Inhalt
Kurzantwort: Als große Hunde gelten üblicherweise Rassen ab etwa 60 cm Widerristhöhe. Die Deutsche Dogge (FCI Nr. 235) beginnt bei Rüden bei 80 cm, der Bernhardiner (Nr. 61) bei 70 cm, der Leonberger (Nr. 145) bei 72 cm. Der Neufundländer (Nr. 50) wiegt im Durchschnitt 68 kg bei Rüden. Die FCI kennt keine Größenklassen — sie ordnet nach Verwendung. Die Zahlen stammen deshalb aus den einzelnen Rassestandards.
Ein großer Hund ist kein vergrößerter kleiner Hund. Futtermenge, Tierarztkosten, Autogröße, Wachstumsdauer und Lebenserwartung verschieben sich alle in dieselbe Richtung.
Wer das vorher durchrechnet, trifft eine bessere Entscheidung als jemand, der sich in ein Foto verliebt.
Neun große Rassen mit den Maßen aus dem Standard
Auffällig ist, wie unterschiedlich die Standards formulieren. Manche nennen Mindest- und Höchstmaße, andere nur ein empfohlenes Mittelmaß, wieder andere Durchschnittswerte.
Alle Werte stammen aus dem jeweils gültigen FCI-Rassestandard:
- Deutsche Dogge (Nr. 235): Rüden mindestens 80 cm, 90 cm sollten nicht überschritten werden; Hündinnen mindestens 72 cm, höchstens 84 cm
- Bernhardiner (Nr. 61): Rüden 70 bis 90 cm, Hündinnen 65 bis 80 cm
- Leonberger (Nr. 145): Rüden 72 bis 80 cm (empfohlenes Mittelmaß 76), Hündinnen 65 bis 75 cm (Mittelmaß 70)
- Neufundländer (Nr. 50): Rüden im Durchschnitt 71 cm und etwa 68 kg, Hündinnen 66 cm und etwa 54 kg
- Dobermann (Nr. 143): Rüden 68 bis 72 cm und 40 bis 45 kg, Hündinnen 63 bis 68 cm und 32 bis 35 kg
- Berner Sennenhund (Nr. 45): Rüden 64 bis 70 cm (ideal 66 bis 68), Hündinnen 58 bis 66 cm (ideal 60 bis 63)
- Rottweiler (Nr. 147): Rüden 61 bis 68 cm und etwa 50 kg, Hündinnen 56 bis 63 cm
- Deutscher Schäferhund (Nr. 166): Rüden 60 bis 65 cm und 30 bis 40 kg, Hündinnen 55 bis 60 cm und 22 bis 32 kg
- Golden Retriever (Nr. 111): Rüden 56 bis 61 cm, Hündinnen 51 bis 56 cm

Die Liste zeigt zwei Gruppen. Deutsche Dogge, Bernhardiner, Leonberger und Neufundländer gehören zu den schweren Rassen mit ruhigem Temperament. Dobermann, Rottweiler, Deutscher Schäferhund und Golden Retriever sind leichter gebaut und wurden als Gebrauchs- oder Jagdhunde gezüchtet.
Wachstum: die kritischen ersten fünfzehn Monate
Große Rassen wachsen länger als kleine. Bei einer Deutschen Dogge oder einem Leonberger schließen sich die Wachstumsfugen frühestens mit fünfzehn bis achtzehn Monaten. Bis dahin gilt: keine Treppen im Dauerbetrieb, kein Radfahren nebenher, keine weiten Sprünge, kein ausgiebiges Toben auf glattem Boden.
Beim Futter zählt weniger die Menge als das Verhältnis von Kalzium und Phosphor sowie eine gleichmäßige Wachstumskurve. Ein Welpe, der zu schnell zulegt, belastet Gelenke, die noch nicht tragen. Schlank ist bei großen Rassen kein Schönheitsideal, sondern Vorsorge.
Auch der Alltag richtet sich danach. Ein Welpe, der zehn Wochen alt ist und 8 kg wiegt, wird in einem halben Jahr 35 kg wiegen. Was er jetzt lernt — an der Leine gehen, sich anfassen lassen, ruhig warten —, muss auch dann noch funktionieren.
Auch die Ernährung während des Wachstums folgt anderen Regeln als bei kleinen Rassen. Ein Alleinfuttermittel, das ausdrücklich für große Rassen ausgewiesen ist, deckt den Bedarf ab; freies Zufüttern von Kalzium schadet dabei mehr, als es nützt.
Lebenserwartung: die unangenehme Zahl
Große Rassen leben im Schnitt kürzer als kleine. Bei den schwersten Rassen liegt die Erwartung deutlich unter der eines mittelgroßen Hundes. Wer mit einer Dogge oder einem Neufundländer lebt, sollte das von Anfang an einkalkulieren.
Beeinflussen lässt sich die Zahl in zwei Punkten: Gewicht halten und Gelenke schonen. Beides beginnt im ersten Lebensjahr und wirkt bis zum letzten.
Eine dritte Stellschraube ist die Vorsorge. Magendrehung trifft große Rassen mit tiefer Brust häufiger als kleine; wer die Anzeichen kennt — unproduktives Würgen, aufgeblähter Bauch, Unruhe — verliert im Ernstfall keine Zeit.
Was ein großer Hund kostet
Die Anschaffung ist der kleinste Posten. Ein Hund von 60 kg frisst je nach Aktivität das Vier- bis Fünffache eines 15-Kilo-Hundes. Medikamente werden nach Körpergewicht dosiert, Narkosen ebenso — Tierarztrechnungen fallen entsprechend höher aus.
Dazu kommen Dinge, an die vorher niemand denkt: ein Auto, in das eine passende Box passt; eine Hundehaftpflicht, die für die Rasse gilt; eine Betreuung im Urlaub, die einen Hund dieser Größe überhaupt annimmt.
Auch die Ausrüstung wird teurer. Geschirre, Boxen, Körbe und Transportlösungen in Größe XL kosten ein Vielfaches der Standardgrößen und halten bei einem kräftigen Hund nicht automatisch länger.
Platz und Alltag
Große Hunde brauchen weniger Bewegung, als ihre Größe vermuten lässt. Ein Neufundländer oder ein Bernhardiner ist ein ruhiger Hund mit gemächlichem Tempo. Anspruchsvoller im Alltag sind die kleineren Vertreter der Liste: Dobermann, Rottweiler und Deutscher Schäferhund wurden als Gebrauchshunde gezüchtet und brauchen Aufgaben.
Beim Platz zählt weniger die Wohnfläche als der Grundriss. Ein Hund von 80 cm Widerristhöhe braucht eine Liegefläche, an der niemand vorbeisteigen muss, und einen Boden, auf dem er nicht wegrutscht. Teppichläufer auf glatten Böden sind bei großen Rassen keine Deko.
Ein praktischer Hinweis zum Auto: Die Box gehört in den Kofferraum und muss gesichert sein. Ein ungesicherter Hund von 50 kg wird bei einer Vollbremsung zum Geschoss — für sich selbst und für die Insassen.
Auswahl: worauf es ankommt
Hüft- und Ellenbogenbefunde der Elterntiere sind bei großen Rassen kein Extra, sondern die Voraussetzung. Bei Doggen und Bernhardinern kommen Herzuntersuchungen dazu, bei mehreren Rassen Augenuntersuchungen. Welche Befunde verlangt werden, regelt die Zuchtordnung des jeweiligen VDH-Vereins.
Ein Züchter, der auf Nachfrage keine Befunde zeigt, ist kein Züchter. Bei einem Hund, der ausgewachsen 60 kg wiegt, ist das keine Formalie.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 235: Deutsche Dogge
- FCI-Standard Nr. 50: Newfoundland
- FCI-Standard Nr. 145: Leonberger
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Welpenkauf
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Japanische Hunderasse: Alle neun Rassen im Überblick
- Terrier-Rassen: 12 Terrier im Vergleich und Porträt
- Große Hunderassen: 12 Rassen ab 30 Kilogramm im Porträt
Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.








