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Kurzantwort: Putze die Zähne deines Hundes jeden Tag oder alle zwei Tage, einmal pro Woche reicht laut Veterinärmedizinischer Universität Wien nicht. Geeignet sind eine Hundezahnbürste, eine weiche Kinderzahnbürste oder ein Fingerling, dazu Zahnpasta für Hunde. Zahnpasta für Menschen ist ungeeignet. Wichtig sind die Außenflächen der Zähne, die du durch Anheben der Lefzen erreichst. Gewöhne den Hund in kleinen Schritten daran, am besten schon als Welpe.
Zähneputzen beim Hund klingt für viele nach Übertreibung. Die Zahlen sagen etwas anderes. Laut Veterinärmedizinischer Universität Wien leiden 80 Prozent aller Hunde über drei Jahren an Zahnerkrankungen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) gibt an, dass vier von fünf Hunden im Lauf ihres Lebens eine Erkrankung des Zahnhalteapparats entwickeln.
Die Folgen reichen weiter als bis zum Maulgeruch. Bakterien aus entzündetem Zahnfleisch können laut TVT über den Blutkreislauf Herzklappen, Nieren und Leber schädigen. Die Zahnbürste ist das einzige Werkzeug, das den Belag entfernt, bevor er zu Zahnstein wird.
Hier steht, wie du deinen Hund ans Putzen gewöhnst, welche Technik funktioniert, welches Zubehör du brauchst und was Kauartikel wirklich leisten.
Warum Putzen wirkt
Nach jeder Mahlzeit bildet sich auf den Zähnen ein weicher Belag aus Bakterien, Speichel und Futterresten. Solange er weich ist, lässt er sich mechanisch entfernen. Bleibt er liegen, verhärtet er durch Mineralien aus dem Speichel zu Zahnstein, der nur noch in der Praxis entfernt werden kann.
Daraus folgt die Häufigkeit. Judith Dörner von der Klinischen Abteilung für Kleintierchirurgie der Vetmeduni Wien empfiehlt, die Zahnoberflächen jeden oder alle zwei Tage zu reinigen. Eine wöchentliche Reinigung sei nicht ausreichend. Wer nur sonntags putzt, putzt Zahnstein.
Die TVT nennt die tägliche Maulhygiene mit Zahnbürste, Zahnpaste, Dentalgel oder Vliesslappen als lebenslang notwendige Maßnahme, um erneuten Zahnsteinansatz und Zahnfleischentzündungen früh zu erkennen.
Das Zubehör
Laut Vetmeduni Wien eignen sich Hundezahnbürsten, Kinderzahnbürsten oder Fingerlinge mit weichen Borsten. Für kleine Hunde ist eine Kinderzahnbürste oft handlicher als die Doppelkopfbürste aus dem Zoohandel. Fingerlinge sind für den Anfang gut, weil viele Hunde den Finger eher akzeptieren als einen Stiel.
Zahnpasta muss für Hunde gemacht sein. Menschenzahnpasta enthält Fluorid und Schaumbildner, die der Hund nicht ausspucken kann. Hundezahnpasta wird geschluckt und schmeckt meist nach Fleisch oder Geflügel, was die Akzeptanz erhöht. Lehnt der Hund jede Paste ab, putzt du ohne. Entscheidend ist der Abrieb, nicht die Paste.
Zahnputztücher aus Vlies sind eine Alternative für Hunde, die keine Bürste dulden. Sie reinigen die glatten Außenflächen, kommen aber weniger gut an den Zahnfleischrand.
Die Gewöhnung in vier Schritten
Schritt 1: Maul anfassen
Die Bundestierärztekammer rät, schon beim Welpen das Anschauen des Maules zu üben, damit Handling und Routine selbstverständlich werden. Hebe täglich kurz die Lefzen an, schau die Zähne an, lobe, fertig. Zwei bis drei Tage lang nur das.
Schritt 2: Paste kennenlernen
Gib etwas Hundezahnpasta auf den Finger und lass den Hund lecken. Dann streichst du mit dem Finger über die Außenseiten der Fangzähne. Wieder loben, wieder aufhören, bevor der Hund genug hat.
Schritt 3: Fingerling oder Bürste einführen
Erst nur die Fangzähne, dann die vorderen Backenzähne, jeden Tag ein Stück weiter nach hinten. Kurze Einheiten von 20 bis 30 Sekunden reichen. Der Hund soll lernen, dass die Prozedur schnell vorbei ist und sich lohnt.
Schritt 4: Routine
Immer zur gleichen Zeit, am besten abends nach der letzten Mahlzeit. Verbinde das Putzen mit einer festen Belohnung, die es nur dafür gibt. Nach zwei bis vier Wochen ist die Sache für die meisten Hunde erledigt.
Die Technik
Laut Vetmeduni Wien sind die Außenflächen der Zähne am wichtigsten, weil dort vorrangig Zahnstein entsteht. Sie sind durch einfaches Anheben der Lefzen gut zugänglich. Um die Zähne des Unterkiefers zu erreichen, wird das Maul leicht geöffnet.
Halte die Bürste im Winkel von etwa 45 Grad zum Zahnfleischrand und putze mit kleinen kreisenden oder streichenden Bewegungen vom Zahnfleisch weg. Die Innenflächen reinigt die Zunge des Hundes zum Teil selbst. Wer sie erreicht, putzt sie mit, wer nicht, lässt sie weg, statt den Hund zu zwingen.
Konzentriere dich auf die Fangzähne und die großen Backenzähne im Oberkiefer. Dort sitzt bei den meisten Hunden der erste Zahnstein.
Kauartikel, Sticks und Tennisbälle
Die Bundestierärztekammer schreibt, dass feste Nahrung, Kauknochen und spezielle Zahnpflegesticks die Gesundheit der Zähne unterstützen können. Kauen reibt weiche Beläge vor allem an den Backenzähnen ab. Die Fangzähne und die Schneidezähne erreicht es kaum. Kauartikel ersetzen die Bürste nicht, sie ergänzen sie.
Vor Tennisbällen warnt die Kammer ausdrücklich: Ihre Filzfasern wirken auf den Zahnschmelz wie Sandpapier. Hunde, die täglich Tennisbälle tragen, schleifen sich die Zahnkronen ab. Nimm Bälle aus glattem Gummi.
Die im Handel angebotenen Ultraschallzahnbürsten für Hunde erzeugen laut TVT keinen Putzeffekt, der mit den Ultraschallgeräten in der Praxis vergleichbar wäre. Die Werbeaussage, dass sie harte Beläge entfernen, ist nicht belegt.
Wann der Tierarzt dran ist
Die TVT empfiehlt neben der häuslichen Pflege mindestens einmal im Jahr eine Kontrolle der Maulgesundheit in der Praxis. Bereits vorhandener Zahnstein lässt sich mit der Bürste nicht entfernen. Er wird in Narkose abgetragen und poliert, danach beginnt das Putzen von vorn.
Beim Junghund lohnt der Blick nach dem Zahnwechsel. Laut Vetmeduni Wien beginnt er zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat, mit Ende des siebten Monats ist das bleibende Gebiss vollständig. Die Bundestierärztekammer weist darauf hin, dass verbliebene Milchfangzähne nach dem Zahnwechsel gezogen werden müssen.
Blutendes Zahnfleisch, lockere Zähne, Maulgeruch, Speicheln oder einseitiges Kauen gehören unabhängig vom Putzplan in die Praxis.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich die Zähne meines Hundes putzen?
Jeden Tag oder alle zwei Tage. Einmal pro Woche reicht laut Vetmeduni Wien nicht.
Darf ich Zahnpasta für Menschen nehmen?
Nein. Sie enthält Fluorid und Schaumbildner. Hundezahnpasta darf geschluckt werden.
Mein Hund lässt sich nicht putzen. Was tun?
Kleiner anfangen: erst Lefzen anheben, dann Finger mit Paste, dann Fingerling. Kurze Einheiten, viel Lob.
Reichen Kauknochen statt Putzen?
Nein. Sie unterstützen an den Backenzähnen, erreichen aber Fang- und Schneidezähne kaum.
Ab welchem Alter Zähne putzen?
Ab dem Welpenalter üben, spätestens nach dem Zahnwechsel mit sieben Monaten regelmäßig putzen.
Entfernt Putzen Zahnstein?
Nein. Zahnstein wird in der Praxis in Narkose entfernt. Putzen verhindert neuen.
Quellen
- Veterinärmedizinische Universität Wien: Zahngesundheit von Anfang an
- Bundestierärztekammer: Damit Bello auch in Zukunft kraftvoll zubeißen kann!
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz: Merkblatt Nr. 119 Zahnreinigung mit Ultraschallgeräten bei Hunden und Katzen (PDF)
Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.








