Läufigkeit beim Hund – Ablauf, Dauer und was zu beachten ist

Kurz gesagt: Eine Hündin wird meist zweimal im Jahr läufig, der Zyklus dauert insgesamt etwa drei Wochen. Deckbereit ist sie in der Regel zwischen dem 9. und 13. Tag, wenn der Ausfluss heller wird und sie die Rute zur Seite legt. Die erste Läufigkeit tritt je nach Größe zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat auf.

Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Die vier Phasen

Proöstrus — etwa 9 Tage. Die Vulva schwillt an, es kommt zu blutigem Ausfluss. Rüden interessieren sich bereits, die Hündin lässt aber nicht zu.

Östrus — etwa 9 Tage. Der Ausfluss wird heller und schleimiger. Jetzt ist die Hündin deckbereit; sie stellt die Rute zur Seite, wenn man den Rücken berührt.

Metöstrus — etwa 60 bis 90 Tage. Die Hormonlage entspricht der einer Trächtigkeit, unabhängig davon, ob gedeckt wurde. In dieser Phase entsteht die Scheinträchtigkeit.

Anöstrus — die Ruhephase bis zur nächsten Läufigkeit.

Wann die erste Läufigkeit kommt

Kleine Rassen werden früher geschlechtsreif als große. Bei einem Chihuahua kann die erste Läufigkeit mit sechs Monaten auftreten, bei einer Dogge erst mit 18 bis 24.

Die ersten Zyklen sind oft unregelmäßig. Manche Hündinnen zeigen eine stille Läufigkeit mit kaum sichtbaren Anzeichen — das ist keine Störung, macht die Beobachtung aber schwerer.

Bleibt die Läufigkeit bei einer erwachsenen Hündin ganz aus oder tritt sie sehr häufig auf, gehört das tierärztlich abgeklärt.

Woran man sie erkennt

  • Geschwollene Vulva
  • Blutiger, später hellerer Ausfluss
  • Häufigeres Urinieren, oft in kleinen Mengen
  • Vermehrtes Lecken der Genitalregion
  • Verändertes Verhalten: anhänglicher oder unruhiger
  • Nachlassender Gehorsam, besonders in der Standhitze
  • Interesse von Rüden, teils über große Entfernung

Im Alltag

An der Leine bleiben. Auch eine sonst zuverlässige Hündin folgt in dieser Zeit dem Instinkt. Ein Ausbruch endet häufig mit einer ungewollten Trächtigkeit.

Hundewiesen und Hundeschulen meiden. Viele Einrichtungen schließen läufige Hündinnen ohnehin aus.

Spaziergänge zu ruhigen Zeiten und auf weniger frequentierten Wegen.

Geruchsspuren beachten. Rüden nehmen sie über Kilometer wahr; das Urinieren im eigenen Garten kann Besuch anlocken.

Höschen schützen Möbel, nicht vor einer Deckung. Sie sollten regelmäßig gewechselt werden.

Die Scheinträchtigkeit

Etwa vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit zeigen viele Hündinnen Anzeichen einer Trächtigkeit, ohne gedeckt worden zu sein: gesäugte Zitzen, Nestbauverhalten, Bewachen von Spielzeug, verminderter Appetit.

Das ist ein normales Erbe der Wolfsvorfahren, bei denen nicht tragende Weibchen die Welpen der Leitwölfin mit versorgten.

Meist reicht es, das Bemuttern von Gegenständen zu unterbrechen und die Hündin abzulenken. Bei starker Milchbildung, Schmerzen oder anhaltendem Verhalten hilft die Tierarztpraxis; das Melken sollte man nicht selbst versuchen, weil es die Milchbildung anregt.

Die Kastration

Eine Kastration beendet die Läufigkeit und senkt das Risiko für Gesäugetumoren deutlich, wenn sie früh erfolgt. Sie verhindert außerdem die Gebärmuttervereiterung, eine lebensbedrohliche Erkrankung älterer, unkastrierter Hündinnen.

Dem stehen mögliche Nachteile gegenüber: Harninkontinenz bei einem Teil der Hündinnen, Fellveränderungen, Gewichtszunahme und bei sehr früher Kastration Auswirkungen auf das Wachstum.

In Deutschland ist die Kastration nach dem Tierschutzgesetz nur mit vernünftigem Grund zulässig. Die Entscheidung gehört deshalb in ein Gespräch mit der Tierarztpraxis, nicht in eine pauschale Regel.

Die Gebärmuttervereiterung

Sie tritt meist vier bis acht Wochen nach der Läufigkeit auf und ist ein Notfall. Warnzeichen sind vermehrtes Trinken, Erbrechen, Fieber, Teilnahmslosigkeit und eitriger Ausfluss.

Bei einer geschlossenen Form fehlt der Ausfluss, und das Tier verschlechtert sich rasch. Bei diesen Anzeichen gehört eine Hündin sofort in Behandlung.

Die Läufigkeit und der Rüde

Für Rüden ist die Zeit ebenfalls anstrengend. Sie nehmen den Geruch über große Entfernungen wahr, fressen schlechter, werden unruhig, jaulen und versuchen auszubrechen.

In dieser Phase sollte man Freilauf einschränken, Türen und Zäune prüfen und mit mehr Beschäftigung im Haus arbeiten. Reine Bewegung hilft wenig — Nasenarbeit und Kauartikel wirken besser.

Ein Rüde, der eine läufige Hündin im Haushalt hat, muss zuverlässig getrennt werden. Zwei Türen zwischen den Tieren sind die übliche Empfehlung, weil eine Tür regelmäßig geöffnet wird.

Nach einer ungewollten Deckung

Wenn es passiert ist, sollte man nicht versuchen, die Tiere zu trennen — beim sogenannten Hängen kann das schwere Verletzungen verursachen.

Danach gehört das Tier zeitnah in die Praxis. Es gibt Möglichkeiten, eine Trächtigkeit zu verhindern; sie sind zeitkritisch und wirken umso besser, je früher sie eingesetzt werden.

Ob eine Trächtigkeit besteht, lässt sich per Ultraschall ab etwa dem 21. Tag feststellen.

Die Hormonspirale und andere Verfahren

Neben der operativen Kastration gibt es Möglichkeiten, die Läufigkeit vorübergehend zu unterdrücken — etwa mit einem Implantat, das über Monate wirkt.

Der Vorteil ist die Umkehrbarkeit: Man kann prüfen, wie sich Verhalten und Fell verändern, bevor man endgültig entscheidet. Der Nachteil sind mögliche Nebenwirkungen und die Notwendigkeit regelmäßiger Wiederholung.

Diese Verfahren sind verschreibungspflichtig und werden individuell abgewogen. Für Zuchttiere und für Hündinnen mit bestimmten Vorerkrankungen kommen sie nicht in Betracht.

Häufige Fragen

Wie oft wird eine Hündin läufig?

Meist zweimal im Jahr.

Wie lange dauert die Läufigkeit?

Etwa drei Wochen.

Wann ist sie deckbereit?

Meist zwischen dem 9. und 13. Tag.

Wann kommt die erste Läufigkeit?

Je nach Größe zwischen 6 und 18 Monaten.

Schützt ein Höschen vor Deckung?

Nein.

Was ist Scheinträchtigkeit?

Ein normales Verhalten nach der Läufigkeit ohne Deckung.

Wann ist es ein Notfall?

Bei Fieber, Erbrechen und eitrigem Ausfluss.

Ist eine Kastration sinnvoll?

Das hängt vom Einzelfall ab und gehört besprochen.

Wie verhält sich ein Rüde?

Er wird unruhig, frisst schlechter und versucht auszubrechen.

Was tun nach ungewollter Deckung?

Nicht trennen und zeitnah die Tierarztpraxis aufsuchen.

Kann man die Läufigkeit unterdrücken?

Ja, vorübergehend mit einem Implantat – nach tierärztlicher Abwägung.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Felix, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.


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