Weißer Pudel mit aufwendig geschnittenem, lockigem Fell

Hunderassen, die nicht haaren: Was wirklich dahintersteckt

Kurzantwort: Einen wissenschaftlich belegten, hundertprozentig allergikerfreundlichen Hund gibt es nicht — das bestätigt Prof. Torsten Zuberbier von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Jeder Hund produziert Allergene, vor allem über Speichel, Urin und Hautschuppen. Was es gibt, sind Rassen mit wenig oder ganz ohne Unterwolle, deren Haar kontinuierlich wächst statt saisonal auszufallen: Pudel, Malteser, Havaneser, Bichon Frisé, Portugiesischer Wasserhund und Lagotto Romagnolo. Sie verlieren im Alltag weniger Haare — nicht automatisch weniger Allergene.

Der Begriff „hypoallergen“ klebt an Zoohandlungsregalen und Rasseporträts, seit Labradoodle-Züchter ihn in den 1980er-Jahren als Verkaufsargument prägten. Die Forschung ist seither nicht nachgezogen, auch wenn sich der Begriff bis heute hartnäckig in Ratgebern und Züchteranzeigen hält.

Wer wegen einer Allergie nach einer bestimmten Rasse sucht, verwechselt oft zwei verschiedene Dinge: wenig Haarverlust in der Wohnung und wenig Allergen im Blut des Allergikers. Beides hängt nur locker zusammen, wie der folgende Überblick zeigt.

Trotzdem ist die Frage nach dem Fell nicht sinnlos gestellt. Wer weniger lose Haare auf Sofa, Kleidung und Teppich haben will — aus Allergiegründen oder einfach aus Putzaufwand —, findet bei den sechs folgenden Rassen tatsächlich einen Unterschied zu Rassen mit dichter, saisonal wechselnder Unterwolle.

Warum „hypoallergen“ ein Marketingbegriff ist

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie äußert sich eindeutig: Hypoallergene Hunderassen gibt es nicht. Prof. Torsten Zuberbier nennt entsprechende Werbeversprechen irreführend. Sechs Hundeallergene sind wissenschaftlich beschrieben, allen voran Can f 1; Forscher weisen sie in Hautschuppen, Speichel und Urin praktisch jeder Rasse nach, wenn auch in unterschiedlicher Konzentration.

Eine Untersuchung am Henry-Ford-Hospital in Detroit hat 60 Hunderassen auf die Menge der im Wohnraum verteilten Allergene geprüft, darunter elf als angeblich hypoallergen beworbene Rassen. Diese elf Rassen zeigten dabei keinen messbaren Vorteil gegenüber den übrigen 49 untersuchten Rassen. Als Beispiele für Rassen, die fälschlicherweise als allergikerfreundlich vermarktet werden, nennt der Fachartikel des Berufsverbands der HNO-Ärzte ausdrücklich den Portugiesischen Wasserhund und den Labradoodle.

Was stattdessen wirklich zählt: der Fellwechsel

Was sich tatsächlich unterscheidet, ist die Menge loser Haare in der Wohnung. Rassen mit dichter Unterwolle wechseln ihr Fell saisonal und verlieren dabei über Wochen hinweg sichtbar Haare. Rassen mit lockigem oder seidigem Haar ohne oder mit kaum Unterwolle wachsen stattdessen kontinuierlich weiter, ähnlich wie menschliches Haar — der VDH beschreibt das Pudelhaar deshalb ausdrücklich als „unendlich wachsend“. Diese Hunde verlieren dadurch weniger lose Haare im Fellwechsel, brauchen dafür aber regelmäßigen Schnitt oder Schur, damit das Haar nicht verfilzt. Wer sich für eine dieser Rassen entscheidet, tauscht also Zeit mit dem Staubsauger gegen Zeit mit Bürste, Kamm und Hundefriseur.

Portugiesischer Wasserhund mit lockigem Fell springt über eine Agility-Hürde
Der Standard des Portugiesischen Wasserhunds schreibt ausdrücklich vor: keine Unterwolle. Foto: Flickr user SheltieBoy (Ron Armstrong), CC BY 4.0

Pudel: Loyalität und ein Fell, das nie von selbst aufhört zu wachsen

Der Pudel (FCI-Standard Nr. 172) trägt laut Standard ein dichtes, entweder gelocktes oder geschnürtes Haarkleid. Weil das Haar weiterwächst, bildet es ohne regelmäßiges Scheren Verfilzungen — der Pflegeaufwand verschiebt sich vom Staubsaugen zum Friseurtermin. Der Standard beschreibt sein Wesen zusätzlich als loyal und besonders lern- und dressurfähig.

Malteser, Havaneser und Bichon Frisé: langes Haar ohne dichte Unterwolle

Beim Malteser (FCI-Standard Nr. 65) fällt das Haar laut Standard glatt und seidig bis zum Boden, ganz ohne Locken oder Kräuselung; eine Unterwolle nennt der Standard nicht. Der Havaneser (FCI-Standard Nr. 250) trägt ein Deckhaar von 12 bis 18 cm Länge bei einem laut Standard schwach entwickelten oder oft ganz fehlenden Unterhaar. Der Bichon Frisé (FCI-Standard Nr. 215) hat korkenzieherartig lockiges Haar mit dünnem, seidigem Unterfell. Alle drei brauchen mehrmals wöchentliches Bürsten, um Verfilzung zu verhindern — dafür bleibt spürbar weniger Haar auf Sofa und Teppich liegen als bei Rassen mit dichter Unterwolle. Wird eine dieser Rassen nicht regelmäßig gebürstet, verfilzt das Haar am Körper und muss dann geschoren werden — der Pflegeaufwand verschwindet also nicht, er verschiebt sich nur von der Wohnung auf den Hund selbst.

Portugiesischer Wasserhund und Lagotto Romagnolo: Arbeitsrassen mit Lockenfell

Der Portugiesische Wasserhund (FCI-Standard Nr. 37) misst als Rüde 50 bis 57 cm bei 19 bis 25 kg. Sein Standard schreibt ausdrücklich: keine Unterwolle. Ursprünglich half er portugiesischen Fischern beim Netzeeinholen und beim Tauchen nach entwischten Fischen; sein wasserabweisendes Lockenhaar ist Arbeitskleidung, kein Zufall.

Der Lagotto Romagnolo (FCI-Standard Nr. 298) erreicht als Rüde 43 bis 48 cm bei 13 bis 16 kg. Der Standard verlangt engringelige Locken am ganzen Körper und weist ausdrücklich darauf hin, dass das Haar mindestens einmal jährlich vollständig geschoren werden muss, weil es sonst verfilzt. Ursprünglich als Trüffelhund gezüchtet, ist er heute vor allem Begleithund, braucht aber wie sein Vorfahre viel Beschäftigung für die Nase — Suchspiele passen besser zu ihm als reine Spaziergänge.

Was das für Allergiker in der Praxis bedeutet

Weniger Haare auf dem Boden bedeuten nicht automatisch weniger Beschwerden, weil die Hauptallergene über Speichel und Urin verbreitet werden und an Haaren nur anhaften. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf eine der genannten Rassen setzt, sollte vor dem Kauf mehrere Stunden am Stück mit dem konkreten Hund verbringen und das nach Möglichkeit wiederholen — die individuelle Reaktion zählt mehr als die Rasse, denn auch innerhalb einer Rasse schwankt die Allergenmenge einzelner Tiere. Regelmäßiges Baden und professionelle Fellpflege reduzieren zusätzlich, wie viel Allergen sich in der Wohnung verteilt. Wichtig bleibt außerdem die Wohnungshygiene selbst: häufiges Staubsaugen, Luftreiniger und ein hundefreies Schlafzimmer verändern die Allergenlast oft stärker als die Rassewahl allein.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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