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Kurzantwort: Hinter dauerhaftem Juckreiz stecken meist Parasiten, Allergien oder Hautinfektionen. Die atopische Dermatitis, also die Allergie gegen Umweltstoffe, betrifft nach Angaben der Universität Zürich 3 bis 15 Prozent der Hunde und beginnt typischerweise zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr. Ein einziger Flohbiss reicht bei einer Flohspeichelallergie aus. Kratzen über mehr als zwei Wochen gehört untersucht.
Ein Hund kratzt sich am Tag mehrfach. Das ist normal, solange es kurz bleibt und die Haut in Ordnung ist.
Auffällig wird es, wenn das Kratzen den Alltag bestimmt: nachts, beim Fernsehen, mitten im Spiel. Dann leidet der Hund, und die Haut trägt Schaden davon.
Hier stehen die häufigsten Ursachen, die Stellen, an denen sie sich zeigen, und die Anzeichen, bei denen du nicht abwartest.
Wie stark ist zu stark?
Ein brauchbarer Maßstab ist die Unterbrechung. Ein Hund, der sein Fressen, sein Schlafen oder sein Spiel unterbricht, um sich zu kratzen, hat mehr als eine Jucknase.
Der zweite Maßstab ist die Haut. Kahle Stellen, Rötungen, Schuppen, Krusten, dunkle Verfärbungen und ein veränderter Geruch sind Befunde, keine Kosmetik.
Zähl eine Woche lang mit, wie oft am Tag es vorkommt, und fotografiere die Stellen. Diese Aufzeichnung ist in der Praxis der beste Einstieg.
Notiere dazu die Jahreszeit. Juckreiz, der jedes Frühjahr wiederkommt und im Winter verschwindet, spricht für Pollen. Ganzjähriger Juckreiz passt eher zu Hausstaubmilben oder zum Futter.
Parasiten: der erste Verdacht
Flöhe
Flöhe sieht man selten, Flohkot dagegen schon. Kämm deinen Hund über ein feuchtes weißes Küchentuch: Kleine schwarze Krümel, die sich rötlich auflösen, sind verdautes Blut.
Bei einer Flohspeichelallergie genügt ein einzelner Biss für tagelangen Juckreiz. Typisch ist der Bereich über der Rute und am hinteren Rücken.
Milben
Sarcoptes-Milben lösen die ansteckende Räude aus, die mit heftigem Juckreiz einhergeht. Zuerst zeigen sich Rötungen und kleine Knötchen, später verdickte Haut mit Krusten und Haarverlust. Übertragen wird sie durch engen Kontakt, auch auf Menschen.
Demodex-Milben machen dagegen oft wenig Juckreiz und fallen eher durch haarlose Stellen bei jungen Hunden auf. Ohrmilben führen zu Kopfschütteln und dunklem, krümeligem Ohrenschmalz.
Herbstgrasmilben
Von Spätsommer bis Herbst sammeln sich orangefarbene Larven zwischen den Zehen und in den Kniekehlen. Betroffene Hunde belecken die Pfoten anhaltend.
Allergien
Atopische Dermatitis
Hier reagiert der Hund auf Umweltstoffe wie Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelsporen. Die Universität Zürich gibt die Häufigkeit mit 3 bis 15 Prozent an; erste Anzeichen treten meist zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf.
Das Verteilungsmuster ist charakteristisch: Pfoten, Bauch, Achseln, Bereich um Augen und Schnauze, Ellbogen und Ohren. Nachgewiesen wird die Sensibilisierung über Intrakutantests oder eine Serologie.
Futtermittelallergie
Sie sieht der atopischen Dermatitis zum Verwechseln ähnlich und tritt oft zusammen mit ihr auf. Der einzige verlässliche Nachweis ist eine Ausschlussdiät über mindestens sechs bis acht Wochen mit einer Eiweißquelle, die dein Hund noch nie hatte.
Bestätigt gilt sie erst, wenn der Juckreiz nach der Rückkehr zum alten Futter innerhalb von höchstens 14 Tagen wiederkommt. Bluttests auf Futtermittelallergien ersetzen das nicht.
Streng heißt in diesen Wochen wirklich streng. Ein Kauknochen, ein Stück Käse beim Training oder aromatisierte Wurmtabletten reichen aus, um das Ergebnis wertlos zu machen. Sprich das auch mit allen ab, die deinen Hund sonst füttern.
Hefepilze und Bakterien
Malassezien sind Hefen, die zur normalen Hautflora gehören und sich bei gestörter Hautbarriere stark vermehren. Die Haut wird fettig, gerötet, oft dunkler und riecht muffig.
Betroffen sind vor allem Pfotenzwischenräume, Hautfalten, Achseln und Ohren. Bakterielle Entzündungen zeigen sich als Pusteln, runde schuppende Stellen und nässende Bereiche.
Beide sind fast immer Folgeprobleme. Wer nur sie behandelt, hat den Hund in ein paar Wochen wieder im Wartezimmer.
Der Nachweis läuft über einen Abklatsch oder ein Klebeband, das unter dem Mikroskop angeschaut wird. Das dauert wenige Minuten und sagt, ob eine Behandlung mit Shampoo oder Tabletten überhaupt sinnvoll ist.
Wenn es nicht die Haut ist
Kratzen am Ohr mit Kopfschütteln spricht für eine Ohrentzündung. Sie hat oft dieselbe Ursache wie der Juckreiz am Körper.
Rutschen auf dem Hinterteil deutet auf gefüllte Analbeutel hin. Ständiges Lecken an einer einzigen Stelle am Bein kann eine Verhaltensursache haben oder auf Schmerz im darunterliegenden Gelenk hinweisen.
Auch trockene Heizungsluft, zu häufiges Baden und ungeeignete Shampoos reizen die Haut. Das erklärt aber selten allein einen Juckreiz, der über Wochen anhält.
Bevor du zur Praxis fährst, halte drei Dinge bereit: seit wann es geht, welche Mittel dein Hund gegen Parasiten bekommt und mit welchem Datum, und was er in den letzten vier Wochen gefressen hat. Damit lässt sich die Suche deutlich abkürzen.
Häufige Fragen
Ab wann ist Kratzen beim Hund nicht mehr normal?
Wenn dein Hund dafür Fressen, Schlafen oder Spielen unterbricht, und wenn es länger als zwei Wochen anhält.
Kann mein Hund Flöhe haben, obwohl ich keine sehe?
Ja. Der Flohkot-Test auf feuchtem weißem Papier ist verlässlicher als die Suche nach dem Floh.
Wie lange dauert eine Ausschlussdiät?
Mindestens sechs bis acht Wochen, danach folgt zur Bestätigung die Rückkehr zum alten Futter.
Ist Räude auf Menschen übertragbar?
Sarcoptes-Milben können auf den Menschen übergehen und dort Juckreiz auslösen. Bei Verdacht gehört der Hund schnell behandelt.
Hilft Lachsöl gegen Juckreiz?
Fettsäuren können die Hautbarriere unterstützen, sie ersetzen aber keine Diagnose und wirken erst nach Wochen.
Wann muss ich sofort in die Praxis?
Bei offenen, nässenden Stellen, bei Schwellungen im Gesicht, bei Fieber und wenn dein Hund vor Juckreiz nicht schläft.
Quellen
- CliniPharm, Universität Zürich: Atopische Dermatitis beim Hund
- ESCCAP Deutschland: Empfehlung zur Bekämpfung parasitischer Milben
- Räude – Wikipedia
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Vanessa arbeitet fuer hunde-gesundheit.net mit Zuchtverbaenden und Fachpraxen zusammen.

Vanessa hat vor fünf Jahren eine Hündin aus dem Tierschutz aufgenommen und seitdem viel über Geduld gelernt. Sie schreibt über Adoption und Eingewöhnung.







