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Kurzantwort: Zittern ohne Grund gibt es beim Hund selten, meist ist der Grund nur nicht sichtbar. Häufig sind Kälte, Aufregung, Angst und Schmerzen. Seltener stecken Vergiftungen, Fieber, Erkrankungen des Kleinhirns oder ein idiopathischer Kopftremor dahinter. Zittern mit Erbrechen, Speicheln, Taumeln, Krämpfen oder nach Aufnahme von Fremdem ist ein Notfall. Anhaltendes oder wiederkehrendes Zittern in Ruhe wird in der Praxis abgeklärt.
Der Hund liegt auf seinem Platz, es ist warm, nichts ist passiert, und trotzdem zittert er. Manchmal nur ein Hinterbein, manchmal der ganze Körper, manchmal nur der Kopf. Halter beschreiben das als Zittern ohne Grund.
Aus tierärztlicher Sicht ist Zittern ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Die meisten sind harmlos. Einige sind Notfälle. Die Kunst liegt darin, sie zu unterscheiden.
Hier steht, welche Ursachen die Universitätskliniken und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz nennen, woran du die harmlosen von den ernsten Fällen unterscheidest und wann du fährst statt zu warten.
Die häufigsten Gründe: Kälte, Aufregung, Angst
Zittern ist zuerst ein Mechanismus zur Wärmeerzeugung. Kleine, kurzhaarige und alte Hunde frieren schneller. Ein nasser Hund im Herbstwind zittert, bis er trocken ist. Das ist normal und endet mit dem Abtrocknen.
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz führt in ihrem Merkblatt zur Hundehaltung Zittern unter den Zeichen von Erregung und Angst auf, zusammen mit starkem Hecheln, angespannter Muskulatur, gesenkter Rute und gehemmtem Verhalten. Vorfreude auf den Spaziergang, Besuch, Feuerwerk oder der Anblick eines anderen Hundes lösen so etwas aus.
Diese Form des Zitterns hat einen erkennbaren Auslöser und hört auf, wenn der Auslöser weg ist. Sie braucht keine Behandlung, bei Angst aber Training oder Verhaltensberatung, wenn sie häufig auftritt.
Schmerzen und Alter
Ein Hund, der Schmerzen hat, zittert oft am ganzen Körper oder an einer Gliedmaße. Typisch sind Rückenschmerzen, Bauchschmerzen und Gelenkschmerzen. Dazu kommen ein gekrümmter Rücken, Unruhe, Hecheln ohne Anstrengung oder Rückzug.
Bei alten Hunden ist das Zittern der Hinterbeine im Stehen verbreitet. Es kommt meist von Muskelabbau, Schwäche und Gelenkverschleiß. Es ist kein Notfall, aber ein Grund für eine Untersuchung, weil Schmerzen bei alten Hunden oft unerkannt bleiben und behandelbar sind.
Auch Fieber lässt Hunde zittern, ähnlich wie Schüttelfrost beim Menschen. Die TVT nennt als Grenze für Fieber beim Hund eine Körpertemperatur über 38,5 Grad. Miss rektal mit einem Digitalthermometer, wenn der Hund apathisch wirkt.
Vergiftungen: der Notfall
Bestimmte Gifte verursachen Zittern am ganzen Körper. Ein Fallbericht aus der Fachzeitschrift Kleintierpraxis beschreibt zwölf Hunde, die nach dem Fressen verschimmelter Walnüsse vorgestellt wurden. Der Schimmelpilz bildet tremorgene Mykotoxine. Neun der zwölf Hunde zeigten Ganzkörpertremor, andere Überempfindlichkeit gegen Berührung und Geräusche, Taumeln oder Erbrechen, einer einen Status epilepticus. Bei früh begonnener Behandlung erholten sich alle Hunde.
Verschimmelte Nüsse, Kompost, Fallobst, Schokolade, Medikamente, Rattengift oder Schneckenkorn kommen als Auslöser infrage. Die Veterinärmedizinische Universität Wien rät beim Verschlucken von Giftstoffen: sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen. Nimm die Verpackung oder eine Probe mit.
Neurologische Ursachen
Erkrankungen des Kleinhirns
Das Kleinhirn steuert die Feinabstimmung der Bewegung. Die Klinik für Kleintiere der Universität Gießen beschreibt bei Erkrankungen des Kleinhirns Koordinationsverlust, Augenzucken, Gleichgewichtsprobleme und bei manchen Tieren einen Tremor, also Kopfwackeln oder Zittern. Eine Ursache ist die Abiotrophie, ein vorzeitiges Absterben von Nervenzellen, das bei bestimmten Rassen erblich vorkommt.
Idiopathischer Kopftremor
Manche Hunde zeigen Episoden, in denen der Kopf rhythmisch nickt oder seitlich pendelt, während der Hund wach und ansprechbar bleibt. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte 87 Dobermänner mit diesem sogenannten Head bobbing. Die Episoden dauerten zwischen 10 Sekunden und 3 Stunden, im Median 3 Minuten. Viele Hunde hatten mehrere Episoden am Tag, dazwischen lagen Tage bis Jahre. Das Bewusstsein blieb normal, das EEG war unauffällig, was gegen eine Epilepsie sprach. Die Ursache ist unklar, eine erbliche Komponente wird vermutet. Ein gehäuftes Auftreten ist laut LMU beim Dobermann, beim Boxer und bei Bulldoggen bekannt.
Die meisten Besitzer in der LMU-Studie konnten die Episoden mit Futter oder Spielzeug sofort unterbrechen. Bei einem Krampfanfall gelingt das nicht. Filme die Episode mit dem Handy. Ein Video hilft der Praxis mehr als jede Beschreibung.
Wann der Tierarzt dran ist
Die TVT zählt Krämpfe und Zittern zu den Krankheitsanzeichen, die tierärztlich abgeklärt werden sollten, ebenso Teilnahmslosigkeit, Futterverweigerung, Fieber und Lähmungen. Die Dringlichkeit hängt von den Begleitzeichen ab.
Sofort
Zittern zusammen mit Erbrechen, starkem Speicheln, Taumeln, geweiteten Pupillen, Krampfanfall, Bewusstseinsverlust, Atemnot oder nach möglicher Giftaufnahme. Ebenso, wenn das Zittern in einen Krampf übergeht oder länger als wenige Minuten am Stück anhält, ohne dass der Hund ansprechbar ist.
Innerhalb weniger Tage
Zittern in Ruhe ohne erkennbaren Auslöser, das wiederkehrt. Zittern einzelner Gliedmaßen, Kopfwackeln, Zittern mit Lahmheit, Schonhaltung oder Verhaltensänderung. Auch Zittern bei alten Hunden, das neu auftritt.
Zur Abklärung gehören eine klinische und neurologische Untersuchung, eine Blutuntersuchung und je nach Befund Röntgen, Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie des Kopfes. Die LMU-Studie zeigt, dass beim Kopftremor erst eine breite Diagnostik andere Ursachen ausschließt.
Was du zu Hause tun kannst
Bring den Hund an einen warmen, ruhigen Ort und beobachte ihn. Notiere, wann das Zittern begann, wie lange es dauert, welche Körperteile betroffen sind und was vorher passiert ist. Miss die Temperatur. Prüfe, ob er Zugang zu Kompost, Nüssen, Medikamenten oder Ködern hatte.
Gib keine Medikamente aus der eigenen Hausapotheke. Viele Schmerzmittel für Menschen sind für Hunde giftig und würden ein Zittern durch Vergiftung verschlimmern. Bei Unsicherheit ruf in der Praxis an und beschreibe die Zeichen. Ein Anruf ist besser als eine Nacht Abwarten.
Häufige Fragen
Warum zittert mein Hund im Schlaf?
Zucken und leichtes Zittern im Schlaf gehören zur Traumphase. Lässt er sich wecken und ist danach normal, ist es harmlos.
Mein alter Hund zittert an den Hinterbeinen. Ist das schlimm?
Meist Muskelschwäche oder Gelenkverschleiß. Kein Notfall, aber eine Untersuchung lohnt, weil Schmerzen behandelbar sind.
Kann Stress allein Zittern auslösen?
Ja. Die TVT führt Zittern unter den Zeichen von Erregung und Angst. Es hört auf, wenn der Auslöser weg ist.
Woran erkenne ich eine Vergiftung?
Zittern mit Speicheln, Erbrechen, Taumeln, Überempfindlichkeit oder Krämpfen, oft kurz nach dem Spaziergang. Sofort in die Praxis.
Was ist ein Kopftremor?
Rhythmisches Nicken oder Pendeln des Kopfes bei wachem Hund, minutenlang, ohne bekannte Ursache. Gehäuft bei Dobermann, Boxer und Bulldoggen.
Soll ich das Zittern filmen?
Ja. Ein Video zeigt der Praxis, ob es Tremor, Krampf oder Muskelzucken ist, und verkürzt die Diagnose.
Quellen
- Wolf, M.: Epidemiologische Studie zum episodischen Kopftremor-Syndrom (Head bobbing) beim Dobermann. Dissertation LMU München 2012 (PDF)
- Justus-Liebig-Universität Gießen, Klinik für Kleintiere: Abiotrophie bei Hund und Katze
- Kleintierpraxis 65 (2020): Vermutete Intoxikation durch tremorgene Mykotoxine bei zwölf Hunden nach Aufnahme verschimmelter Walnüsse
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz: Merkblatt Nr. 131.4 Hunde (PDF)
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Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.








