Junger Leonberger ruht auf dem Boden

Leonberger Welpen: Gentests, Wachstum und Züchterwahl

Kurzantwort: Der Leonberger wird von der FCI unter der Standardnummer 145 in Gruppe 2, Sektion 2.2 (Molossoide, Berghunde) geführt, ohne Arbeitsprüfung. Rüden erreichen 72 bis 80 cm Widerristhöhe bei einem empfohlenen Mittelmaß von 76 cm, Hündinnen 65 bis 75 cm mit einem Mittelmaß von 70 cm; ein Gewicht schreibt der Standard nicht vor. Vor dem Kauf zählen die Gentests für die Polyneuropathie und für LEMP sowie ausgewertete Gelenkbefunde beider Elterntiere. Abgegeben werden darf ein Welpe erst mit über acht Wochen.

Ein Leonberger-Welpe wiegt bei der Abgabe schon so viel wie ein ausgewachsener Zwergpudel. Er wächst dann noch anderthalb Jahre weiter.

Diese Zeit ist der eigentliche Kern der Aufzucht. Was in den ersten fünfzehn Monaten an Gelenken passiert, lässt sich später nicht mehr korrigieren.

Was aus dem Welpen wird

Ursprungsland ist Deutschland, die gültige Fassung des Standards wurde am 4. Januar 1996 publiziert. Verwendung laut Standard: Wach-, Begleit- und Familienhund.

  • Rüden: 72 bis 80 cm Widerristhöhe, empfohlenes Mittelmaß 76 cm
  • Hündinnen: 65 bis 75 cm Widerristhöhe, empfohlenes Mittelmaß 70 cm
  • Proportionen: Widerristhöhe zu Rumpflänge 9 : 10, Brusttiefe annähernd 50 Prozent der Widerristhöhe
  • Gewicht: im Standard nicht festgelegt

Zum Wesen verlangt der Standard Selbstsicherheit und souveräne Gelassenheit, mittleres Temperament einschließlich Spieltrieb, Unterordnungsbereitschaft sowie gute Lern- und Merkfähigkeit. Ausdrücklich genannt wird die Kinderfreundlichkeit; weder scheu noch aggressiv soll der Hund sein.

Ausgewachsener Leonberger mit löwenfarbenem Haarkleid
Das Wachstum dauert lange — in dieser Zeit entscheidet sich, wie die Gelenke später aussehen. Foto: Petful.com, CC BY 4.0

Gentests: der wichtigste Punkt vor dem Kauf

Für den Leonberger sind mehrere erbliche Nervenerkrankungen beschrieben. Das Institut für Genetik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern hat gemeinsam mit der University of Minnesota ursächliche Mutationen identifiziert und bietet Gentests an.

Die Leonberger-Polyneuropathie 1 (LPN1) beruht auf einer Deletion von zehn Basenpaaren im Gen ARHGEF10. Hunde, die diese Variante von beiden Elternteilen geerbt haben, entwickeln in der Regel vor ihrem dritten Lebensjahr Krankheitszeichen, darunter eine schwere Kehlkopflähmung. Die LPN2 beruht auf einer Deletion von zwei Basenpaaren im Gen GJA9 und wird autosomal dominant mit unvollständiger Penetranz vererbt. Die Leukoenzephalomyelopathie (LEMP) ist eine rezessiv vererbte Erkrankung der weißen Substanz des Zentralnervensystems und geht auf eine Veränderung im Gen NAPEPLD zurück.

Frage konkret nach den Testergebnissen beider Elterntiere und lass sie dir als Befund zeigen. Ein Züchter, der diese Tests kennt und offen darüber spricht, ist der bessere Ansprechpartner als einer, der die Frage abwiegelt.

Gelenke und Wachstum

Neben den Gentests gehören ausgewertete Befunde zu Hüft- und Ellenbogengelenken beider Elterntiere zur Grundlage jeder Kaufentscheidung. Bei einer Rasse dieser Größe entscheidet die Gelenkgesundheit über die Lebensqualität im zweiten Lebensabschnitt.

In der Aufzucht gilt konsequente Zurückhaltung, solange die Wachstumsfugen offen sind: kein Radfahren neben dem Junghund, keine Sprünge aus dem Kofferraum, keine täglichen Treppenmärsche, keine langen Strecken am Stück. Eine gebräuchliche Faustregel sind fünf Minuten Spaziergang je Lebensmonat, mehrmals täglich. Rutschige Böden werden mit Läufern entschärft, damit der Welpe nicht wegknickt.

Beim Futter zählt Maß. Ein zu schnell wachsender Riesenwelpe belastet Knochen und Bänder stärker als nötig. Die Rippen sollen unter leichtem Druck zu ertasten sein.

Die ersten Wochen und die Impfungen

Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt die Trennung vom Muttertier erst im Alter von über acht Wochen; Welpen bis zu zwanzig Wochen ist mindestens vier Stunden je Tag Umgang mit einer Betreuungsperson zu gewähren. Für die Grundimmunisierung nennt die Kleintierklinik der LMU München bei Welpen unter 16 Wochen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis ab der sechsten bis achten Woche, danach im Abstand von drei bis vier Wochen bis zur 16. Woche und dann nach einem Jahr; Leptospirose ab der zwölften Woche zweimal, Tollwut einmal ab der zwölften Woche.

Sozialisierung mit einem Hund, der groß wird

Ein Leonberger lernt in den ersten Monaten, wie er Menschen begegnet — und behält das bei, wenn er 70 Kilo wiegt. Übe deshalb von Anfang an, was später zählen wird: ruhiges Begrüßen ohne Anspringen, lockere Leine, Rückruf und das Liegenbleiben auf einer Decke, während im Raum etwas passiert.

Autofahrten, Tierarztbesuche ohne Behandlung und das Betreten von Waagen und ungewohnten Untergründen gehören ebenfalls in diese Zeit. Ein erwachsener Riese, der sich beim Tierarzt wehrt, ist ein Problem für alle Beteiligten.

Was langfristig auf dich zukommt

Die Kosten wachsen mit dem Hund: Futtermenge, Medikamentendosis, Narkosen und Unterbringung im Urlaub richten sich nach dem Gewicht. Dazu kommt die Fellpflege — das lange Haar mit Unterwolle braucht mehrmals wöchentlich Bürste und Kamm, im Fellwechsel täglich.

Und ein Punkt, den viele erst spät bedenken: Große Rassen haben eine kürzere Lebenserwartung als kleine. Wer sich für einen Leonberger entscheidet, entscheidet sich für viel Hund in vergleichsweise wenigen Jahren.

Was die ersten Nächte brauchen

Ein Riesenwelpe braucht in den ersten Wochen vor allem Schlaf — mehr, als die meisten erwarten. Junge Hunde ruhen den größten Teil des Tages, und Übermüdung zeigt sich bei ihnen als Wildheit, nicht als Schläfrigkeit. Wer einen Welpen kennt, der abends beißt und tobt, sieht meist genau das.

Richte deshalb einen Ruheplatz ein, der außerhalb der Laufwege liegt, und schütze ihn: Der Welpe wird dort nicht gestreichelt, nicht geweckt und nicht bespielt. Für die Nacht ist ein Platz neben deinem Bett praktisch, weil du hörst, wenn er raus muss.

Plane feste Pausen ein, statt auf Müdigkeit zu warten. Ein Rhythmus aus kurzem Wachsein, Fressen, Lösen und Schlafen bringt in den ersten Wochen mehr Ruhe ins Haus als jede Übung.

Ein Hinweis zum Preis

Ein Welpe aus einer Zucht mit ausgewerteten Gelenkbefunden und dokumentierten Gentests kostet mehr als einer aus einem Inserat ohne Papiere. Der Unterschied ist keine Marge, sondern die Summe aus Untersuchungskosten, Zuchtzulassung und Aufzucht.

Gerechnet über ein Hundeleben fällt dieser Betrag kaum ins Gewicht. Eine einzige Gelenkoperation bei einem Hund von 70 Kilogramm kostet mehr — von der Lebensqualität abgesehen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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