Nahaufnahme von Hundefell

Sebadenitis beim Hund: Symptome, Rassen, Behandlung

Kurzantwort: Sebadenitis ist eine seltene Hauterkrankung, bei der körpereigene Immunzellen die Talgdrüsen des Hundes angreifen und zerstören. Bei kurzhaarigen Rassen wie Vizsla, Zwergpinscher und Dackel zeigen sich ringförmige Muster mit Haarausfall, Rötung und feiner weißer Schuppung. Bei langhaarigen Rassen wie Akita, Großpudel und Samojede kommt es durch die gestörte Talgproduktion zusätzlich zu starken Verfilzungen und gelblich-braunen Verklebungen, oft beginnend an den Ohren. Eine sichere Diagnose gelingt nur über eine Hautbiopsie. Sebadenitis gilt derzeit als nicht heilbar, mit konsequenter Behandlung lässt sich der Zustand des Fells jedoch meist deutlich verbessern.

Sebadenitis zählt zu den selteneren, aber besonders hartnäckigen Hauterkrankungen beim Hund. Weil ihre ersten Anzeichen an Ohren und Rücken leicht mit einem gewöhnlichen Milbenbefall verwechselt werden, vergehen bis zur richtigen Diagnose oft mehrere Tierarztbesuche.

Wer die typischen Anzeichen und die betroffenen Rassen kennt, kann beim ersten Verdacht gezielter nachfragen und dem Hund damit unnötige Behandlungsversuche ersparen.

Was bei Sebadenitis im Körper passiert

Bei der Sebadenitis richten sich Zellen des körpereigenen Immunsystems gegen die Talgdrüsen, die an jedem Haarfollikel des Hundes sitzen. Neuere Untersuchungen gehen deshalb von einer Autoimmunerkrankung aus. Die Talgdrüsen produzieren normalerweise Fett, das Haut und Fell geschmeidig hält und vor Austrocknung schützt. Werden sie zerstört, verändert sich diese Schutzschicht grundlegend, was in der Folge zu Haarausfall, Entzündungen und je nach Felltyp zu sehr unterschiedlichen äußeren Erscheinungsbildern führt. Betroffen sind vor allem die Haarfollikel selbst und die an ihnen sitzenden Talgdrüsen, während die tiefer liegenden Hautschichten in den meisten Fällen intakt bleiben, was erklärt, warum die Erkrankung trotz ihrer sichtbaren Auswirkungen nicht als lebensbedrohlich gilt.

Symptome bei kurzhaarigen Rassen

Bei kurzhaarigen Rassen wie dem Ungarischen Vizsla, dem Zwergpinscher und dem Dackel beginnen die sichtbaren Veränderungen meist mit ringförmigen, haarlosen Flecken. Die betroffene Haut zeigt Rötungen und eine feine, weiße, nicht fest anhaftende Schuppung. Diese Effloreszenzen treten häufig zuerst am Rücken und an den Ohren auf und können sich bei fehlender Behandlung über größere Körperbereiche ausbreiten.

Nahaufnahme von Hundefell
Nahaufnahme von Hundefell Foto: davidgsteadman, Public Domain

Symptome bei langhaarigen Rassen

Bei langhaarigen Rassen wie Akita, Großpudel und Samojede führt die gestörte Talgproduktion zu einem anderen Bild: Wegen des längeren Haarkleides kommt es zu ausgeprägten Verfilzungen und Verklebungen. Typisch sind gelbliche bis bräunliche Verklebungen an der Haarbasis, die häufig zuerst im Bereich der Ohren auftreten und dort leicht mit den Folgen eines Milbenbefalls verwechselt werden. Der unangenehme Geruch, der durch die veränderte Hautflora entsteht, ist ein weiteres häufiges Anzeichen.

Welche Rassen betroffen sind

Als besonders betroffen gelten Akita und Amerikanischer Akita, Großpudel, Ungarischer Vizsla, Samojede und Chow-Chow. Beim Pudel ist die Vererbbarkeit der Erkrankung mittlerweile nachgewiesen, bei mehreren weiteren Rassen wird sie aufgrund gehäufter Fälle innerhalb von Blutlinien vermutet. Das bedeutet nicht, dass jeder Hund dieser Rassen erkrankt – die genetische Veranlagung erhöht lediglich das statistische Risiko. Bei manchen Rassen zeigt sich die Erkrankung bereits im jungen Erwachsenenalter zwischen ein und fünf Jahren, bei anderen erst deutlich später, was die frühzeitige Zuordnung zusätzlich erschwert.

Weil Sebadenitis in unterschiedlicher Ausprägung auftreten kann – von wenigen kleinen Flecken bis zu großflächigem Befall – variiert auch der Leidensdruck der betroffenen Hunde stark. Manche Tiere zeigen neben den Hautveränderungen kaum Beeinträchtigung, andere entwickeln durch die gestörte Hautbarriere zusätzlich wiederkehrende bakterielle Sekundärinfektionen, die eigenständig mitbehandelt werden müssen.

Diagnose per Hautbiopsie

Ein sicherer Nachweis der Sebadenitis ist bislang nur über die histologische Untersuchung ausgestanzter Hautproben in einem Fachlabor möglich. Weil die äußeren Symptome anderen Hauterkrankungen wie Demodikose oder bakteriellen Infektionen ähneln können, reicht eine rein äußerliche Beurteilung für eine verlässliche Diagnose nicht aus. Tierärzte entnehmen dafür in der Regel mehrere kleine Hautproben unter örtlicher Betäubung oder Sedierung. In manchen Fällen entnimmt die Tierarztpraxis mehrere Proben von unterschiedlichen Körperstellen, weil der Befall nicht überall gleich stark ausgeprägt ist und eine einzelne Probe den tatsächlichen Schweregrad unterschätzen kann.

Behandlung: Symptome lindern statt heilen

Sebadenitis gilt derzeit als nicht heilbar. Sämtliche Therapieansätze zielen darauf, die Entzündungsreaktion zu verlangsamen, die schützende Fettschicht der Haut so weit wie möglich wiederherzustellen und Stress für den betroffenen Hund zu vermeiden, da Stress den Krankheitsverlauf verschlechtern kann. Zum Einsatz kommen je nach Schweregrad fettende Ölbäder, entzündungshemmende Medikamente sowie eine langfristige, engmaschige tierärztliche Betreuung. In schwereren Fällen kommen zusätzlich Retinoide oder Ciclosporin zum Einsatz, die das übersteuerte Immunsystem gezielt dämpfen sollen; welches Vorgehen im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Ausprägungsgrad und vom Ansprechen auf die ersten Behandlungsschritte ab.

Pflege im Alltag mit betroffenen Hunden

Halter betroffener Hunde berichten häufig von regelmäßigen, speziell abgestimmten Ölbädern, die das Fell geschmeidig halten und Verklebungen lösen sollen. Ein ruhiges, stressarmes Umfeld gehört ebenso zum Behandlungskonzept wie eine konsequente Zusammenarbeit mit einer auf Dermatologie spezialisierten Tierarztpraxis, da sich das Krankheitsbild individuell sehr unterschiedlich entwickeln kann und die Therapie entsprechend angepasst werden muss.

Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen

Weil Sebadenitis in ihrer Frühphase äußerlich einem Milbenbefall, einer bakteriellen Hautinfektion oder einer Pilzerkrankung ähneln kann, führt der erste Verdacht viele Halter zunächst zu Behandlungen, die nicht wirken. Ein Hund, der trotz mehrerer Behandlungsversuche gegen vermutete Parasiten oder Bakterien keine Besserung zeigt und weiterhin schuppt oder verklebt, sollte deshalb gezielt auf Sebadenitis hin untersucht werden, statt die bisherige Therapie einfach zu verlängern.

Für die Praxis bedeutet das: Eine Hautbiopsie lohnt sich bereits dann, wenn der Verdacht besteht, nicht erst nach monatelangem Ausprobieren verschiedener äußerlicher Behandlungen. Je früher die Diagnose feststeht, desto eher lässt sich die Behandlung gezielt auf die tatsächliche Ursache ausrichten, statt Symptome zu bekämpfen, die eigentlich einer ganz anderen Erkrankung zuzuordnen sind.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

Nach oben scrollen