prozent hatten es ein- bis fünfmal beobachtet, 16 Prozent sechsmal oder häufiger.
85 Prozent der Kotfresser nahmen den Kot anderer Hunde, nicht den eigenen. Terrier und Laufhunde waren überdurchschnittlich vertreten.
Ein weiterer Befund passt ins Bild: 52 Prozent der Kotfresser stahlen Futter vom Tisch, unter den übrigen Hunden waren es 27 Prozent. Es sind also eher die Gelegenheitsfresser.
Für die Einordnung im Alltag heißt das: Dein Hund gehört mit diesem Verhalten zu einer großen Minderheit, und die allermeisten dieser Hunde sind gesund. Das nimmt der Sache den Schrecken, macht sie aber nicht harmlos.
Was hinter dem Verhalten steckt
Das Erbe aus dem Rudel
Die Autoren aus Davis deuten das Verhalten als altes Hygieneprogramm. Wer frischen Kot aus dem Ruhebereich entfernt, hält Wurmlarven fern, die erst nach einigen Tagen infektiös werden. Ein Wolf, der die Lagerstelle sauber hält, schützt damit die Gruppe.
Das erklärt auch, warum die meisten Hunde frischen Kot bevorzugen und alten liegen lassen.
Welpen und Hündinnen
Hündinnen nehmen in den ersten Lebenswochen den Kot ihrer Welpen auf und halten damit das Nest sauber. Welpen kopieren das und untersuchen ohnehin alles mit dem Maul. In den meisten Fällen verliert sich das im ersten Lebensjahr.
Langeweile und Erwartung
Ein Hund, der jedes Mal Aufmerksamkeit bekommt, wenn er sich über einen Haufen beugt, hat einen Grund mehr. Auch lange Wartezeiten zwischen den Mahlzeiten und wenig Beschäftigung spielen mit hinein.
Wann eine Krankheit dahintersteckt
Auffällig wird es, wenn ein erwachsener Hund plötzlich damit anfängt. Dann lohnt der Blick auf Verdauung und Stoffwechsel.
Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz fehlen Verdauungsenzyme. Der Hund frisst viel, magert ab und setzt große, hellgraue, fettige Kothaufen ab. Betroffene Hunde nehmen dann auch Kot auf.
Ähnlich wirken starker Parasitenbefall, eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit oder ein Cushing-Syndrom. Auch eine Kortisonbehandlung macht viele Hunde dauerhaft hungrig.
Der erste Schritt ist eine Sammelkotprobe von drei Tagen plus eine Blutuntersuchung. Damit lassen sich die häufigsten Ursachen in einem Durchgang abhaken.
Notiere vorher zwei Wochen lang mit, wie oft und wo dein Hund Kot aufnimmt, was er sonst frisst und wie sein eigener Kot aussieht. Diese Aufzeichnung ist für die Praxis mehr wert als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.
Welche Risiken für deinen Hund entstehen
Über fremden Hundekot werden Giardien übertragen. Sie verursachen vor allem bei Welpen wiederkehrenden, oft schleimigen Durchfall. Die Zysten überleben in feuchter Umgebung wochenlang.
Dazu kommen Spulwurmeier, Bandwürmer und bei ungeimpften Hunden das Parvovirus. Katzenkot aus der Toilette bringt zusätzlich Klumpstreu in den Magen.
Pferdeäpfel sind ein eigener Fall. Nach einer Wurmkur können Rückstände von Wirkstoffen wie Ivermectin darin sein. Für Hunde mit MDR1-Defekt, also vor allem Collies und verwandte Rassen, ist das gefährlich.
Ob dein Hund den Gendefekt trägt, klärt ein einmaliger Test aus Blut oder einem Wangenabstrich. Bei Hütehunden aus dem Collie-Umfeld lohnt er sich unabhängig vom Kotfressen, weil er auch für die Auswahl von Medikamenten wichtig ist.
Was du dagegen tun kannst
Der wirksamste Hebel ist banal: Kot einsammeln, im eigenen Garten täglich. Was weg ist, kann nicht gefressen werden.
Draußen brauchst du ein Abbruchsignal, das der Hund vorher in ruhiger Umgebung gelernt hat. Ruf ihn ab und tausche gegen etwas Besseres, statt ihn wegzuziehen.
Bis das sitzt, hilft eine Schleppleine. Bei hartnäckigen Fällen ist ein gut sitzender Maulkorb der ehrlichere Weg als ständiges Schimpfen.
Prüfe außerdem Futtermenge und Rhythmus. Zwei bis drei Mahlzeiten am Tag halten den Magen beschäftigter als eine einzige am Abend.
Was nicht hilft
Pulver und Tabletten, die den Kot bitter machen sollen, versprechen viel. Ein belastbarer Wirknachweis fehlt, und sie müssten ohnehin dem Hund gegeben werden, dessen Kot gefressen wird.
Strafe verschlimmert die Sache regelmäßig. Der Hund lernt daraus vor allem, schneller zu schlucken und es außer Sichtweite zu tun.
Häufige Fragen
Ist Kotfressen beim Hund gefährlich?
Der Kot selbst ist es kaum. Gefährlich sind Giardien, Wurmeier und Viren, die dabei aufgenommen werden.
Warum frisst mein Hund plötzlich Kot?
Ein neu auftretendes Verhalten beim erwachsenen Hund gehört abgeklärt. Verdauungsstörungen, Parasiten und Hormonerkrankungen kommen infrage.
Wächst sich das bei Welpen aus?
Meistens ja. Konsequentes Absammeln und ein Abbruchsignal beschleunigen es.
Hilft mehr Futter gegen Kotfressen?
Nur wenn der Hund tatsächlich unterversorgt ist. Lass Futtermenge und Energiegehalt in der Praxis nachrechnen.
Muss ich nach dem Kotfressen entwurmen?
Besser ist eine Kotuntersuchung. Sie zeigt, ob überhaupt etwas da ist, und welches Mittel passt.
Wann muss ich zur Tierärztin?
Bei Gewichtsverlust, Durchfall, ständigem Hunger, fettigem Kot oder wenn das Verhalten neu ist.
Quellen
- Hart et al.: The paradox of canine conspecific coprophagy, Veterinary Medicine and Science 4 (2018)
- ESCCAP Deutschland: Giardien beim Hund
- Koprophagie – Wikipedia
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Hund frisst Erde: Ursachen, Risiken und was du tun kannst
- Kotfressen beim Hund: Ursachen und Abgewöhnung
- Hund frisst nicht: Ursachen und wann es ernst wird
Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.








