Chihuahua sitzt aufmerksam im Freien

Sehr kleine Hunde in Not: Warum sie im Tierheim landen

Kurzantwort: Auch sehr kleine Hunde wie Chihuahua, Yorkshire Terrier oder Zwergpinscher landen regelmäßig im Tierschutz – oft, weil sie als Modeaccessoire gekauft und dann unterschätzt wurden. Seriöse Anlaufstellen sind der Deutsche Tierschutzbund mit seinem bundesweiten Tierheim-Finder, TASSO e.V. mit der Vermittlungsplattform Shelta sowie rassespezifische Vereine wie Yorkshire-Hilfe e.V. Vor der Vermittlung prüfen diese Stellen Lebensumstände und Erfahrung der Bewerber, meist mit persönlichem Kennenlernen und Schutzvertrag.

Ein Hund, der in eine Handtasche passt, wirkt harmlos. Genau das ist das Problem.

Wer einen Chihuahua oder Yorkshire Terrier als Accessoire kauft, unterschätzt Erziehungsbedarf, Tierarztkosten und eine Lebenserwartung von zwölf bis sechzehn Jahren. Die Enttäuschung landet im Tierheim – und dort warten die kleinen Hunde oft länger als gedacht auf ein neues Zuhause.

Warum kleine Hunde im Tierheim landen

Kleine Rassen gelten im Volksmund als pflegeleicht. Das trifft auf den Körperbau zu, nicht auf das Wesen. Ein Chihuahua braucht genauso viel Konsequenz in der Erziehung wie ein großer Hund – nur wiegt ein Erziehungsfehler bei ihm weniger auf der Waage, dafür mehr im Alltag: Kläffen, Leinenzerren, Fremdenangst.

PETA Deutschland ordnet den Chihuahua als Qualzucht ein: Zuchtlinien mit offener Fontanelle, Patellaluxation und Herzklappenfehlern sind keine Ausnahme, sondern verbreitet. Wer aus reiner Optik auf immer kleinere Tiere züchtet, nimmt gesundheitliche Schäden in Kauf – und genau diese kranken, teuren Hunde werden häufig wieder abgegeben.

Dazu kommt der Modefaktor. Prominente tragen kleine Hunde offen zur Schau, Kurzvideos zeigen sie als niedliches Requisit. Wer aus einem Impuls heraus kauft, überschätzt selten die zwölf bis sechzehn Jahre Verantwortung, die folgen.

Chihuahua, Yorkshire Terrier, Zwergpinscher: drei Rassen, ein Muster

Der Chihuahua ist mit oft unter drei Kilogramm der kleinste anerkannte Hund der Welt. Selbstbewusst, wachsam, seiner Bezugsperson eng verbunden – und keineswegs der ruhige Schoßhund, den viele erwarten.

Der Yorkshire Terrier stammt aus englischen Textilfabriken, wo er Ratten jagte. Das Temperament ist geblieben: neugierig, mutig, manchmal stur. Sein Fell braucht regelmäßige Pflege, sonst verfilzt es innerhalb weniger Wochen.

Der Zwergpinscher wird oft mit dem Dobermann verwechselt, ist aber eine eigenständige, ältere deutsche Rasse. Er gilt als lebhaft, wachsam und wenig geduldig bei grobem Umgang.

Bei allen drei Rassen wiederholt sich derselbe Ablauf: Kauf aus Optik statt Wesenskenntnis, Überforderung nach wenigen Monaten, Abgabe beim Tierheim oder bei einem Rassenverein.

Worauf bei der Vermittlung zu achten ist

Seriöse Vermittlungsstellen verlangen ein Kennenlernen vor Ort, nicht nur ein Foto und eine Überweisung. TASSO e.V. beschreibt auf seiner Vermittlungsplattform Shelta den üblichen Ablauf: Kontakt zum Tierheim oder Verein, ein persönliches Treffen mit ausreichend Zeit, ein Gespräch über die Lebensumstände, erst danach die Vermittlung gegen Schutzgebühr.

Bei kleinen Hunden kommt ein zweiter Punkt dazu: Viele stammen aus dem Auslandstierschutz oder aus behördlichen Sicherstellungen bei Vermehrern, oft mit unbekannter Vorgeschichte. Eine seriöse Stelle informiert offen darüber, statt gesundheitliche Vorbelastungen zu verschweigen.

Yorkshire Terrier mit gepflegtem Fell
Auch der Yorkshire Terrier gehört zu den Rassen, die häufig im Tierschutz landen. Foto: piropiro3, CC BY 4.0

Ein Schutzvertrag mit Rückgaberecht gehört zum Standard. Er hält fest, dass der Hund bei Überforderung zurückgenommen wird, statt über Kleinanzeigen weiterzuwandern.

Die ersten Wochen: Eingewöhnung eines kleinen Hundes

Auch ein Hund von drei Kilogramm braucht eine ruhige Eingewöhnungsphase. Ein fester Rückzugsort, an dem niemand ihn anfasst, gibt Sicherheit. Feste Fütterungs- und Gassizeiten helfen schneller als jedes Spielzeug.

Kleine Hunde wirken zerbrechlich und werden deshalb oft hochgehoben, wenn ein größerer Hund naht. Das bestätigt die Angst, statt sie abzubauen. Besser: auf Augenhöhe des Hundes bleiben, Distanz zulassen, Tempo aus der Begegnung nehmen.

Ein Geschirr statt reinem Halsband schont die empfindliche Luftröhre – bei den meisten kleinen Rassen ein wunder Punkt, gerade bei Yorkshire Terrier und Zwergpinscher.

Seriöse Anlaufstellen in Deutschland

Der Deutsche Tierschutzbund führt über seinen bundesweiten Tierheim-Finder mehr als 1.200 Mitgliedstierheime und -vereine, durchsuchbar nach Postleitzahl und Einrichtungstyp.

TASSO e.V. betreibt mit Shelta eine Vermittlungsplattform, auf der Tierheime und Tierschutzvereine aus dem deutschsprachigen Raum ihre Schützlinge einstellen – filterbar nach Größe, Alter und Rasse.

Daneben gibt es rassespezifische Vereine. Yorkshire-Hilfe e.V. etwa hat sich auf kleine Rassen spezialisiert, holt Hunde aus schwierigen Verhältnissen und begleitet die Vermittlung mit Vorgespräch und tierärztlicher Untersuchung. Ähnliche Strukturen gibt es für Chihuahuas und Zwergpinscher bei regionalen Tierschutzvereinen – ein Blick in den Tierheim-Finder vor Ort lohnt sich.

Gesundheit im Blick behalten

Wer einen sehr kleinen Hund aus dem Tierschutz übernimmt, sollte die Erstuntersuchung beim Tierarzt ernst nehmen, auch wenn der Verein sie schon veranlasst hat. Gerade bei Chihuahuas ist die offene Fontanelle ein bekanntes Risiko: Ein Sturz vom Sofa, der einem größeren Hund nichts ausmacht, kann hier gefährlich werden.

Zahnprobleme kommen bei kleinen Rassen ebenfalls häufiger vor, weil in einem kleinen Kiefer wenig Platz für dieselbe Zahnzahl bleibt. Regelmäßiges Zähneputzen oder Kauartikel beugen vor, ersetzen aber keine Kontrolle beim Tierarzt.

Bei älteren Tieren aus dem Tierschutz lohnt zusätzlich ein Blick auf die Patellaluxation, also ein Herausspringen der Kniescheibe – ein Vorsorgecheck vor der Vermittlung gehört bei seriösen Vereinen zum Standard, und die Befunde stehen den Interessenten offen.

Kosten und was ein Schutzvertrag regelt

Die Schutzgebühr für einen Hund aus dem Tierschutz liegt üblicherweise zwischen 150 und 500 Euro. Damit sind Grundimmunisierung, Chip und meist die Kastration abgegolten – deutlich weniger, als ein Tierarzt diese Leistungen einzeln berechnen würde.

Der Schutzvertrag verpflichtet in der Regel dazu, den Hund bei Nichtgefallen an die vermittelnde Stelle zurückzugeben, nicht privat weiterzureichen. Das schützt den Hund davor, ein zweites oder drittes Mal die Bezugsperson zu verlieren. Manche Vereine, darunter Yorkshire-Hilfe e.V., behalten sich zusätzlich Nachkontrollen vor, um zu sehen, wie sich Hund und neue Familie eingespielt haben.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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