Übergewichtiger älterer Mops – Gewichtszunahme gehört zu den typischen Cushing-Zeichen

Cushing-Syndrom beim Hund: Symptome frühzeitig erkennen

Kurzantwort: Das Cushing-Syndrom, medizinisch Hyperadrenokortizismus, entsteht durch eine dauerhaft erhöhte Cortisol-Produktion der Nebennieren und betrifft vor allem ältere Hunde im Durchschnittsalter von acht bis zehn Jahren. Typische Symptome sind stark gesteigerter Durst und Urinabsatz, vermehrter Appetit, ein sichtbarer Hängebauch durch Muskelschwäche, symmetrischer Haarausfall sowie vermehrtes Hecheln und Schwäche in den Hinterbeinen. Die Diagnose stützt sich auf hormonelle Bluttests wie den ACTH-Stimulationstest oder den Dexamethason-Hemmtest sowie auf bildgebende Verfahren zur Beurteilung der Nebennieren. Unbehandelt schreitet die Erkrankung fort, mit medikamentöser Therapie lässt sich die Lebensqualität betroffener Hunde jedoch meist deutlich verbessern.

Vermehrtes Trinken, ein aufgeblähter Bauch und schütteres Fell werden bei älteren Hunden oft zunächst als normale Alterserscheinung abgetan – dabei können sie erste Anzeichen des Cushing-Syndroms sein.

Je früher die hormonelle Ursache erkannt wird, desto gezielter lässt sich behandeln, weshalb ein genauer Blick auf die typischen Symptome für Halter älterer Hunde besonders lohnenswert ist.

Was beim Cushing-Syndrom im Körper passiert

Das Cushing-Syndrom, in der Fachsprache Hyperadrenokortizismus genannt, entsteht durch eine dauerhaft überhöhte Produktion des Stresshormons Cortisol in den Nebennieren. Cortisol steuert im gesunden Körper zahlreiche Stoffwechselprozesse; bei chronischem Überschuss wirkt es sich auf nahezu jedes Organsystem aus – von der Haut über die Muskulatur bis zum Stoffwechsel. Die Erkrankung zählt zu den relativ häufigen hormonellen Störungen bei Hunden und betrifft überdurchschnittlich oft kleine Rassen sowie Hunde im höheren Alter, im Durchschnitt zwischen acht und zehn Jahren.

Hypophysär oder adrenal: zwei Ursachen

In den meisten Fällen entsteht das Cushing-Syndrom durch einen gutartigen Tumor an der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der die Nebennieren zur übermäßigen Cortisol-Produktion anregt. Seltener liegt die Ursache direkt in einem Tumor der Nebenniere selbst. Diese Unterscheidung ist für die Behandlung wichtig, da sich die Therapieansätze je nach betroffenem Organ unterscheiden können. Schätzungen aus tierärztlichen Fachquellen zufolge liegt der hypophysäre Ursprung bei der deutlichen Mehrzahl der diagnostizierten Fälle vor, während der adrenale Tumor seltener, dafür aber häufiger bösartig ist und in ausgewählten Fällen operativ angegangen werden kann.

Übergewichtiger älterer Mops – Gewichtszunahme gehört zu den typischen Cushing-Zeichen
Übergewichtiger älterer Mops – Gewichtszunahme gehört zu den typischen Cushing-Zeichen Foto: Petful.com, CC BY 4.0

Die klassischen Symptome im Überblick

Zu den auffälligsten Symptomen zählen ein stark gesteigerter Durst mit entsprechend vermehrtem Urinabsatz sowie ein deutlich gesteigerter Appetit. Viele betroffene Hunde wirken schneller erschöpft und zeigen eine spürbare Schwäche in der Hintergliedmaßenmuskulatur. Übermäßiges Hecheln, auch ohne körperliche Anstrengung oder Hitze, gehört ebenfalls zu den häufig beobachteten Anzeichen.

Hautveränderungen als typisches Warnzeichen

Ein besonders charakteristisches Symptom ist symmetrischer Haarausfall, meist am Rumpf beginnend, oft begleitet von dünner werdender, verletzlicher Haut. Der durch die Muskelschwäche der Bauchmuskulatur entstehende, sichtbar hängende Bauch – umgangssprachlich als „Hängebauch“ beschrieben – fällt vielen Haltern optisch als erstes auf und führt häufig überhaupt erst zum Tierarztbesuch. Zusätzlich berichten Halter oft von schlecht heilenden kleinen Wunden, wiederkehrenden Hautinfektionen und einem stumpfen, glanzlosen Fell, da die dünnere Haut anfälliger für Verletzungen und Keime wird als bei einem gesunden Hund.

Welche Hunde besonders betroffen sind

Das Cushing-Syndrom tritt bevorzugt bei kleineren Hunderassen und in höherem Alter auf, kann grundsätzlich aber jede Rasse betreffen. Da die ersten Symptome schleichend beginnen und leicht mit normalen Alterserscheinungen verwechselt werden, vergeht bei vielen betroffenen Hunden einige Zeit, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Rassen wie Dackel, Pudel, Terrier und Boxer werden in tierärztlichen Übersichten häufiger im Zusammenhang mit der Erkrankung genannt, auch wenn grundsätzlich jede Rasse betroffen sein kann und ein Zusammenhang mit dem Alter deutlich stärker ausgeprägt ist als mit einer bestimmten Rassezugehörigkeit.

Ein zusätzlicher Risikofaktor kann die langfristige, hochdosierte Gabe von Kortisonpräparaten bei anderen Erkrankungen sein: Diese sogenannte iatrogene Form ähnelt in ihren Symptomen dem natürlich entstandenen Cushing-Syndrom, hat aber eine andere Ursache und erfordert ein schrittweises, ärztlich begleitetes Ausschleichen der Medikation statt einer dauerhaften Cushing-Therapie.

Diagnoseweg beim Tierarzt

Zur Diagnose führt die Tierarztpraxis in der Regel hormonelle Bluttests durch, etwa den ACTH-Stimulationstest oder den Dexamethason-Hemmtest, die Aufschluss über die Cortisol-Regulation geben. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz, um die Struktur der Nebennieren zu beurteilen und einen Tumor direkt sichtbar zu machen oder eine Vergrößerung als Hinweis auf die hypophysäre Form zu erkennen. Ziel ist es dabei nicht nur, die Erkrankung selbst, sondern auch die zugrundeliegende Form zu bestimmen.

Behandlungsmöglichkeiten und Ausblick

Die medikamentöse Behandlung zielt darauf, die übermäßige Cortisol-Produktion zu regulieren, meist mit einem lebenslang einzunehmenden Präparat. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen zeigen, ob die Dosierung angepasst werden muss. Bei einem eindeutig lokalisierten Nebennierentumor kommt in ausgewählten Fällen auch eine chirurgische Entfernung infrage. Mit konsequenter Therapie lassen sich Symptome wie übermäßiger Durst und Haarausfall bei vielen Hunden deutlich lindern, auch wenn die Grunderkrankung meist dauerhaft medikamentös begleitet werden muss.

Leben mit einem Hund mit Cushing-Syndrom

Nach der Diagnose ändert sich der Alltag betroffener Hunde meist deutlich: regelmäßige Kontrollbesuche zur Überprüfung der Cortisol-Werte, eine konsequente, oft lebenslange Medikamentengabe zur gleichen Tageszeit und eine erhöhte Aufmerksamkeit für neue oder sich verändernde Symptome gehören zur Routine. Weil eine zu hohe Dosierung des Medikaments zu einem gefährlichen Cortisol-Mangel führen kann, sind die ersten Kontrolltermine nach Therapiebeginn besonders engmaschig, bevor sich größere Abstände einspielen.

Mit guter Einstellung führen viele Hunde trotz der Diagnose noch Jahre ein aktives, beschwerdearmes Leben. Halter, die frühe Symptome wie vermehrten Durst oder Haarausfall ernst nehmen und zügig abklären lassen, verschaffen ihrem Hund dabei den entscheidenden Vorteil: eine Behandlung, die beginnt, bevor die Erkrankung weitere Organe wie Leber oder Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft zieht. Ein Ernährungsplan mit moderatem Fettgehalt und die Anpassung der Bewegung an die aktuelle Belastbarkeit des Hundes ergänzen die medikamentöse Therapie zusätzlich und tragen dazu bei, Begleiterscheinungen wie Übergewicht oder Muskelabbau abzumildern.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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