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Kurzantwort: Eine offizielle, einheitliche Definition für „kleine Hunderasse“ gibt es bei FCI und VDH nicht. In der Praxis hat sich als grobe Orientierung ein Gewicht unter zehn Kilogramm und eine Schulterhöhe bis etwa 35 bis 40 Zentimeter durchgesetzt, mit einer weiteren Unterteilung in sehr kleine Rassen bis fünf Kilogramm und kleine Rassen zwischen fünf und zehn Kilogramm. Kleine Rassen verteilen sich über fast alle zehn FCI-Gruppen, von Terriern über Dachshunde bis zu Gesellschaftshunden. Sie leben im Schnitt deutlich länger als große Rassen, bringen dafür aber eigene gesundheitliche und erzieherische Besonderheiten mit.
„Klein“ klingt nach einer einfachen Kategorie, ist in der Kynologie aber keine eigenständige Gruppe. Ein Yorkshire Terrier, ein Zwergpudel und ein Kaninchendackel haben nichts als ihre Größe gemeinsam – sie stammen aus völlig verschiedenen Zuchtlinien mit unterschiedlichem Ursprung und Wesen.
Wer sich für eine kleine Rasse interessiert, sollte deshalb weniger nach der Größe an sich schauen als nach der konkreten Rasse dahinter – ihre Herkunft, ihr Wesen und ihre typischen Gesundheitsthemen prägen den Alltag mehr als ein paar Zentimeter Schulterhöhe.
Was gilt als kleine Hunderasse?
Eine offizielle Definition, ab welchem Gewicht oder welcher Schulterhöhe ein Hund als „klein“ zählt, gibt es weder bei der FCI noch beim VDH. Als praktikable Orientierung hat sich in Ratgebern und bei Züchtern ein erwachsenes Gewicht unter zehn Kilogramm bei einer Schulterhöhe von maximal rund 35 bis 40 Zentimetern etabliert. Innerhalb dieser Kategorie wird häufig noch feiner unterschieden zwischen sehr kleinen Rassen bis etwa fünf Kilogramm und kleinen Rassen im Bereich von fünf bis zehn Kilogramm. Die Grenzen bleiben aber fließend, und manche Quellen ziehen sie bei bis zu 20 Kilogramm etwas großzügiger.
Kleine Rassen aus allen FCI-Gruppen
Anders als oft angenommen verteilen sich kleine Hunde über fast das gesamte FCI-System, ohne eine eigene Gruppe zu bilden. In Gruppe 9, den Gesellschafts- und Begleithunden, finden sich besonders viele kleine Rassen wie Malteser, Mops oder Chihuahua. Gruppe 3 stellt mit dem Yorkshire Terrier oder dem West Highland White Terrier kleine Terrier, Gruppe 4 den Kaninchendackel in seinen kleinsten Varianten, und selbst Gruppe 2 mit Pinschern und Schnauzern liefert mit dem Zwergpinscher und dem Zwergschnauzer kleine Vertreter. Diese Streuung zeigt, dass Größe und Ursprungsaufgabe einer Rasse zwei unabhängige Merkmale sind.

Warum kleine Hunde länger leben
Kleine Hunderassen unter etwa 15 Kilogramm Körpergewicht leben im Durchschnitt deutlich länger als große und sehr große Rassen über 40 Kilogramm. Forscher der Colgate University in New York fanden 2017 einen möglichen Grund dafür: Welpen großer Rassen wachsen sehr schnell, ihr Stoffwechsel läuft dabei auf Hochtouren, und in ihren Zellen entsteht messbar mehr schädlicher oxidativer Stress durch freie Radikale als bei kleinwüchsigen Welpen. Dieser frühe Zellstress dürfte zum schnelleren Altern im Erwachsenenalter beitragen. So kann etwa ein Chihuahua rein statistisch zehn Jahre länger leben als eine Dänische Dogge, die oft schon mit rund sieben Jahren stirbt.
Besondere Gesundheitsthemen kleiner Rassen
Kleine Rassen bringen eigene typische Baustellen mit. Der vergleichsweise kleine Kiefer vieler kleiner Hunde bietet den bleibenden Zähnen oft wenig Platz, wodurch sich Zahnstein und Zahnfleischentzündungen schneller entwickeln als bei größeren Rassen – regelmäßige Zahnkontrolle und -pflege gehören deshalb früh in die Routine. Die Patellaluxation, ein Herausspringen der Kniescheibe, tritt bei vielen kleinen und Zwergrassen gehäuft auf und sollte bei Zuchttieren tierärztlich untersucht sein. Wegen des ungünstigeren Verhältnisses von Körperoberfläche zu Volumen frieren kleine Hunde bei kaltem Wetter schneller als große und profitieren im Winter von einem Mantel auf längeren Spaziergängen.
Erziehung: klein heißt nicht einfach
Weil sich ein kleiner Hund leichter tragen und körperlich kontrollieren lässt, wird Erziehung bei kleinen Rassen häufiger vernachlässigt als bei großen – mit der Folge, dass unerwünschtes Verhalten wie Bellen, Knurren oder Ziehen an der Leine seltener konsequent unterbunden wird. Fachlich gilt für kleine wie für große Hunde derselbe Grundsatz: klare Regeln, Konsequenz und Belohnung des gewünschten Verhaltens direkt im Moment des Geschehens. Wer diese Konsequenz von Anfang an mitbringt, erspart sich und dem Hund spätere Verhaltensprobleme, die bei einem kleinen Hund im Alltag zwar weniger gefährlich, aber genauso lästig sind wie bei einem großen.
Klein heißt nicht automatisch bewegungsarm
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, kleine Hunde bräuchten grundsätzlich weniger Auslastung als große. Rassen wie der Jack Russell Terrier oder der Parson Russell Terrier stammen aus der Arbeit mit Fuchs und Dachs unter der Erde und bringen einen ausgeprägten Bewegungs- und Beschäftigungsdrang mit, der sich nicht allein über kurze Gassirunden befriedigen lässt. Andere kleine Rassen wie der Malteser oder der Mops sind dagegen tatsächlich genügsamer unterwegs. Vor der Anschaffung lohnt deshalb der Blick auf die ursprüngliche Zuchtaufgabe der jeweiligen Rasse und nicht allein auf die Schulterhöhe.
Für wen kleine Hunde gut geeignet sind
Kleine Rassen passen oft gut zu kleineren Wohnungen, zu Menschen mit weniger Kraft für große, ziehstarke Hunde und zu einem Alltag mit häufigem Reisen, weil sie sich leichter transportieren lassen. Das Wesen unterscheidet sich zwischen den Rassen aber ähnlich stark wie bei großen Hunden: Manche kleinen Rassen sind ruhig und anschmiegsam, andere temperament voll und wachsam bis zur Kläffigkeit. Wer mit kleinen Kindern lebt, sollte zusätzlich bedenken, dass kleine Hunde durch grobes Anfassen leichter verletzt werden können als große – ein Grund, warum der Umgang zwischen Kind und Hund unabhängig von der Rasse begleitet werden sollte. Letztlich entscheiden vor allem das Wesen der konkreten Rasse und die Bereitschaft, auch einen kleinen Hund konsequent zu erziehen, über die Eignung als Familien- oder Anfängerhund – die reine Größe spielt dabei nur eine kleine Nebenrolle.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.








