Hund neben einem Haufen ausgebürsteten Fells

Fellwechsel beim Hund: Ursachen, Dauer und richtige Pflege

Kurzantwort: Der Fellwechsel beim Hund wird vor allem durch die Tageslichtlänge gesteuert: Im Frühjahr sinkt mit längeren Tagen die Melatoninausschüttung der Zirbeldrüse, das dichte Winterfell fällt aus und macht dünnerem Sommerfell Platz. Im Herbst kehrt sich der Prozess um und die Unterwolle verdichtet sich als Kälteschutz. Ein vollständiger Fellwechsel dauert im Schnitt bis zu acht Wochen. Kastration, hohes Alter, reine Wohnungshaltung mit viel Kunstlicht und Stress können den natürlichen Rhythmus zusätzlich verschieben oder verstärken.

Zweimal im Jahr liegen bei den meisten Hunden auffällig viele Haare auf Sofa, Teppich und Kleidung – und zweimal im Jahr stellt sich bei Halterinnen und Haltern die gleiche Frage: Ist das noch normal oder steckt mehr dahinter?

Die Antwort hängt vom Timing, von der Rasse und vom Zustand von Haut und Fell ab. Wer den natürlichen Ablauf kennt, erkennt Abweichungen schneller und kann in der intensiven Zeit gezielter unterstützen.

Warum Hunde ihr Fell wechseln

Fast alle Säugetiere gemäßigter und kalter Klimazonen passen die Beschaffenheit ihres Fells den Jahreszeiten an, und Hunde bilden da keine Ausnahme. Auslöser ist in erster Linie die Photoperiode, also die Tageslichtlänge: Über die Netzhaut registriert der Körper, wie sich die Helligkeit im Jahresverlauf verändert, und passt darüber die Melatoninausschüttung der Zirbeldrüse an. Werden die Tage im Frühjahr länger, produziert die Zirbeldrüse weniger Melatonin, was den Wechsel zum leichteren Sommerfell auslöst. Kürzere Herbsttage erhöhen die Melatoninproduktion wieder und regen die Bildung des dichteren Winterfells an. Daneben spielt auch die Temperatur eine unterstützende Rolle, wenngleich das Licht der Haupttakt geber bleibt.

Frühjahr und Herbst im Vergleich

Im Frühjahr wirft der Hund vor allem die dichte Unterwolle des Winters ab, damit Luft an die Haut kommt und die Temperatur im Sommer reguliert werden kann – diese Phase fällt meist am deutlichsten auf, weil sichtbar viele Haare ausfallen. Im Herbst verläuft der Prozess umgekehrt: Die Unterwolle wird dichter, während sich das Deckhaar etwas lichtet, was insgesamt weniger auffällt als der Frühjahrswechsel. Beide Phasen dienen demselben Ziel, den Hund optimal auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten.

Wie lange der Fellwechsel dauert

Ein vollständiger saisonaler Fellwechsel zieht sich im Schnitt über sechs bis acht Wochen. Das einzelne Haar durchläuft dabei einen genetisch gesteuerten Zyklus aus Wachstumsphase, Abbauphase und einer Ruhephase, bevor es ausfällt und ein neues Haar nachwächst. Wie dicht das Fell danach ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie lange diese Ruhephase je Haar andauert – ein Grund, warum sich Rassen mit üppiger Unterwolle wie Schäferhund oder Husky im Fellwechsel deutlich stärker bemerkbar machen als kurzhaarige Rassen.

Hund im Porträt mit dichtem Fell
Foto: Martin John Duncan, CC BY 4.0

Was den natürlichen Rhythmus verschiebt

Mehrere Faktoren können den klar getakteten Fellwechsel durcheinanderbringen. Kastrierte Hunde haaren im Schnitt stärker als unkastrierte, weil sich mit den Hormonen auch die Fellstruktur verändert. Ältere Hunde verlieren tendenziell mehr Haare, und bei Hündinnen verstärkt sich der Haarausfall häufig zu Beginn einer Läufigkeit. Reine Wohnungshaltung mit viel künstlichem Licht und konstanten Innentemperaturen kann den saisonalen Takt zusätzlich verwischen, sodass manche Hunde nahezu ganzjährig in geringerem Umfang haaren statt in zwei klar abgegrenzten Schüben. Auch akuter Stress, etwa durch Autofahrten oder einen Tierarztbesuch, kann kurzfristig vermehrten Haarausfall auslösen.

Rassen ohne klassischen Fellwechsel

Nicht jeder Hund haart im herkömmlichen Sinn. Pudel und viele Doodle-Rassen wachsen ihr Fell kontinuierlich wie menschliches Haar und brauchen deshalb regelmäßiges Scheren oder Trimmen statt eines saisonalen Fellwechsels. Nahezu unbehaarte Rassen wie der mexikanische Xoloitzcuintle durchlaufen den Prozess gar nicht erst. Für alle anderen Rassen mit Deckhaar und Unterwolle bleibt der saisonale Wechsel dagegen der Normalfall. Wer vor dem Einzug eines Welpen wenig Haare in der Wohnung möchte, kann diesen Unterschied gezielt in die Rassewahl einbeziehen, muss bei nicht haarenden Rassen dafür aber regelmäßige Schertermine beim Hundefriseur einplanen.

Pflege während des Fellwechsels

Tägliches Bürsten mit einer geeigneten Unterwollbürste entfernt lose Haare, bevor sie sich zu Verfilzungen verknoten, regt gleichzeitig die Talgdrüsen an und beugt Juckreiz vor. Häufiges Baden ist dagegen eher kontraproduktiv, weil es die Haut zusätzlich austrocknet. Eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigem Eiweiß und ausreichend Mineralstoffen unterstützt die Neubildung des Fells, ersetzt aber keine tierärztliche Abklärung, wenn das Fell trotz guter Pflege stumpf und glanzlos bleibt.

Wie oft bürsten in der intensiven Phase

Außerhalb des Fellwechsels reicht bei den meisten Rassen zwei- bis dreimaliges Bürsten pro Woche. In der intensiven Wechselphase im Frühjahr und Herbst darf es täglich sein, bei Rassen mit sehr dichter Unterwolle sogar mehrmals täglich in kurzen Einheiten. Eine Unterwollbürste oder ein Striegel erreicht die losen Haare näher an der Haut als eine einfache Kammbürste und verkürzt die sichtbare Wechselphase spürbar, weil weniger Haare von selbst im Wohnbereich landen. Wichtig bleibt dabei, die Haut nicht zu reizen: Sanfter, gleichmäßiger Druck reicht aus, kräftiges Ziehen an verfilzten Stellen sollte vermieden und stattdessen vorsichtig aufgetrennt werden.

Wann Haarausfall kein normaler Fellwechsel mehr ist

Kreisrunde kahle Stellen, gerötete oder entzündete Haut, starkes Kratzen, Lecken oder Beißen sowie unangenehmer Geruch sind keine typischen Begleiterscheinungen eines normalen Fellwechsels und gehören tierärztlich abgeklärt. Mögliche Ursachen reichen von Ekto- und Endoparasiten über Allergien und Hautpilze bis zu Hormonstörungen wie einer Schilddrüsenunterfunktion oder Organerkrankungen. Je früher solche Ursachen erkannt werden, desto gezielter lässt sich behandeln – ein Grund, ungewöhnlichen Haarausfall nicht vorschnell auf die Jahreszeit zu schieben. Als grobe Orientierung gilt: Fällt das Fell gleichmäßig am ganzen Körper aus und wächst innerhalb weniger Wochen wieder gleichmäßig nach, spricht vieles für einen normalen saisonalen Prozess. Bleiben einzelne Stellen dauerhaft kahl oder kommt Juckreiz hinzu, ist das dagegen ein deutliches Warnsignal.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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