Blonder Hovawart im Freien

Hovawart: Rasseporträt, Größe, Wesen und Haltung

Kurzantwort: Der Hovawart ist ein deutscher Gebrauchshund. Die FCI führt ihn unter der Standardnummer 190 in Gruppe 2, Sektion 2.2 (Molossoide, Berghunde) — und zwar mit Arbeitsprüfung. Rüden messen 63 bis 70 cm Widerristhöhe, Hündinnen 58 bis 65 cm; ein Gewicht schreibt der Standard nicht vor. Gefordert werden ein ausgeglichenes, gutartiges Wesen, Schutztrieb, Selbstsicherheit, Belastbarkeit, mittleres Temperament und eine sehr gute Nasenveranlagung. Die gültige Fassung wurde am 21. März 2025 publiziert.

Der Hovawart wird oft für einen Golden Retriever in dunkel gehalten. Diese Verwechslung endet spätestens an der Gartentür.

Er meldet, er schaut hin, und er entscheidet mit. Das ist kein Erziehungsfehler, sondern genau das, wofür die Rasse steht.

Einordnung und Maße nach FCI-Standard Nr. 190

Ursprungsland ist Deutschland, die Verwendung laut Standard: Gebrauchshund. Eingeordnet ist er in Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde), Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde.

  • Rüden: 63 bis 70 cm Widerristhöhe
  • Hündinnen: 58 bis 65 cm Widerristhöhe
  • Proportionen: Schulterhöhe zu Körperlänge 100 : 110 bis 100 : 115
  • Gewicht: im Standard nicht festgelegt

Die fehlende Gewichtsangabe ist typisch für Rassen, die über Proportionen definiert werden. Wer eine feste Kilozahl liest, liest eine Schätzung, keine Standardangabe.

Hovawart-Hündin läuft über ein Feld
Der Standard verlangt Selbstsicherheit und Belastbarkeit — Eigenschaften, die eine Aufgabe brauchen. Foto: losch, CC BY-SA 3.0

Was „mit Arbeitsprüfung“ bedeutet

Die FCI vermerkt in der Klassifikation jeder Rasse, ob sie mit oder ohne Arbeitsprüfung geführt wird. Beim Hovawart steht dort ausdrücklich „Mit Arbeitsprüfung“. Diese Zeile ordnet ihn den Rassen zu, deren Leistungsveranlagung Teil des Zuchtziels ist — neben Aussehen und Wesen zählt, was der Hund kann.

Für den Alltag heißt das: Diese Rasse wurde nicht auf Aussehen allein selektiert. Ein Hovawart bringt Arbeitsanlagen mit, die eine Aufgabe suchen. Bleibt sie aus, sucht er sich selbst eine — meist eine, die den Nachbarn weniger gefällt.

Wesen: was der Standard verlangt

Der Standard beschreibt den Hovawart als anerkannten Gebrauchshund zu vielseitiger Verwendung. Von der Veranlagung her sei er ausgeglichen und gutartig und besitze Schutztrieb, Selbstsicherheit und Belastbarkeit, mittleres Temperament und eine sehr gute Nasenveranlagung. Die besondere Bindung an seine Familie mache ihn zu einem hervorragenden Begleit-, Wach-, Schutz-, Rettungs- und Fährtenhund.

Zwei Begriffe daraus verdienen Aufmerksamkeit. Schutztrieb bedeutet, dass der Hund von sich aus reagiert, wenn er etwas als Bedrohung liest. Selbstsicherheit bedeutet, dass er dabei nicht wegläuft. Beides zusammen ergibt einen Hund, der früh und geduldig lernen muss, wer entscheidet, was eine Bedrohung ist.

Herkunft: eine Rekonstruktion

Der Name geht auf mittelalterliche Begriffe für einen Hofwächter zurück — „hova“ für Hof, „wart“ für Wächter. In alten Rechtstexten taucht ein so bezeichneter Hund als geschütztes Gut auf, was zeigt, welchen Wert ein zuverlässiger Hofhund damals hatte.

Die heutige Rasse ist allerdings keine ungebrochene Linie aus dieser Zeit, sondern wurde ab den 1920er Jahren aus Hunden aus bäuerlichen Beständen und Einkreuzungen neu aufgebaut. Anerkannt ist sie seit 1937.

Farbschläge und Fell

Drei Farbschläge sind zugelassen: blond, schwarzmarken und schwarz. Alle drei kommen im selben Wurf vor, weil sie nicht getrennt gezüchtet werden. Die Farbe sagt nichts über das Wesen aus — wer sich auf eine Wunschfarbe festlegt, wartet nur länger auf einen Welpen.

Das Haar ist lang und kräftig, mit wenig Unterwolle — deutlich pflegeleichter als bei Rassen mit dichter Unterwolle. Ein bis zwei Bürsteinheiten pro Woche reichen meist, in der Zeit des Haarwechsels häufiger.

Gesundheit und Zucht

Wie bei allen großen Rassen steht die Hüftgelenksdysplasie im Vordergrund. In den Zuchtvereinen unter dem Dach des Verbands für das Deutsche Hundewesen gehört die Auswertung eines Hüftröntgens durch einen benannten Gutachter zu den Voraussetzungen für die Zuchtzulassung; dazu kommen je nach Verein Wesensbeurteilung und Formwertnote. Lass dir diese Unterlagen für beide Elterntiere zeigen, statt nach ihnen zu fragen und eine mündliche Zusage zu bekommen.

Weil es sich um eine große, spät reifende Rasse handelt, gilt in den ersten Lebensmonaten dasselbe wie beim Leonberger oder Berner Sennenhund: keine langen Strecken, kein Treppenlaufen ohne Not, kein Radfahren neben dem Junghund.

Für wen er passt

Der Hovawart passt zu Menschen, die täglich Zeit für Kopfarbeit haben und Freude an Training finden. Fährtenarbeit, Mantrailing, Rettungshundearbeit und ruhige Unterordnung liegen ihm. Was ihm nicht liegt: stundenlanges Alleinsein, wechselnde Regeln und ein Umfeld, in dem täglich fremde Menschen unangekündigt durch die Tür kommen.

Alltag mit einem meldenden Hund

Ein Hovawart sagt Bescheid. Er meldet den Postboten, das Auto in der Einfahrt und das Reh am Waldrand. Wer in einer hellhörigen Wohnanlage lebt, sollte diese Eigenschaft nicht als Kleinigkeit abtun — sie ist der häufigste Grund für Ärger mit Nachbarn.

Trainierbar ist sie sehr wohl, aber nicht durch Verbot. Bewährt hat sich, das Melden zu erlauben und es dann zu beenden: Der Hund darf zwei-, dreimal bellen, kommt auf ein Signal zu dir und bekommt dafür seine Bestätigung. Die Botschaft lautet, dass die Meldung angekommen ist und du übernimmst. Genau das braucht ein selbstsicherer Hund — eine Antwort, keine Strafe.

Dasselbe gilt an der Haustür. Ein fester Platz, zu dem der Hund geschickt wird, sobald es klingelt, nimmt die Situation aus dem Konflikt. Das ist Trainingsarbeit über Wochen, nicht über ein Wochenende.

Vor dem Kauf: was du klären solltest

Frage nach der Linie und danach, wofür die Elterntiere gearbeitet haben. Ein Wurf aus zwei Hunden im aktiven Schutzdienst passt selten in einen Haushalt, der einen ruhigen Familienbegleiter sucht. Umgekehrt langweilt sich ein arbeitsfreudiger Hovawart in einem Zuhause ohne Aufgabe.

Besuche den Wurf mehr als einmal und sieh die Mutterhündin im Umgang mit Fremden. Ihr Verhalten sagt mehr über die Erblage aus als jede Beschreibung im Inserat. Und plane für die ersten zwei Jahre eine Hundeschule ein, die Erfahrung mit wachsamen Rassen hat.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

Nach oben scrollen