Holländischer Schäferhund mit gestromtem Fell

Holländischer Schäferhund: Rasseporträt, Maße und Wesen

Kurzantwort: Der Holländische Schäferhund (Hollandse Herdershond) ist ein niederländischer Hütehund, den die FCI unter der Standardnummer 223 in Gruppe 1, Sektion 1, mit Arbeitsprüfung führt. Rüden messen 57 bis 62 cm, Hündinnen 55 bis 60 cm Widerristhöhe; ein Gewicht nennt der Standard nicht. Es gibt ihn in drei Haararten — kurzhaarig, langhaarig und rauhaarig —, alle in gestromter Farbe auf goldener oder silberner Grundfarbe.

Neben dem Deutschen und dem Belgischen Schäferhund führt der Holländer in Deutschland ein Nischendasein. In Diensthundestaffeln ist er dagegen seit Jahren gefragt, und das hat einen Grund: Er bringt Arbeitswillen mit, ohne die extremen Körperformen mancher Ausstellungslinien zu haben.

Für Familien ist genau das die Hürde. Ein Hund, der für Patrouillenarbeit gezüchtet wurde, langweilt sich auf dem Sofa.

Herkunft: Grenzgänger auf dem Feld

Der Holländische Schäferhund ist kein Neuzugang. Er entstand aus denselben ländlichen Hüteschlägen wie der Belgische Schäferhund und wurde 1898 erstmals in einem eigenen Standard beschrieben. Anders als beim Nachbarn blieb die Rasse klein.

Der Standard beschreibt die ursprüngliche Aufgabe genau. Die Hunde hielten Schafherden von den Feldern fern, indem sie die Grenzen von Straßen und Feldern patrouillierten. Sie begleiteten die Herden zu Wiesen, Märkten und Häfen, hielten auf dem Hof die Hühner aus den Küchengärten, trieben die Kühe zum Melken und zogen Milchkarren.

Diese Vielseitigkeit erklärt das Wesen. Gefragt war kein Hund, der auf ein Kommando wartet, sondern einer, der eine Aufgabe erkennt und sie eigenständig erledigt.

Außerdem meldeten sie den Bauern Fremde, die sich dem Hof näherten. Wachsamkeit ist bei dieser Rasse deshalb kein Nebenprodukt, sondern Teil des ursprünglichen Auftrags.

Maße und Einordnung nach FCI-Standard Nr. 223

Ursprungsland ist die Niederlande; die gültige Fassung wurde am 21. Dezember 2019 publiziert. Die Einordnung lautet Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde), Sektion 1 (Schäferhunde), mit Arbeitsprüfung.

  • Rüden: 57 bis 62 cm Widerristhöhe
  • Hündinnen: 55 bis 60 cm Widerristhöhe
  • Gewicht: im Standard nicht festgelegt

Die Rückenlinie verläuft gerade und kräftig, die Kruppe fällt etwas ab, ohne kurz zu sein. Der Körper ist kräftig, aber nicht ohne Adel — eine Formulierung, die sich gegen Schwerfälligkeit richtet.

Die Augen sind mandelförmig, mittelgroß und leicht schräg gestellt, die Ohren von mittlerer Größe und im Erregungszustand hoch aufgerichtet. Der Hals ist trocken und ohne Wamme, die Brust tief und lang genug, die untere Profillinie leicht hochgezogen.

Diensthund bei der Ausbildung
Der Standard führt die Rasse mit Arbeitsprüfung — Diensthundestaffeln setzen sie bis heute ein. Foto: David Anstiss, CC BY-SA 2.0

Die Vorderbrust ist ziemlich gut entwickelt, die Rute hängt in Ruhe gerade herab oder ist leicht gebogen und reicht bis zu den Sprunggelenken. In der Bewegung trägt der Hund sie elegant angehoben, ohne sie über den Rücken zu rollen.

Drei Haararten, eine Farbe

Der Standard kennt Kurzhaar, Langhaar und Rauhaar. Beim Kurzhaar ist das Haar am ganzen Körper recht hart und nicht zu kurz, mit Unterwolle; Kragen, Hosen und befederte Rute müssen sichtbar sein. Beim Langhaar liegt das Haar lang, gerade und grob an, ebenfalls mit Unterwolle. Das Rauhaar soll im Durchschnitt zweimal jährlich handgestrippt werden.

Bei der Farbe lässt der Standard nur eine zu: gestromt. Die Grundfarbe ist Gold oder Silber, wobei Gold von heller Sandfarbe bis Kastanienrot reichen darf. Die Stromung erstreckt sich klar über den ganzen Körper, auch an Kragen, Hosen und Rute. Zu viel Schwarz ist unerwünscht, eine schwarze Maske dagegen bevorzugt.

Die drei Haararten wurden lange getrennt gezüchtet, was die einzelnen Populationen klein hielt. Rauhaar ist in Deutschland am seltensten zu finden; Kurzhaar dominiert im Diensthund- und Sportbereich.

Wesen: treu, wachsam, eigenständig

Der Standard nennt ihn sehr treu und zuverlässig, immer aufmerksam, wachsam, aktiv, unabhängig, mit großer Ausdauer, intelligent und bereit, folgsam zu sein. Er arbeite gern mit seinem Besitzer zusammen und erledige gestellte Aufgaben eigenständig.

Das Wort „unabhängig“ steht dort nicht zufällig. Wer einen Hund sucht, der jede Sekunde am Menschen klebt, findet ihn hier nicht. Der Holländer denkt mit — und trifft eigene Entscheidungen, wenn keine Ansage kommt.

Im Haus meldet er zuverlässig, ohne Dauerbellen. Besuch begrüßt er meist zurückhaltend und taut auf, sobald die Lage geklärt ist. Wer Wachsamkeit nicht möchte, sollte eine andere Rasse wählen — abtrainieren lässt sie sich nicht, nur in Bahnen lenken.

Auslastung: Aufgaben statt Kilometer

Zwei bis drei Stunden Beschäftigung am Tag sind bei dieser Rasse eine realistische Untergrenze, und ein guter Teil davon sollte aus Kopfarbeit bestehen. Fährtenarbeit, Objektsuche, Obedience und Rettungshundearbeit passen zum Zuchtziel.

Wer nur läuft, züchtet Ausdauer. Ein Holländischer Schäferhund, der täglich fünfzehn Kilometer neben dem Rad läuft, ist nach einem Jahr fitter und nicht ruhiger — und sucht sich selbst eine Aufgabe, meist eine unerwünschte.

Longieren, Treibball und Objektsuche liegen ihm besonders. Beim Hundesport mit engen Wendungen gilt dieselbe Regel wie bei allen großen Rassen: Der Einstieg beginnt frühestens mit zwölf bis fünfzehn Monaten.

Für Ersthundehalter ist die Rasse deshalb keine naheliegende Wahl. Wer dagegen Hundesport betreibt, in einer Rettungshundestaffel arbeitet oder täglich strukturiert mit dem Hund übt, bekommt einen Partner, der lange durchhält und schnell lernt.

Gesundheit und Pflege

Der Pflegeaufwand hängt an der Haarart. Kurzhaar braucht wöchentliches Bürsten, Langhaar zweimal die Woche, Rauhaar zusätzlich das halbjährliche Trimmen von Hand. Geschoren wird keine der drei Varianten.

Die Population ist klein und über Leistungsprüfungen selektiert, was breite Erbdefekte unwahrscheinlicher macht. Hüft- und Ellenbogenbefunde der Elterntiere gehören trotzdem zu jedem Wurf aus einem geführten Zuchtbuch. Wer einen Welpen sucht, sollte Wartezeit einplanen.

Vor dem Kauf lohnt der Blick auf die Zuchtlinie. Hunde aus Diensthundezuchten bringen mehr Härte und Trieb mit als Tiere aus Familienzuchten. Beides steht im selben Zuchtbuch, macht im Wohnzimmer aber einen erheblichen Unterschied.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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