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Kurzantwort: Für den Welpen an der Leine ist ein gut sitzendes Brustgeschirr die sichere Wahl. Der Grund liegt am Hals: Zieht ein Hund gegen ein Halsband, steigt der Augeninnendruck messbar an, beim Geschirr passiert das nicht (Pauli u. a., 2006). Ein flaches Halsband kannst du trotzdem nutzen, für Marke und Adressanhänger. Die Leine gehört beim Welpen ans Geschirr.
Die Frage kommt meist zwei Tage vor dem Einzug. Im Laden hängen beide Varianten nebeneinander, und beide Verkäufer sagen etwas anderes.
Die Entscheidung ist einfacher, als sie aussieht. Entscheidend ist, was ein Welpe an der Leine tatsächlich tut: Er zieht, bleibt stehen, dreht ab und stürmt los.
Hier steht, was dabei am Hals passiert, worauf du bei der Passform achten musst und welche Ausrüstung in Deutschland verboten ist.
Welpe: Geschirr oder Halsband — so entscheidest du
Nimm für die Leine das Geschirr. Der Zug verteilt sich dort auf Brustbein und Rippen, also auf Knochen, die dafür gebaut sind.
Nimm das Halsband für die Identifikation. Adressanhänger, Steuermarke und ein Griff im Notfall sind gute Gründe, es zusätzlich anzulegen.
Beides zusammen ist kein Widerspruch. Viele Halter führen den Welpen am Geschirr und lassen das flache Halsband dauerhaft dran.
Was Zug am Hals auslöst
Im Hals liegen auf engem Raum Luftröhre, Kehlkopf, Speiseröhre, die Schilddrüse und große Gefäße. Ein Halsband drückt genau darauf.
Eine Untersuchung von Amy Pauli und Kolleginnen an der University of Wisconsin hat das 2006 gemessen. Getestet wurden 51 Augen von 26 Hunden. Wurde der Zug über ein Halsband aufgebracht, stieg der Augeninnendruck deutlich an. Über ein Geschirr blieb er unverändert.
Die Autoren empfehlen deshalb ein Geschirr für Hunde mit dünner Hornhaut, mit grünem Star oder mit anderen Augenproblemen. Für den Welpen, der noch gar nicht gelernt hat, an lockerer Leine zu laufen, gilt dasselbe Argument.
Woran du ein gutes Welpengeschirr erkennst
Passform
Zwischen Gurt und Körper müssen zwei Finger flach hineinpassen. Sitzt es enger, scheuert es. Sitzt es lockerer, schlüpft der Welpe rückwärts heraus.
Y-Form vor der Brust
Der vordere Gurt soll als Y auf dem Brustbein liegen und die Schultern frei lassen. Ein waagerechter Steg quer über die Schultern schränkt den Vordergriff ein.
Größe und Verschluss
Ein Welpe wächst schnell. Prüfe den Sitz alle zwei Wochen, und rechne damit, dass du in den ersten sechs Monaten zwei Größen brauchst. Ein Geschirr mit zwei Gurten und Bauchsteg lässt sich schwerer abstreifen als ein Modell mit einem einzigen Ring.
Wann das Halsband sinnvoll bleibt
Für die Marke und den Anhänger mit Telefonnummer ist es die praktischste Lösung. Das Geschirr legst du zu Hause ab, das Halsband bleibt dran.
Ein breites, flaches Halsband ohne Zug ist für einen gesunden erwachsenen Hund, der an lockerer Leine läuft, unproblematisch. Beim Welpen fehlt genau diese Voraussetzung noch.
Wichtig ist die Weite. Zwei Finger müssen darunter passen, und der Welpe darf den Kopf nicht durchziehen können.
Nimm das Halsband ab, wenn der Welpe allein in der Box liegt oder mit anderen Hunden rauft. Anhänger und Ringe bleiben leicht an Gittern oder Fängen hängen.
Was in Deutschland verboten ist
Die Tierschutz-Hundeverordnung ist an dieser Stelle eindeutig. Nach § 2 Absatz 5 ist es verboten, bei Ausbildung, Erziehung oder Training Stachelhalsbänder oder andere für den Hund schmerzhafte Mittel zu verwenden.
Damit sind Stachelhalsband und alles, was über Schmerz arbeitet, vom Tisch. Ein Würgehalsband ohne Zugbegrenzung fällt in dieselbe Kategorie, sobald es sich unbegrenzt zuzieht.
§ 7 der Verordnung verbietet außerdem die Anbindehaltung. Wo sie ausnahmsweise erlaubt ist, schreibt der Text breite, nicht einschneidende Brustgeschirre oder Halsbänder vor, die sich nicht zuziehen.
An dieser Formulierung siehst du die Linie des Gesetzgebers. Breit und nicht einschneidend ist der Maßstab, an dem sich jede Halsbandentscheidung messen lässt.
Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Bußgeld geahndet werden. Zuständig ist das Veterinäramt deines Landkreises oder deiner Stadt.
In fünf Schritten ans Geschirr gewöhnen
Leg das Geschirr erst offen auf den Boden und füttere daneben. Der Welpe soll es sehen, ohne dass etwas passiert.
Halte es dann als Schlaufe hin und gib ein Leckerchen, wenn er die Nase durchsteckt. Schließe es im dritten Schritt für zwei Sekunden und öffne es wieder.
Danach folgen kurze Runden in der Wohnung, zuerst ohne Leine. Erst wenn er sich darin frei bewegt, hängst du die Leine ein und gehst vor die Tür. Für die ganze Reihe reichen meist drei bis fünf Tage mit je zwei kurzen Einheiten.
Häufige Fragen
Welpe: Halsband oder Geschirr — was zuerst?
Das Halsband, weil es leichter ist und der Welpe es schneller vergisst. Das Geschirr kommt dazu, sobald die Leine ins Spiel kommt.
Ab welchem Alter braucht ein Welpe ein Geschirr?
Sobald du ihn an der Leine führst, meist also ab dem Einzug mit acht bis zehn Wochen.
Kann ein Halsband dem Welpen wirklich schaden?
Ein locker sitzendes Halsband ohne Zug ist unkritisch. Belegt ist der Effekt beim Ziehen: Dabei steigt der Augeninnendruck, und der Druck trifft Kehlkopf und Luftröhre.
Was ist mit Flexileine und Geschirr?
Die Kombination ist gängig, weil der Dauerzug einer Rollleine am Hals besonders ungünstig wäre. Für die Leinenführigkeit ist eine feste Leine der bessere Start.
Wie eng darf das Geschirr sitzen?
Zwei Finger flach zwischen Gurt und Körper. Prüfe das beim Welpen alle zwei Wochen neu.
Zieht ein Hund im Geschirr mehr?
Ein Geschirr macht das Ziehen bequemer, es bringt es dem Hund aber nicht bei. Leinenführigkeit ist Training und hängt nicht am Material.
Quellen
- Pauli u. a.: Effects of the application of neck pressure by a collar or harness on intraocular pressure in dogs, JAAHA 2006
- Tierschutz-Hundeverordnung (gesetze-im-internet.de)
- Tierschutz-Hundeverordnung – Wikipedia
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Deutscher Schäferhund Welpe: Auswahl, Linien, Aufzucht
- Rottweiler Welpe: Aufzucht, Erziehung und Rechtslage
- Dobermann Welpe: Aufzucht, Wesen und was man wissen muss
Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.








