Deutscher Schäferhund-Welpe im Porträt

Blauer Schäferhund: Farbe, Genetik und was Käufer wissen sollten

Kurzantwort: Blau ist beim Deutschen Schäferhund keine im FCI-Standard Nr. 166 genannte Farbe. Der Standard erlaubt Schwarz mit Abzeichen, einfarbig Schwarz und Grau mit dunklerer Wolkung – und verlangt ausdrücklich eine schwarze Nasenkuppe. Blau entsteht durch das rezessive Dilute-Gen, das schwarzes Pigment aufhellt und dabei auch die Nase graublau statt schwarz färbt. Reinerbig verdünnte Hunde (dd) können bei manchen Rassen zudem anfälliger für die Farbmutantenalopezie (CDA) sein, eine Erkrankung mit Haarausfall und wiederkehrenden Hautproblemen.

Blaue Schäferhunde werden online oft als besonders selten und wertvoll beworben, teilweise zu einem deutlichen Aufpreis gegenüber Welpen in Standardfarbe. Der Rassestandard sieht das anders: Er kennt die Farbe schlicht nicht als zulässige Variante für Zucht und Ausstellung. Für Interessenten stellt sich damit eine Frage, die über reine Optik hinausgeht: Was verrät die Farbe über die Zuchtstätte, aus der ein Welpe stammt?

Wer sich für einen blauen Schäferhund interessiert, sollte deshalb drei Dinge auseinanderhalten – die genetische Ursache der Farbe, die gesundheitlichen Fragen, die damit zusammenhängen können, und was ein hoher Preis für eine Nichtstandardfarbe eigentlich über die Zucht dahinter aussagt.

Was der Rassestandard zur Farbe sagt

Der FCI-Standard Nr. 166 für den Deutschen Schäferhund erlaubt drei Farbschläge: Schwarz mit rotbraunen, braunen, gelben bis hellgrauen Abzeichen, einfarbig Schwarz sowie Grau mit dunklerer Wolkung, schwarzem Sattel und Maske. Kleine weiße Brustabzeichen und helle Innenseiten sind toleriert, aber nicht erwünscht. Blau taucht in dieser Aufzählung nicht auf, ebenso wenig wie Leberfarben oder ähnliche Verdünnungstöne.

Warum die Nase den Unterschied macht

Der Standard schreibt vor, dass die Nasenkuppe bei allen Farbschlägen schwarz sein muss. Als Pigmentschwäche gelten unter anderem helle Krallen, eine rote Rutenspitze und eine helle bis stechende Augenfarbe. Ein blauer Schäferhund trägt durch das Verdünnungsgen eine graublaue statt schwarze Nase, oft zusammen mit helleren Lefzen und Augenlidern – womit er dieses Standardmerkmal nicht erfüllt und von der Zuchtzulassung in den anerkannten Zuchtvereinen ausgeschlossen ist.

Deutscher Schäferhund in der Standardfarbe Schwarz-Braun
Foto: Tim Felce (Airwolfhound), CC BY-SA 4.0

Wie die Farbe genetisch entsteht

Verantwortlich ist das sogenannte Dilute-Gen, abgekürzt d, das rezessiv gegenüber dem Wildtyp-Allel D vererbt wird. Nur Hunde mit der Kombination dd zeigen die aufgehellte Farbe sichtbar, bei der Mischform Dd bleibt sie äußerlich verborgen, auch wenn das Tier die Anlage weitervererben kann. Tragen beide Elterntiere die Variante Dd in sich, erhalten nach den Mendelschen Regeln im Schnitt 25 Prozent der Welpen im Wurf die Kombination dd und damit die sichtbar blaue Farbe. Das Gen hellt schwarzes Pigment zu Blaugrau auf und verändert entsprechend auch Nase, Lefzen und Augenlider mit.

Gesundheitliche Aspekte: Farbmutantenalopezie

Hunde mancher Rassen leiden bei reinerbiger Verdünnung gehäuft an einer Farbmutantenalopezie, kurz CDA (Color Dilution Alopecia). Betroffene Tiere verlieren stellenweise Fell, oft beginnend an den Ohren, weil die Haarwurzeln durch die Farbaufhellung brüchiger und instabiler werden; hinzu kommen wiederkehrende Hautentzündungen an den kahlen Stellen. Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, unterscheidet sich von Rasse zu Rasse und ist beim Deutschen Schäferhund bislang nicht so gut dokumentiert wie etwa beim Dobermann oder Großen Münsterländer. Der VDH stuft die Verdünnungsfarbe je nach Rasse unterschiedlich ein: Bei manchen Rassen gilt sie als gesundheitlich unproblematisch, bei anderen mit bekannt hohem CDA-Risiko ist dilute Zucht in VDH-Zuchtvereinen ausdrücklich untersagt. Betroffene Hunde entwickeln die ersten Symptome meist innerhalb des ersten Lebensjahres, weshalb sich ein Zusammenhang mit der Fellfarbe oft schon bei jungen Hunden zeigt und nicht erst im Alter.

Wie andere Rassen mit der Verdünnungsfarbe umgehen

Der Umgang mit dem Dilute-Gen fällt von Rasse zu Rasse unterschiedlich aus. Bei der Deutschen Dogge gehört Blau zum anerkannten Farbenspiel des Rassestandards, ohne dass typische Krankheitssymptome damit verbunden wären. Beim Dobermann und beim Deutschen Pinscher gilt die Verdünnung dagegen als Zuchtfehler, weil bei diesen Rassen ein erhöhtes CDA-Risiko dokumentiert ist. Der Deutsche Schäferhund steht farblich zwischen diesen Beispielen: Er ist im Standard schlicht nicht vorgesehen, unabhängig davon, wie hoch das gesundheitliche Risiko im Einzelfall tatsächlich ausfällt.

Blau ist nicht gleich Weiß

Wichtig für die Einordnung: Während Weiß beim Deutschen Schäferhund seit 1933 explizit aus dem Standard gestrichen wurde und als disqualifizierender Fehler gilt, ist Blau lediglich nicht im Standard vorgesehen. Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei – weiße Schäferhunde werden inzwischen in eigenen Vereinen als Weiße Schweizer Schäferhunde weitergezüchtet, für blaue Schäferhunde existiert keine vergleichbare eigenständige Rasseanerkennung.

Wesen und Arbeitseigenschaften bleiben gleich

Die Fellfarbe hat keinen Einfluss auf Wesen, Lernfähigkeit oder Arbeitseigenschaften des Deutschen Schäferhundes. Ein blauer Schäferhund aus einer verantwortungsvollen Verpaarung ist genauso führig, aufmerksam und belastbar wie ein Artgenosse in Standardfarbe. Die Farbe entscheidet ausschließlich darüber, ob ein Hund auf Ausstellungen bewertet und in den großen Zuchtvereinen zur Zucht zugelassen wird – nicht darüber, wie gut er als Familien-, Sport- oder Diensthund geeignet ist.

Was ein hoher Preis wirklich bedeutet

Weil Blau nicht dem Standard entspricht, züchten seriöse, dem SV oder VDH angeschlossene Zuchtstätten nicht gezielt darauf. Wird ein blauer Welpe dennoch zu einem deutlichen Aufpreis als „selten“ oder „exklusiv“ beworben, lohnt sich die Nachfrage nach dem Zuchtverband, den HD- und ED-Untersuchungen der Elterntiere und dem Zuchtbuch. Fehlen solche Nachweise komplett, deutet das eher auf eine Zucht hin, die gezielt auf eine ungewöhnliche Optik statt auf Gesundheit selektiert – ein Muster, das von unabhängigen Qualzucht-Initiativen bei mehreren sogenannten Trendfarben beim Hund kritisch beobachtet wird. Unabhängig von der Fellfarbe sind Zuchtbuch, Gesundheitsuntersuchungen und ein seriöser Verein genau die Kriterien, die über die Qualität einer Zucht entscheiden – nicht ein ungewöhnlicher Farbton. Genau diese Unterlagen sollte jeder Käufer vor der Anzahlung einsehen, nicht erst danach.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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