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Titelbild: „2014 Westminster Kennel Club Dog Show (12486530113)“ von Pets Adviser from Brooklyn, USA · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Der Leonberger ist ein großer deutscher Wach-, Begleit- und Familienhund. Der FCI-Standard Nr. 145 nennt für Rüden 72 bis 80 cm Widerristhöhe bei einem empfohlenen Mittelmaß von 76 cm, für Hündinnen 65 bis 75 cm mit einem Mittelmaß von 70 cm; ein Gewicht schreibt der Standard nicht vor. Gefordert werden Selbstsicherheit, souveräne Gelassenheit und mittleres Temperament. Wer einen Welpen sucht, sollte auf die Gentests für Polyneuropathie und LEMP achten.
Ein Leonberger fällt auf, bevor er etwas tut. Das löwenfarbene Haarkleid, die dunkle Maske, die schiere Größe — daran bleibt jeder Blick hängen.
Der Alltag mit ihm hat mit diesem Bild wenig zu tun. Er kostet Platz im Auto, Zeit für die Fellpflege und Geld beim Tierarzt, weil bei einem Hund dieser Größe fast jede Behandlung nach Körpergewicht abgerechnet wird.
Einordnung und Maße nach FCI-Standard Nr. 145
Die FCI führt den Leonberger in Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde), Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde, ohne Arbeitsprüfung. Ursprungsland ist Deutschland, die gültige Fassung des Standards wurde am 4. Januar 1996 publiziert.
- Rüden: 72 bis 80 cm Widerristhöhe, empfohlenes Mittelmaß 76 cm
- Hündinnen: 65 bis 75 cm Widerristhöhe, empfohlenes Mittelmaß 70 cm
- Proportionen: Widerristhöhe zu Rumpflänge 9 : 10, Brusttiefe rund 50 Prozent der Widerristhöhe
- Verwendung laut Standard: Wach-, Begleit- und Familienhund
Auffällig ist, was fehlt: eine Gewichtsangabe. Der Standard beschreibt Proportionen statt Kilogramm, weil ein harmonisch gebauter Hund je nach Rahmen sehr unterschiedlich wiegen kann. Wer eine feste Kilozahl liest, liest keine Standardangabe, sondern eine Schätzung.

Wesen: was der Standard ausdrücklich verlangt
Der Standard beschreibt den Leonberger als Familienhund, der sich durch ausgesprochene Kinderfreundlichkeit auszeichnet und weder scheu noch aggressiv ist. Zur geforderten Wesensfestigkeit zählt er ausdrücklich Selbstsicherheit und souveräne Gelassenheit, mittleres Temperament einschließlich Spieltrieb, Unterordnungsbereitschaft sowie gute Lern- und Merkfähigkeit auf.
Das ist ein hoher Anspruch, und er wird in der Zucht geprüft. Wesensbeurteilungen gehören bei den VDH-gebundenen Vereinen zur Zuchtzulassung; ein Hund, der Fremden gegenüber unsicher reagiert, soll gar nicht erst in die Zucht gelangen.
Im Alltag zeigt sich das als ruhige Grundstimmung. Ein erwachsener Leonberger liegt viel, meldet Besuch und lässt sich dann wieder nieder. Er ist kein Hund, der von sich aus Konflikte sucht — genau deshalb wird sein Gewicht unterschätzt, sobald er doch einmal in die Leine geht.
Herkunft: eine Rasse mit Stadtnamen
Der Name stammt von der Stadt Leonberg in Baden-Württemberg. Der Stadtrat und Hundehändler Heinrich Essig züchtete dort ab der Mitte des 19. Jahrhunderts große, langhaarige Hunde und vermarktete sie unter dem Namen der Stadt. Das Wappentier Leonbergs ist ein Löwe, und das Erscheinungsbild der Rasse spielt bis heute darauf an.
Nach beiden Weltkriegen war der Bestand jeweils auf wenige Tiere zusammengeschrumpft. Die heutige Population geht auf einen schmalen Gründerbestand zurück — ein Punkt, der für die Gesundheit der Rasse wichtiger ist als jede Optik.
Gesundheit und Gentests vor dem Kauf
Für den Leonberger sind mehrere erbliche Nervenerkrankungen beschrieben. Das Institut für Genetik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern bietet Gentests für die Leonberger-Polyneuropathie in den Varianten LPN1 und LPN2 sowie für die Leonberger-Enzephalopathie und -Myelopathie (LEMP) an. Bei der Polyneuropathie kommt es zu fortschreitender Schwäche der Hinterhand und zu Atemgeräuschen durch Kehlkopflähmung.
Ein seriöser Wurf ist entsprechend dokumentiert. Frag nach den Testergebnissen beider Elterntiere, nicht nach denen des Welpen — Träger dürfen verpaart werden, aber nur mit freien Partnern, damit kein betroffener Welpe fällt.
Dazu kommt, was alle sehr großen Rassen betrifft: Hüft- und Ellbogendysplasie werden geröntgt und ausgewertet, und die Magendrehung bleibt ein Notfall, den jeder Halter erkennen muss. Ein aufgeblähter, harter Bauch mit erfolglosem Würgen ist ein Fall für die sofortige Klinikfahrt, nicht für die Sprechstunde am nächsten Morgen.
Aufzucht: das erste Jahr entscheidet über die Gelenke
Ein Riesenwelpe wächst über Monate, und in dieser Zeit sind Knorpel und Wachstumsfugen empfindlich. Treppen, weite Sprünge aus dem Kofferraum und langes Radfahren neben dem Rad gehören deshalb nicht ins erste Lebensjahr.
Bei der Fütterung geht es weniger um die Menge als um das Verhältnis von Energie, Kalzium und Phosphor. Ein Alleinfuttermittel für große Rassen ist dafür gerechnet; eigene Zusätze von Kalzium verschieben die Bilanz und richten mehr Schaden an als Nutzen.
Pflege und Haltung im Alltag
Das Haarkleid ist mittelweich bis grob, anliegend und lang, mit deutlicher Mähne bei Rüden und Befederung an den Läufen. Zweimal im Jahr wechselt die Unterwolle vollständig, und dann fällt täglich Haar an — in dieser Zeit hilft nur regelmäßiges Durchbürsten bis auf die Haut, sonst verfilzt es hinter den Ohren und an den Hosen.
Der Leonberger liebt Wasser und hat Schwimmhäute zwischen den Zehen. Ein See auf der Runde ist ihm lieber als jedes Spielzeug. Nach dem Bad gehören die Ohren trocken gerieben, weil hängende Behänge Feuchtigkeit halten.
Für die Wohnung heißt Größe vor allem Platzbedarf: Ein Liegeplatz, an dem niemand vorbeisteigen muss, ein Auto, in das eine passende Box hineingeht, und Sitzbezüge, die einen nassen Hund vertragen.
Passt der Leonberger zu dir?
Er passt zu Haushalten mit Platz, Ruhe und der Bereitschaft, einen Hund über 60 Kilogramm auch dann zu halten, wenn er alt und schwer geworden ist. Tragen, Heben, Treppenhilfe — das kommt in den letzten Jahren auf jeden Halter zu.
Er passt schlecht zu Menschen, die einen sportlichen Dauerbegleiter suchen. Lange Läufe, enge Wendungen und Hitze sind nichts für einen Hund dieser Masse. Wer die Optik mag, aber die Größe scheut, findet in mittelgroßen Sennenhundrassen einen näheren Kompromiss.
Kosten, mit denen zu rechnen ist
Ein Riesenhund frisst nach Körpergewicht, und danach richten sich auch Wurmkuren, Narkosen und Schmerzmittel. Ein Eingriff, der bei einem Zehn-Kilo-Hund im dreistelligen Bereich bleibt, liegt beim Leonberger regelmäßig darüber, weil die Gebührenordnung für Tierärzte den Aufwand und die Medikamentenmenge abbildet.
Dazu kommen Anschaffungen, die bei kleinen Hunden nicht anfallen: eine Transportbox in Übergröße, ein orthopädisches Liegepolster, eine Rampe fürs Auto. Wer die laufenden Kosten vorher überschlägt, erlebt später keine Überraschung.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 145: Leonberger, deutsche Fassung
- VDH: Rasseporträt Leonberger
- Institut für Genetik, Vetsuisse-Fakultät Universität Bern — Gentests für Erbkrankheiten des Hundes
- Wikipedia: Leonberger
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Cocker Spaniel: Wesen, Größe, Pflege und Gesundheit
- Hovawart: Rasseporträt, Größe, Wesen und Haltung
- Schweizer Schäferhund: Rasseporträt, Größe und Wesen
Vanessa schreibt fuer hunde-gesundheit.net ueber Haltung, Ernaehrung und Gesundheit von Tieren.

Vanessa hat vor fünf Jahren eine Hündin aus dem Tierschutz aufgenommen und seitdem viel über Geduld gelernt. Sie schreibt über Adoption und Eingewöhnung.

