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Titelbild: Foto: „Eight is still enough dogs“ von carterse · CC BY-SA 2.0 · via Flickr · zugeschnitten
Kurzantwort: Der Australian Shepherd trägt die FCI-Standardnummer 342, Gruppe 1 (Hütehunde), Sektion 1, ohne Arbeitsprüfung. Ursprungsland ist trotz des Namens die USA, der Standard wurde am 26. März 2009 veröffentlicht. Rüden erreichen bevorzugt 51 bis 58 cm Widerristhöhe, Hündinnen 46 bis 53 cm. Zwischen 17 und 50 Prozent der Rasse tragen laut Universität Zürich den MDR1-Gendefekt, der zu lebensgefährlichen Reaktionen auf bestimmte Medikamente führen kann — ein Gentest vor der ersten Behandlung ist deshalb Pflicht.
Der Name Australian Shepherd führt seit Jahrzehnten in die Irre. Mit Australien hat die Rasse historisch wenig zu tun — ihre Geschichte spielt sich vor allem in den USA ab.
Wichtiger als die Herkunftsfrage ist für Halter ohnehin etwas anderes: ein Gendefekt, der bei falscher Medikamentengabe lebensbedrohlich werden kann.
Was der Standard vorschreibt
Als Verwendungszweck nennt die FCI Farm- und Ranch-Hütehund, Klassifikation Gruppe 1, Sektion 1 (Schäferhunde), ohne Arbeitsprüfung. Bei der Beurteilung der Größe ist laut Standard die Qualität des Hundes wichtiger als eine leichte Abweichung von der Idealgröße.
- Rüden: bevorzugt 51 bis 58 cm Widerristhöhe
- Hündinnen: bevorzugt 46 bis 53 cm Widerristhöhe
- Wesen laut Standard: selbstbewusst, aufmerksam, energiegeladen, mit ausgeprägtem Schutz- und Hütetrieb
Herkunft: kein australischer Hund
Der VDH stellt klar, dass der hübsche Hütehund nicht aus Down Under stammt, sondern aus den USA. Baskische Schäfer brachten um 1800 Vorfahren mit nach Amerika, die teils über den Umweg Australien eingewandert waren — daher der irreführende Name. Populär wurde die Rasse vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen der USA, unter Ranchern, die einen wendigen, selbstständig arbeitenden Hütehund für ihr Vieh brauchten.
Wesen: Hütehund mit hohem Anspruch
Ein Australian Shepherd wurde für Arbeit gezüchtet, die den ganzen Tag ausfüllt. Ohne Aufgabe sucht er sich selbst eine — häufig, indem er alles hütet, was sich in seiner Umgebung bewegt, von Fahrrädern bis zu spielenden Kindern. Halter, die Hundesport wie Agility oder Obedience anbieten können oder täglich anspruchsvolle Kopfarbeit einplanen, kommen mit der Rasse deutlich besser zurecht als reine Spaziergänger.
MDR1: der wichtigste Gentest vor Medikamentengabe
Nach Angaben des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich tragen 17 bis 46 Prozent der Australian Shepherds und 20 bis 50 Prozent der Miniature-Variante eine defekte Kopie des MDR1/ABCB1-Gens. Der Defekt betrifft die Blut-Hirn-Schranke: Betroffene Hunde können bestimmte Wirkstoffe nicht mehr aus dem Gehirn heraustransportieren, wodurch sich diese dort bis zum Hundertfachen der normalen Konzentration anreichern.
Zu den kritischen Wirkstoffen zählen laut Universität Zürich Ivermectin, Doramectin, Selamectin, Moxidectin und Milbemycinoxim — allesamt gängige Antiparasitika — sowie Loperamid, bestimmte Chemotherapeutika und weitere Medikamente. Symptome einer Ivermectin-Vergiftung treten meist sechs bis zwölf Stunden nach der Gabe auf: Bewegungsstörungen, Zittern, erweiterte Pupillen, Orientierungslosigkeit bis hin zu Blindheit. Ein einfacher Gentest vor der ersten Behandlung mit einem dieser Wirkstoffe schützt zuverlässig davor.
Merle-Farbe und die Doppel-Merle-Problematik
Die für viele Australian Shepherds typische Merle-Zeichnung entsteht durch ein dominantes Gen, das die Fellpigmentierung fleckig aufhellt. Werden zwei Merle-Träger miteinander verpaart, erben manche Welpen das Merle-Gen doppelt — mit deutlich erhöhtem Risiko für Taubheit, Blindheit und weitere Entwicklungsstörungen. Solche Doppel-Merle-Verpaarungen gelten Zuchtfachleuten zufolge als Qualzucht im Sinn des § 11b Tierschutzgesetz, der Zuchten verbietet, die den Nachkommen Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Seriöse Züchter verpaaren deshalb nie zwei Merle-Träger miteinander. Wer einen Welpen kauft, sollte bei sichtbarer Merle-Zeichnung beider Elterntiere besonders genau nachfragen. Ein Blick auf die Fellfarbe beider Eltern gehört deshalb ebenso zur Vorabklärung wie der MDR1-Test — beide Themen lassen sich bei einem seriösen Züchter in einem Gespräch klären.
Worauf beim Züchter zu achten ist
Neben dem MDR1-Status und der Merle-Frage gehören ausgewertete Augenbefunde zu den wichtigsten Punkten: Die Collie Eye Anomaly (CEA) ist angeboren und betrifft nach gängigen Rasseübersichten einen relevanten Anteil der Hunde, dazu kommen Katarakt und andere Augenerkrankungen. Ein Züchter, der Gentests und Augenuntersuchungen der Elterntiere offenlegt, ist die sicherere Wahl.
Auslastung im Alltag
Ein ausgelasteter Australian Shepherd ist ein angenehmer Familienhund, ein unterforderter entwickelt schnell Verhaltensprobleme wie exzessives Bellen, Nippen nach Fersen oder Zwanghaftigkeit beim Hüten. Tägliche Kopfarbeit — Suchspiele, Trickdogging, Junghundekurse mit Aufgabenstellung — wiegt dabei mehr als reine Laufkilometer.
Auch die Sozialisierung in den ersten Monaten verdient bei dieser Rasse besondere Aufmerksamkeit: Ein Hütehund, der von klein auf lernt, fremde Situationen gelassen einzuschätzen statt sie kontrollieren zu wollen, bleibt als erwachsener Hund entspannter im Umgang mit Menschen, Kindern und anderen Tieren.
Fellpflege
Das mittellange, wetterfeste Fell mit dichter Unterwolle verlangt regelmäßiges Bürsten, in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich, im Fellwechsel häufiger. Verfilzungen entstehen vor allem hinter den Ohren und an den Hosen — Stellen, die beim Bürsten leicht übersehen werden. Baden ist selten nötig und sollte auf ein Minimum beschränkt bleiben, um die natürliche Fettschicht des Fells nicht zu zerstören.
Die ersten Wochen und die Impfungen
Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt die Trennung vom Muttertier erst im Alter von über acht Wochen; bis zur 20. Woche ist dem Welpen mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich zu gewähren. Für die Grundimmunisierung nennt die Kleintierklinik der LMU München bei Welpen unter 16 Wochen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis ab der sechsten bis achten Woche, danach im Abstand von drei bis vier Wochen bis zur 16. Woche und erneut nach einem Jahr; Leptospirose ab der zwölften Woche zweimal, Tollwut einmal ab der zwölften Woche. Ist der MDR1-Status des Welpen unbekannt, lohnt sich der Gentest schon vor der ersten Wurmkur mit einem der kritischen Wirkstoffe.
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 342 — Australian Shepherd (deutsche Fassung, PDF)
- VDH-Rasselexikon: Australian Shepherd
- Universität Zürich, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie: MDR1/ABCB1-Gendefekt
- Tierschutzgesetz (TierSchG), Bundesministerium der Justiz
Geschrieben von Vanessa fuer hunde-gesundheit.net. Angaben zu Dosierung und Symptomen stammen aus tieraerztlichen Quellen.

Vanessa hat vor fünf Jahren eine Hündin aus dem Tierschutz aufgenommen und seitdem viel über Geduld gelernt. Sie schreibt über Adoption und Eingewöhnung.

