Bardino-Hund, auch Majorero Canario genannt, auf Fuerteventura

Bardino: der seltene Hütehund von Fuerteventura im Porträt

Kurzantwort: Der Bardino, auch Majorero Canario oder Perro Majorero genannt, ist eine alte Hüte- und Wachhundrasse von der Kanareninsel Fuerteventura. Er geht auf die Hunde der Ureinwohner, der Guanchen, zurück, die sich nach der spanischen Eroberung mit den Hirtenhunden der Siedler vermischten. Der spanische Hundezuchtverband RSCE führt ihn als eigene Rasse unter dem Namen Perro Majorero, die FCI erkennt ihn bislang nicht als eigenständige Rasse an.

Auf Fuerteventura gehört der Bardino zum Landschaftsbild wie die Vulkankegel und die Ziegenherden, die er seit Jahrhunderten bewacht. Außerhalb der Insel kennen ihn nur wenige.

Dabei steckt hinter dem unscheinbaren Namen eine Rasse mit auffälligem Merkmal: ein Fell, das im Licht grünlich schimmert, was die Insulaner selbst „Verdino“ nennen.

Herkunft: Hütehund der Guanchen

Die Geschichte des Bardino ist eng mit der Besiedlung Fuerteventuras verknüpft. Die Guanchen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, hielten kräftige Hunde, um ihr Vieh vor Dieben und Raubtieren zu schützen. Nach der Eroberung durch die Spanier im 15. Jahrhundert kreuzten sich diese Hunde mit den Hirtenhunden, die die Siedler mitbrachten.

Aus dieser Vermischung entstand über Jahrhunderte ein robuster Landschlag, der sich vor allem durch seine Aufgabe formte, nicht durch eine geplante Zucht. Der Name Majorero leitet sich von „Majo“ ab, wie sich die Einwohner Fuerteventuras selbst nennen. Bardino ist der umgangssprachliche Name für dieselbe Rasse.

Der spanische Hundezuchtverband Real Sociedad Canina de España (RSCE) hat die Rasse unter dem Namen Perro Majorero anerkannt. Bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI) läuft der Bardino bislang nicht als eigenständige Rasse, anders als der Podenco Canario oder der Perro de Presa Canario, mit denen er wegen der ähnlichen Herkunftsinsel gelegentlich verwechselt wird. Der Bardino ist kein Molosser und kein Kampfhundtyp, sondern ein mittelgroßer bis großer Hüte- und Wachhund.

Schriftliche Aufzeichnungen zur gezielten Rassezucht reichen auf Fuerteventura nicht weit zurück. Über Jahrhunderte zählte allein die Arbeitsleistung des Hundes, nicht sein Aussehen. Erst im späten 20. Jahrhundert begannen lokale Vereine, den Bestand systematisch zu dokumentieren und gezielt vor einer Vermischung mit anderen Rassen zu schützen.

Verwechslungsgefahr: nicht der Presa Canario

Weil beide von den Kanarischen Inseln stammen, wird der Bardino häufig mit dem Perro de Presa Canario verwechselt, den viele nur als „Dogo Canario“ kennen. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Rassen mit unterschiedlicher Aufgabe: Der Presa Canario ist ein schwerer Molosser, historisch auch zur Bewachung und für Hundekämpfe eingesetzt, während der Bardino als leichterer, athletischerer Hüte- und Wachhund gezüchtet wurde.

Eine dritte kanarische Rasse sorgt zusätzlich für Verwirrung: der Podenco Canario, ein schlanker Jagdhund vom Windhund-Typ, der auf die Kaninchenjagd spezialisiert ist. Wer sich für einen „kanarischen Hund“ interessiert, sollte deshalb genau klären, welche der drei sehr unterschiedlichen Rassen tatsächlich gemeint ist.

Aussehen: der grüne Schimmer

Der Bardino ist kurzhaarig, muskulös und wirkt trocken und athletisch, ganz auf das trockene Klima der Insel zugeschnitten. Die Fellfarbe reicht von Sandtönen über Braun bis Grau, häufig gestromt.

Namensgebend ist der sogenannte Verdino-Effekt: Bei bestimmtem Lichteinfall schimmert das Fell mancher Tiere grünlich. Zusammen mit der Ursprünglichkeit der Rasse gilt dieses Merkmal unter Kennern als Alleinstellungsmerkmal, das keine andere kanarische Rasse in dieser Form zeigt.

Wesen: wachsam und arbeitsbereit

Der Bardino wurde als Hüte- und Wachhund gezüchtet, nicht als reiner Begleithund. Er gilt als robust, intelligent und wachsam gegenüber Fremden, gleichzeitig als anhänglich zu seiner Familie.

Wer einen Bardino aufnimmt, sollte einen Hund mit eigenem Kopf einplanen. Die Rasse hat über Jahrhunderte selbstständig gearbeitet, ohne engmaschige Anleitung durch Menschen. Konsequente, aber ruhige Erziehung von klein auf zahlt sich bei diesem Wesenstyp aus.

Beim Training zahlt sich vor allem Geduld aus. Der Bardino reagiert empfindlich auf harte Zwangsmethoden und arbeitet deutlich williger mit Haltern zusammen, die auf Konsequenz statt auf Druck setzen – ein Erbe seiner Geschichte als eigenständig arbeitender Hütehund.

Haltung: kein Hund für die Stadtwohnung

Ursprünglich ein Arbeitshund unter freiem Himmel, braucht der Bardino Auslauf und Beschäftigung. Ein Garten allein ersetzt keine Bewegung; die Rasse will mitdenken und mitarbeiten, etwa bei Hütearbeit, Fährtenarbeit oder ausgedehnten Wanderungen.

Sozialisation mit anderen Hunden und mit fremden Menschen sollte früh beginnen, damit die natürliche Wachsamkeit nicht in Misstrauen gegenüber jedem Besucher umschlägt.

Das trockene, warme Klima seiner Heimatinsel hat den Bardino an Hitze gewöhnt. In Mitteleuropa sollte er trotzdem nicht dauerhaft bei Kälte und Nässe im Freien gehalten werden – ein trockener, windgeschützter Rückzugsort gehört auch bei dieser robusten Rasse zur artgerechten Haltung.

Bardino in Deutschland: eine seltene Rasse

Da die FCI den Bardino nicht als eigene Rasse führt, gibt es in Deutschland keine kontrollierte Zucht über einen VDH-Verein. Wer sich für die Rasse interessiert, findet Bardinos in der Praxis fast ausschließlich über den Tierschutz.

Tierschutzorganisationen wie die Tierhilfe Fuerteventura e.V. kümmern sich vor Ort um herrenlose Bardinos und vermitteln sie auch nach Deutschland. Wer sich für die Rasse interessiert, sollte sich direkt an eine solche Organisation wenden, statt auf einen Wurf bei einem kommerziellen Züchter zu hoffen — reinrassige Bardino-Welpen mit Papieren sind hierzulande die Ausnahme.

Eingewöhnung: von der Insel ins deutsche Klima

Ein vermittelter Bardino kommt meist als erwachsener Hund oder Junghund nach Deutschland, nicht als Welpe direkt von der Mutterhündin. Das bedeutet: Halter übernehmen einen Hund mit eigener Vorgeschichte, die selten vollständig bekannt ist.

Eine ruhige Eingewöhnungsphase mit klarer Tagesstruktur hilft dabei, Vertrauen aufzubauen. Gerade der Wechsel von Straßen- oder Zwingerhaltung auf Fuerteventura zum Familienleben in einer deutschen Wohnung oder einem Haus mit Garten braucht Geduld auf beiden Seiten.

Feste Rituale beim Füttern, beim Spaziergang und beim Schlafengehen geben einem verunsicherten Hund schnell Orientierung. Viele Vermittlungsstellen bieten zudem eine telefonische Nachbetreuung an, die bei den ersten Wochen im neuen Zuhause wertvolle Unterstützung leisten kann.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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