Labrador Retriever im Freien

Hunderasse Labrador: Steckbrief, Wesen und Gesundheit

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 7 Min.

Titelbild: Bild: rawpixel (CC0)

Kurzantwort: Der Labrador Retriever ist ein mittelgroßer Apportierhund aus Großbritannien (FCI-Standard Nr. 122, Gruppe 8). Rüden messen 56 bis 57 cm, Hündinnen 54 bis 56 cm. Erwachsene Rüden wiegen im Schnitt gut 35 kg, Hündinnen gut 30 kg. Er gilt als freundlich, arbeitsfreudig und familientauglich, neigt aber stark zu Übergewicht.

Stand: Oktober 2026 · Werte nach FCI-Standard, VetCompass-Studie (Royal Veterinary College) und Waltham-Wachstumskurven

Steckbrief: Labrador Retriever auf einen Blick

Merkmal Labrador Retriever
FCI-Standard Nr. 122, Gruppe 8 (Apportier-, Stöber- und Wasserhunde), Sektion 1 (Apportierhunde)
Herkunft Großbritannien, Vorfahren aus Neufundland
Widerristhöhe Rüde 56 bis 57 cm, Hündin 54 bis 56 cm
Gewicht erwachsen Rüde im Schnitt 35,2 kg, Hündin 30,4 kg
Farben einfarbig Schwarz, Gelb (Hellcreme bis Fuchsrot), Leberbraun/Schokobraun
Fell kurz, dicht, wetterfeste Unterwolle
Lebenserwartung im Median 12 Jahre, schokobraune Hunde 10,7 Jahre
Häufigste Befunde beim Tierarzt Ohrentzündung (10,4 %), Übergewicht (8,8 %), Gelenkverschleiß (5,5 %)
Wesen laut Standard gutmütig, sehr beweglich, intelligent, arbeitsfreudig
Geeignet für Familien und Einsteiger mit Zeit für tägliche Bewegung und Beschäftigung

Höhe, Farben und Wesen stammen aus dem FCI-Standard Nr. 122. Gewicht, Lebenserwartung und Befunde stammen aus der VetCompass-Studie von 2018. Sie wertete die Patientendaten von über 33.000 Labradoren in britischen Tierarztpraxen aus.

Herkunft: kein Hund aus Labrador, sondern aus Neufundland

Der Name täuscht. Die Vorfahren stammen von der Insel Neufundland, nicht aus der kanadischen Region Labrador. Fischer setzten dort Hunde ein, die ins eiskalte Wasser sprangen und Netze und Fische bargen. Dafür brauchten sie Wasserfreude, Ausdauer und einen kräftigen „Otterschwanz“ als Steuer.

Britische Adlige brachten die Hunde im 19. Jahrhundert nach England. Der erste Zuchtclub entstand 1916, der Yellow Labrador Club 1925. Eine sehr alte Rasse ist der Labrador damit nicht.

Heute gibt es zwei Zuchtrichtungen. Arbeitslinien sind auf Jagd und Apportieren gezüchtet, meist schlanker und arbeitsfreudiger. Showlinien wirken kompakter und gelten im Alltag oft als etwas ruhiger. Beim Züchter lohnt die Frage nach der Linie. Sie sagt mehr über den Bewegungsdrang als der Rassename.

Farben: Schwarz, Gelb und Schokobraun

Der Standard erlaubt drei Farben, jeweils einfarbig. Gelb reicht von Hellcreme bis Fuchsrot, Braun von hell bis dunkel. In der VetCompass-Studie waren 44,6 % der Hunde schwarz, 27,8 % gelb und 23,8 % schokobraun.

Die Farbe hängt an zwei Genorten. Schwarz setzt sich durch. Schokobraun entsteht, wenn der Hund von beiden Eltern die braune Variante erbt. Gelb entsteht, wenn er zweimal die Variante erbt, die schwarzes und braunes Pigment im Fell unterdrückt.

Die Farbe ist nicht nur Optik. Schokobraune Labradore lebten in der Studie im Median 10,7 Jahre, andersfarbige 12,1 Jahre. Ohrentzündungen kamen bei schokobraunen Hunden mit 23,4 % fast doppelt so oft vor wie bei schwarzen (12,8 %).

Zwei Labrador-Welpen schlafen eng aneinandergekuschelt
Labrador-Welpen wachsen im ersten halben Jahr am schnellsten. Foto: „Labrador puppies“ von simonpbriggs1975 · CC BY-SA 2.0 · via Flickr · zugeschnitten

Labrador Welpe: Gewichtskurve nach Monaten

Die Tabelle zeigt, wie viel ein Labrador-Welpe in welchem Alter typischerweise wiegt. Die Werte stammen aus den Wachstumskurven von Salt und Kollegen (PLOS ONE, 2017). Die Studie wertete die Daten von Millionen Hunden aus US-Tierkliniken aus und ordnet den Labrador der Größenklasse V zu (Erwachsenengewicht 30 bis 40 kg).

Alter Hündin Median Hündin üblicher Bereich Rüde Median Rüde üblicher Bereich
3 Monate 9,5 kg 8 bis 11 kg 10,5 kg 9 bis 12 kg
4 Monate 13,5 kg 11,5 bis 15 kg 15 kg 13 bis 17 kg
5 Monate 18 kg 15,5 bis 20 kg 20 kg 18 bis 22,5 kg
6 Monate 20,5 kg 18,5 bis 23 kg 24 kg 21 bis 26,5 kg
8 Monate 24,5 kg 22 bis 27 kg 29 kg 26 bis 32 kg
10 Monate 26,5 kg 24 bis 29 kg 31,5 kg 28,5 bis 34,5 kg
12 Monate 27,5 kg 25 bis 30 kg 32,5 kg 29,5 bis 35 kg
18 Monate 28,5 kg 26,5 bis 31 kg 33 kg 30,5 bis 36 kg
knapp 2 Jahre 29,5 kg 27 bis 32 kg 34 kg 31,5 bis 36,5 kg

So ist die Tabelle zu lesen: Der Median ist die 50-Prozent-Linie der Kurve, der übliche Bereich liegt zwischen der 25- und der 75-Prozent-Linie. Die Werte sind aus der Grafik abgelesen und auf 0,5 kg gerundet. Ein einzelner Welpe kann gesund darüber oder darunter liegen. Wichtig ist, dass er auf seiner Linie bleibt und nicht plötzlich nach oben oder unten abweicht.

Gut zu sehen: Bis zum sechsten Monat erreicht ein Labrador schon rund 70 Prozent seines Endgewichts. Danach flacht die Kurve deutlich ab. Mit etwa einem Jahr ist das Wachstum weitgehend abgeschlossen. Wie viel Futter dazu passt, zeigt der Futterrechner für Hunde.

Das POMC-Gen: warum viele Labradore nie satt wirken

Eine Studie der University of Cambridge (Cell Metabolism, 2016) fand bei Labradoren eine Genveränderung im POMC-Gen. Die Variante kommt mit einer Allelhäufigkeit von 12 Prozent vor. Rechnerisch trägt damit gut jeder fünfte Labrador mindestens eine Kopie.

Das Gen steuert Botenstoffe, die Hunger und Sättigung regeln. Träger zeigen mehr Futtermotivation, mehr Fett und ein höheres Gewicht. Unter Labradoren aus der Zucht für Assistenzhunde war die Variante deutlich häufiger als bei Familienhunden.

Für Halter heißt das: Ein Labrador, der ständig bettelt, folgt womöglich einer echten Veranlagung. Gerade dann gehört das Futter abgewogen auf den Tisch. Leckerlis zählen zur Tagesration. Übergewicht belastet Gelenke, die bei dieser Rasse ohnehin anfällig sind.

Gesundheit: Ohren, Gewicht und Gelenke

Die drei häufigsten Befunde in der VetCompass-Studie waren Entzündungen des äußeren Gehörgangs (10,4 %), Übergewicht (8,8 %) und Gelenkverschleiß (5,5 %). Kastrierte Rüden waren deutlich häufiger übergewichtig als unkastrierte (11,4 % gegenüber 4,1 %).

Wie bei vielen großen Rassen kommen außerdem Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED) vor. Seriöse Züchter lassen die Elterntiere röntgen und offiziell auswerten. Die progressive Retinaatrophie (PRA), eine Netzhauterkrankung, lässt sich per Gentest der Eltern ausschließen.

Vor dem Welpenkauf lohnt der Blick in die Unterlagen: HD/ED-Ergebnis, Augenuntersuchung und, wenn vorhanden, der POMC-Test. Züchter im Deutschen Retriever Club führt die DRC-Welpenliste.

Fellpflege und Fellwechsel

Das kurze, dichte Fell mit wasserabweisender Unterwolle verfilzt kaum. Haararm ist der Labrador trotzdem nicht. Im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst verliert er viel Unterwolle und braucht dann tägliches Bürsten. Sonst reichen ein bis zwei Bürsteinheiten pro Woche.

Wegen der Neigung zu Ohrentzündungen gehören die Ohren zur Wochenkontrolle. Nach dem Baden oder Schwimmen sollten sie gut trocknen.

Erziehung und Auslastung

Als Apportierhund braucht der Labrador neben Bewegung eine Aufgabe für Nase und Maul. Dummytraining, Futtersuchspiele und Apportierübungen nutzen seine Stärken. Stundenlanges Ballwerfen erhöht dagegen vor allem das Risiko für Gelenk- und Bänderverletzungen.

Welpen und Junghunde sollten nur kurz und ruhig apportieren, solange die Wachstumsfugen offen sind. Abruptes Bremsen und Drehen beim Sprint belastet Gelenke, die noch nicht ausgewachsen sind.

Der Labrador lernt schnell und will gefallen. Das macht ihn auch für Einsteiger gut erziehbar. Eine Hundeschule im ersten Jahr hilft, seine Energie früh in Bahnen zu lenken.

Für wen passt ein Labrador?

Der Labrador passt zu Familien mit Kindern und zu aktiven Menschen, die täglich Zeit für Bewegung und Beschäftigung haben. Er ist meist verträglich mit Kindern und anderen Tieren.

Weniger geeignet ist er für Halter mit wenig Zeit oder für alle, die jedem Bettelblick nachgeben. Bewegungsmangel und zu viel Futter führen bei dieser Rasse besonders oft zu Übergewicht. Weitere passende Rassen zeigt der Vergleich der Familienhunde.

Häufige Fragen

Wie groß wird ein Labrador?

Laut FCI-Standard 56 bis 57 cm bei Rüden und 54 bis 56 cm bei Hündinnen.

Wie schwer wird ein Labrador?

Erwachsene Rüden wiegen im Schnitt 35,2 kg, Hündinnen 30,4 kg.

Wie viel wiegt ein Labrador-Welpe mit 6 Monaten?

Nach den Waltham-Wachstumskurven im Median etwa 20,5 kg als Hündin und 24 kg als Rüde.

Wann ist ein Labrador ausgewachsen?

Mit etwa einem Jahr ist das Größenwachstum weitgehend abgeschlossen. Danach legt er bis zum zweiten Jahr nur noch wenig zu.

Wie alt wird ein Labrador?

Im Median 12 Jahre, schokobraune Labradore in der Studie 10,7 Jahre.

Welche Farben gibt es beim Labrador?

Schwarz, Gelb von Hellcreme bis Fuchsrot und Schokobraun, jeweils einfarbig.

Ist der Labrador ein Anfängerhund?

Ja, wenn genug Zeit für Bewegung, Beschäftigung und konsequente Fütterung da ist.

Warum hat mein Labrador immer Hunger?

Gut jeder fünfte Labrador trägt eine Variante im POMC-Gen, die das Sättigungsgefühl stört.

Haaren Labradore viel?

Ja, vor allem im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst. Dann hilft tägliches Bürsten.

Welche Krankheiten sind beim Labrador häufig?

Ohrentzündungen, Übergewicht und Gelenkverschleiß, dazu HD/ED und die Augenkrankheit PRA.

Quellen

Mehr zum Thema

Geschrieben von Felix für hunde-gesundheit.net. Angaben zu Dosierung und Symptomen stammen aus tierärztlichen Quellen.


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