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Kurzantwort: Die Bordeauxdogge (Dogue de Bordeaux) trägt die FCI-Standardnummer 116, Gruppe 2, Sektion 2.1, ohne Arbeitsprüfung. Rüden erreichen 60 bis 68 cm Widerristhöhe bei mindestens 50 kg Gewicht, Hündinnen 58 bis 66 cm bei mindestens 45 kg. Der Standard beschreibt ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen mit hoher Reizschwelle — als ehemaliger Kampfhund erfüllt sie Bewachungsaufgaben laut FCI „ohne Aggressivität“. Ein Welpe darf frühestens mit über acht Wochen abgegeben werden.
Ein Bordeauxdoggen-Welpe wiegt bei der Abgabe kaum mehr als eine ausgewachsene Katze. Am Ende steht ein Hund, der über 50 Kilogramm auf die Waage bringt und dessen Kopfumfang laut Standard ungefähr seiner Widerristhöhe entsprechen soll.
Zwischen diesen beiden Punkten liegt eine Wachstumsphase, die viel Geduld verlangt — und ein Wesen, das anders ist, als der wuchtige Körperbau vermuten lässt.
Was der Standard vorschreibt
Ursprungsland ist Frankreich, der gültige Standard wurde am 4. November 2008 veröffentlicht. Als Verwendungszweck nennt die FCI Bewachung, Schutz und Abschreckung.
- Rüden: 60 bis 68 cm Widerristhöhe, mindestens 50 kg
- Hündinnen: 58 bis 66 cm Widerristhöhe, mindestens 45 kg, mit denselben Merkmalen wie der Rüde, aber weniger ausgeprägt
- Toleranz: 1 cm nach unten, 2 cm nach oben
- Besonderheit: Die Größe soll laut Standard ungefähr dem Kopfumfang entsprechen

Vom Kampfhund zum Wachhund
Die Bordeauxdogge zählt zu den ältesten französischen Hunderassen und geht laut FCI-Standard womöglich auf die Alanerhunde zurück. Schon im 14. Jahrhundert beschreibt Gaston Phébus, Graf von Foix, in seinem Jagdbuch einen Vorfahren, der „seine Beute besser hält als dies drei Windhunde vermöchten“. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Rasse vor allem in Aquitanien verbreitet, wo sie zur Wildschweinjagd, zur Bewachung von Haus und Vieh sowie als Gehilfe der Schlachtknechte diente. 1863 wurde im Pariser Jardin d’Acclimatation erstmals eine Bordeauxdogge ausgestellt.
Wesen: ruhig statt aggressiv
Der Standard beschreibt die Bordeauxdogge trotz ihrer Vergangenheit als Kampfhund als aufmerksam und mutig, aber ausdrücklich ohne Aggressivität. Sie gilt als guter Gefährte, dem Halter gegenüber anhänglich und liebevoll, ruhig und ausgeglichen mit hoher Reizschwelle. Rüden zeigen laut Standard normalerweise ein dominantes Wesen — ein Punkt, den Ersthalter bei der Erziehung einplanen sollten.
Diese Kombination aus Wachsamkeit und emotionaler Bindung macht den Welpen anhänglich, aber auch sensibel: Er merkt sich schlechte Erfahrungen, deshalb zählt eine konsequente, aber niemals harte Erziehung von Anfang an.
Wachstum: der kritische Punkt bei Riesenrassen
Wie bei allen sehr großen Rassen entscheidet sich in den ersten anderthalb Jahren, wie die Gelenke später tragen. Solange die Wachstumsfugen offen sind, gehören Treppenmärsche, Sprünge aus dem Kofferraum und lange Strecken am Stück nicht zum Alltag eines Welpen. Kurze, mehrmals tägliche Spaziergänge belasten Knochen und Bänder deutlich weniger als ein langer Auslauf.
Beim Futter gilt Zurückhaltung statt Fülle: Ein zu schnell wachsender Welpe setzt seine Gelenke stärker unter Druck, als es für seine spätere Statur gut ist. Bei einer tiefbrüstigen Rasse wie der Bordeauxdogge gehört außerdem Ruhe nach dem Fressen und die Aufteilung der Futtermenge auf mehrere kleine Mahlzeiten zu den Grundregeln, mit denen Halter großer Hunde das Risiko einer Magendrehung senken.
Pflege: die Falten brauchen Aufmerksamkeit
Das kurze Fell der Bordeauxdogge ist pflegeleicht und kommt mit gelegentlichem Bürsten aus. Mehr Aufmerksamkeit verlangt die für die Rasse typische Faltenbildung im Gesicht: Ohne regelmäßiges Reinigen und Trockenhalten der Hautfalten können sich dort Feuchtigkeit und Bakterien sammeln und Reizungen auslösen.
Ein Welpe gewöhnt sich am leichtesten an dieses Ritual, wenn es von Anfang an zur festen Routine gehört — kurz nach dem Fressen oder nach dem Spaziergang, immer mit einem trockenen, weichen Tuch.
Worauf beim Züchter zu achten ist
Der Club für Molosser e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main betreut die Dogue de Bordeaux innerhalb des VDH neben sieben weiteren Molosser-Rassen. Ein Züchter, der dort organisiert ist, arbeitet nach festgelegter Zuchtordnung und lässt Elterntiere vor dem Zuchteinsatz untersuchen.
Frag konkret nach Herz- und Gelenkbefunden beider Elterntiere. Bei einer Rasse mit diesem Körperbau und Gewicht lohnt sich der Blick auf die Gesundheit der Vorfahren mehr als bei kleineren Hunden — jedes Kilogramm zu viel oder jede unentdeckte Vorbelastung wirkt sich stärker aus.
Die ersten Wochen und die Impfungen
Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt die Trennung vom Muttertier erst im Alter von über acht Wochen; bis zur 20. Woche ist dem Welpen mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich zu gewähren. Für die Grundimmunisierung nennt die Kleintierklinik der LMU München bei Welpen unter 16 Wochen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis ab der sechsten bis achten Woche, danach im Abstand von drei bis vier Wochen bis zur 16. Woche und erneut nach einem Jahr; Leptospirose ab der zwölften Woche zweimal, Tollwut einmal ab der zwölften Woche.
Sozialisierung für einen künftigen Wachhund
Ein Bordeauxdoggen-Welpe lernt in den ersten Monaten, wie er auf fremde Menschen reagiert — und das bleibt, wenn er ausgewachsen über 50 Kilogramm wiegt und von Natur aus wachsam ist. Ruhiges Begrüßen von Besuch, entspanntes Verhalten in belebten Straßen und ein verlässlicher Rückruf gehören deshalb früh ins Training.
Wichtig ist auch die Gewöhnung an Tierarztbesuche ohne Behandlung, an Autofahrten und an ungewohnte Untergründe. Ein erwachsener Hund dieser Größe, der sich beim Tierarzt wehrt, ist für alle Beteiligten ein Problem.
Ein Hinweis zum Preis
Ein Welpe aus einer im Club für Molosser organisierten Zucht mit untersuchten Elterntieren kostet mehr als ein Tier aus einem Inserat ohne Papiere. Über ein Hundeleben gerechnet gleicht sich dieser Unterschied aus: Eine Rasse dieser Größe verursacht bei Futter, Medikamentendosis und tierärztlicher Behandlung ohnehin höhere laufende Kosten als ein kleiner Hund.
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 116 — Dogue de Bordeaux (deutsche Fassung, PDF)
- VDH-Rasselexikon: Bordeauxdogge
- Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV), Bundesministerium der Justiz
- Kleintierklinik der LMU München: Empfehlungen zu Impfintervallen für Hunde, Stand Oktober 2025
Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.








