Ein Belgischer Malinois steht aufmerksam im Freien

Belgischer Hund: Schäferhund-Varianten und mehr im Überblick

Kurzantwort: Belgien brachte mehrere eigenständige Hunderassen hervor, allen voran den Belgischen Schäferhund mit seinen vier FCI-anerkannten Varietäten Malinois (kurzhaarig, falbfarben mit schwarzer Maske), Groenendael (langhaarig, einfarbig schwarz), Tervueren (langhaarig, falbfarben-schwarz gewolkt) und Laekenois (rauhaarig, falbfarben). Hinzu kommen der kräftige Treibhund Bouvier des Flandres, bei der FCI unter Standardnummer 191 registriert, sowie der kleine, wachsame Schipperke mit Standardnummer 83. Der Belgische Schäferhundeklub wurde zwischen 1891 und 1897 gegründet, als Professor A. Reul ein Treffen mit 117 Belgischen Schäferhunden organisierte, um die Rasse erstmals systematisch zu beschreiben.

Wer von „dem“ belgischen Hund spricht, meint meist den Malinois – dabei stammen aus Belgien mehrere eigenständige Rassen mit ganz unterschiedlichem Aussehen und Einsatzgebiet.

Vom kurzhaarigen Diensthund bis zum kleinen Wachhund zeigt sich in der belgischen Hundezucht eine bemerkenswerte Vielfalt, die sich lohnt, im Einzelnen zu kennen.

Mehr als eine Rasse: Belgiens Hunde im Überblick

Belgien hat der Hundewelt mit dem Belgischen Schäferhund in seinen vier Varietäten, dem Bouvier des Flandres und dem Schipperke gleich mehrere eigenständige Rassen geschenkt. Alle gehen auf Arbeitshunde zurück, die im 19. Jahrhundert auf belgischen Höfen und in Städten Vieh trieben, Fuhrwerke bewachten oder Ungeziefer fernhielten – und die erst gegen Ende des Jahrhunderts systematisch als eigene Rassen beschrieben wurden. Anders als in vielen Nachbarländern setzte sich in Belgien dabei die Überzeugung durch, dass Fellfarbe und Felllänge allein kein Grund für eine Aufspaltung in mehrere eigenständige Rassen sein sollten, weshalb die vier Schäferhund-Varietäten bis heute als eine gemeinsame Rasse mit vier Erscheinungsformen geführt werden, statt als vier getrennte Rassen.

Der Belgische Schäferhund und seine vier Varietäten

Der Ursprung des Belgischen Schäferhundeklubs lässt sich auf die Jahre 1891 bis 1897 datieren. Professor A. Reul veranlasste damals ein Treffen, zu dem 117 Belgische Schäferhunde mitgebracht wurden, um erstmals eine einheitliche Rassebeschreibung zu erarbeiten. Aus dieser Ausgangspopulation entwickelten sich die vier heute bei der FCI anerkannten Varietäten, die sich vor allem in Fellstruktur und Farbe unterscheiden.

Ein Belgischer Malinois steht aufmerksam im Freien
Foto: User:Caronna, CC BY-SA 4.0

Malinois – der kurzhaarige Diensthund

Der Malinois ist die kurzhaarigste und heute bekannteste Varietät des Belgischen Schäferhundes. Zugelassen ist ausschließlich die Fellfarbe Falbfarben mit schwarzer Maske und schwarzer Wolkung. Seine Kombination aus hoher Arbeitsbereitschaft, Ausdauer und scharfem Verstand machte ihn zum bevorzugten Diensthund bei Polizei, Militär und Rettungshundestaffeln weltweit. Diese Arbeitseignung führte in den vergangenen Jahrzehnten zu einer deutlichen Zunahme spezialisierter Leistungszuchtlinien, die gezielt auf Schutz- und Diensthundesport ausgerichtet sind und sich im Energielevel teils erheblich von familientauglicheren Linien unterscheiden.

Groenendael – langhaarig und einfarbig schwarz

Der Groenendael ist die langhaarige, einfarbig schwarze Variante des Belgischen Schäferhundes. Sein dichtes, glänzendes Fell unterscheidet ihn optisch am deutlichsten von den anderen drei Varietäten und verlangt etwas mehr Pflegeaufwand als das kurze Fell des Malinois. Im Wesen teilt er die für die Rasse typische Wachsamkeit, Intelligenz und enge Bindung an seine Bezugsperson.

Tervueren – falbfarben und gewolkt

Der Tervueren trägt ebenfalls langes Fell, ist jedoch bevorzugt falbfarben-schwarz gewolkt oder grau-schwarz gewolkt mit schwarzer Maske gezeichnet. Damit ähnelt er dem Malinois in der Farbgebung, unterscheidet sich aber durch die Felllänge deutlich von ihm.

Laekenois – die rauhaarige Variante

Der Laekenois hebt sich von den anderen drei Varietäten durch sein rauhaariges, drahtiges Fell ab, das falbfarben mit einer leichten dunklen Wolkung ausgeprägt sein soll. Er gilt als die seltenste der vier Varietäten und wird deutlich weniger häufig gezüchtet als Malinois oder Groenendael.

Bouvier des Flandres – der kräftige Treibhund

Der Bouvier des Flandres stammt aus den belgischen und französischen Teilen Flanderns und ist bei der FCI in Gruppe 1, Sektion 2 (Treibhunde, ausgenommen Schweizer Sennenhunde) unter Standardnummer 191 registriert. Sein Name leitet sich vom französischen Wort für Rind ab, da er ursprünglich als Treibhund für Rinder und Pferde eingesetzt wurde. Heute dient er vor allem als kräftiger Wach-, Sport- und Familienhund. Sein raues, doppeltes Fell mit dichter Unterwolle verlangt regelmäßige Pflege, insbesondere während des Fellwechsels, und sein kräftiger Körperbau erfordert von klein auf eine konsequente Leinenführigkeit, da ein ausgewachsener Bouvier deutlich kraftvoller zieht als ein durchschnittlicher Familienhund.

Schipperke – der kleine Wächter

Der Schipperke ist eine ebenfalls von der FCI anerkannte belgische Rasse, geführt in Gruppe 1, Sektion 1, unter Standardnummer 83. Der Name bedeutet im Flämischen sinngemäß „kleiner Schäferhund“. Als wahrscheinlichster Vorfahre gilt die inzwischen ausgestorbene schwarze Schäferhundrasse Leuvenaar. Bereits im 17. Jahrhundert war der Schipperke ein beliebter, weit verbreiteter Begleiter des einfachen Volkes in flämischen Städten und diente vor allem als aufmerksamer Wach- und Rattenfänger auf Booten und in Werkstätten.

Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher Aufgaben

So verschieden Aussehen und ursprüngliche Aufgabe der belgischen Rassen auch sind, im Wesen zeigen sich deutliche Parallelen: Wachsamkeit, hohe Intelligenz und eine enge Bindung an die eigene Familie prägen sowohl die vier Schäferhund-Varietäten als auch Bouvier des Flandres und Schipperke. Diese Eigenschaften machten sie historisch zu vielseitig einsetzbaren Arbeitshunden und erklären, warum belgische Rassen bis heute im Diensthundebereich stark vertreten sind.

Für Interessenten bedeutet das: Alle genannten Rassen brauchen eine konsequente, frühe Sozialisierung und ausreichend geistige wie körperliche Auslastung, um ihre natürliche Wachsamkeit nicht in übermäßiges Bellen oder Misstrauen gegenüber Besuchern ausarten zu lassen. Reine Zwinger- oder Wohnungshaltung ohne feste Aufgabe wird keiner der belgischen Rassen gerecht, unabhängig davon, welche der Varietäten oder welche der beiden anderen Rassen es letztlich wird. Wer sich für eine dieser Rassen entscheidet, sollte deshalb bereits vor dem Einzug ehrlich klären, wie viel Zeit täglich für Training, Auslauf und geistige Beschäftigung realistisch zur Verfügung steht, statt diese Frage erst nach dem ersten anstrengenden Alltag mit einem unterforderten Hund zu beantworten.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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