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Kurzantwort: Der Hund steht in fast allen Kulturen für Treue, Wachsamkeit und Schutz. In der Mythologie bewacht er die Grenze zum Totenreich, als Kerberos bei den Griechen oder als Anubis in Ägypten. In der Malerei sitzt er als Zeichen ehelicher Treue zu Füßen der Dargestellten. In der Sprache dagegen steht „Hund“ oft für das Niedere, vom Schimpfwort bis zur Redensart „auf den Hund kommen“.
Wer nach der Bedeutung des Hundes als Symbol fragt, bekommt je nach Epoche eine andere Antwort. Derselbe Hund, der auf einem Grabmal Treue verkörpert, taucht im Schimpfwort als Inbegriff der Verachtung auf.
Der Grund liegt in seiner Nähe zum Menschen. Das älteste sicher bestimmte Haushundskelett, der Hund von Bonn-Oberkassel, ist rund 14.000 Jahre alt und lag in einem Menschengrab. Seitdem war der Hund Jäger, Wächter, Diener und Gefährte zugleich. Jede dieser Rollen hat ihr eigenes Symbol hervorgebracht.
Hier liest du, was der Hund in Mythologie, Religion, Kunst, am Sternenhimmel und in der Sprache bedeutet, und warum sich die Bedeutungen widersprechen.
Treue: das Kernmotiv
Drei Hunde stehen für Treue über den Tod hinaus.
Argos ist der Jagdhund des Odysseus. Im 17. Gesang der Odyssee wartet er 20 Jahre auf seinen Herrn, erkennt ihn bei der Heimkehr als Einziger, wedelt mit dem Schwanz und stirbt.
Hachikō war ein Akita, geboren am 10. November 1923. Er holte seinen Besitzer, den Tokioter Professor Hidesaburō Ueno, jeden Tag am Bahnhof Shibuya ab. Ueno starb am 21. Mai 1925. Hachikō kam trotzdem fast zehn Jahre lang täglich zum Bahnhof, bis zu seinem eigenen Tod am 8. März 1935. Seine Statue steht heute vor dem Bahnhof und gilt in Japan als Inbegriff der Treue.
Greyfriars Bobby, ein Skye Terrier aus Edinburgh, soll nach dem Tod seines Herrn John Gray 1858 vierzehn Jahre an dessen Grab gewacht haben. Er starb am 14. Januar 1872 und bekam noch im selben Jahr eine Statue.
Das Muster ist immer dasselbe: Der Hund bleibt, wenn alle anderen gegangen sind.
Wächter zwischen den Welten
In den alten Hochkulturen bewacht der Hund den Übergang ins Totenreich.
Anubis ist der ägyptische Gott der Totenriten und der Mumifizierung. Er wird als liegender schwarzer Hund oder Schakal dargestellt oder als Mensch mit Hundekopf. Die Ägypter verbanden die Wüste im Westen mit den Toten, und dort streiften nachts Schakale. So wurden Caniden zu Seelenführern.
Kerberos, latinisiert Cerberus, bewacht in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt. Kein Lebender soll hinein, kein Toter heraus. Meist hat er drei Köpfe, bei Hesiod sind es fünfzig. Herakles musste ihn als letzte seiner Aufgaben an die Oberwelt schleppen.
Xolotl ist bei den Azteken der Zwillingsbruder des Quetzalcoatl, Gott des Blitzes und des Todes, dargestellt mit Hundekopf. Er begleitet die Verstorbenen durch das Jenseits. Nach ihm ist der Mexikanische Nackthund benannt, der Xoloitzcuintle.
Der Hund in den Religionen
Christentum
Der heilige Rochus von Montpellier wird mit einem Hund dargestellt, der ihm Brot bringt. Der Legende nach versorgte ihn das Tier, als er selbst an der Pest erkrankt in einer Waldhütte lag. Die Dominikaner wurden im Mittelalter mit einem Wortspiel „domini canes“ genannt, Hunde des Herrn, weil sie als Inquisitoren Ketzer aufspürten.
Die Bibel ist zwiespältig. Matthäus 7,6 warnt davor, das Heilige den Hunden zu geben. In Lukas 16,21 lecken Hunde die Geschwüre des armen Lazarus, den die Menschen übersehen.
Hinduismus und Nepal
Im Epos Mahabharata folgt ein Hund dem König Yudhishthira bis vor das Himmelstor, und der König weigert sich, ohne ihn einzutreten. In Nepal ist der zweite Tag des Tihar-Fests der Kukur Tihar: Alle Hunde, auch Straßenhunde, bekommen an diesem Tag Futter, einen roten Tika-Punkt auf die Stirn und einen Kranz aus Ringelblumen.
Islam
In mehreren islamischen Rechtsschulen gilt der Hund als unrein. Gehalten werden darf er zur Jagd und zum Bewachen. Die Praxis unterscheidet sich von Land zu Land.
Kunst, Grabmal und Wappen
Auf Jan van Eycks Doppelporträt der Arnolfini-Hochzeit von 1434 steht ein kleiner Hund zu Füßen des Paares. Die gängige Deutung liest ihn als Zeichen ehelicher Treue.
Dieselbe Bedeutung hat der Hund auf mittelalterlichen Grabplatten. Dort liegt er oft zu Füßen der Verstorbenen, bei Frauen als Zeichen der Treue, während Männer häufig einen Löwen für Mut bekamen.
In der Heraldik ist der Hund ein eigenes Wappentier mit drei Formen: Windhund, Rüde und Bracke. Er wird springend, schreitend oder spürend gezeigt, oft mit Stachelhalsband. Gemeinhin steht er für Treue und Wachsamkeit.
Am Himmel und im Kalender
Sirius, der Hundsstern, ist der hellste Stern am Nachthimmel, beinahe doppelt so hell wie der zweithellste, Canopus. Er gehört zum Sternbild Großer Hund.
Von ihm kommen die Hundstage. Die Römer legten sie auf die Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August, weil Sirius damals in diesen Wochen erstmals wieder in der Morgendämmerung aufging. Durch die Verschiebung der Erdachse stimmt das heute nicht mehr, der Name blieb.
Im chinesischen Tierkreis ist der Hund das elfte von zwölf Tieren. Hundejahre waren 2006 und 2018, das nächste beginnt 2030. Das Jahr 2018 lief vom 16. Februar 2018 bis zum 4. Februar 2019.
Die dunkle Seite: Schimpfwort und Redensart
Im Deutschen ist „Hund“ seit Jahrhunderten ein Schimpfwort. Ein Hundeleben ist elend, wer vor die Hunde geht, ist ruiniert, hundsmiserabel ist das Gegenteil von gut. Der innere Schweinehund steht für die eigene Trägheit.
Die Redensart „auf den Hund kommen“ bedeutet, in schlimme Umstände zu geraten. Ihre Herkunft ist ungeklärt. Eine Deutung verweist auf den Hunt, den Förderwagen im Bergbau, den Bergleute schieben mussten, die für das Hauen zu schwach waren. Eine andere auf Geldtruhen mit einem Hund am Boden: Wer ihn sah, hatte kein Geld mehr. Die Brüder Grimm hielten eine mittelalterliche Strafe für die wahrscheinlichste Quelle, bei der Verurteilte einen Hund tragen mussten.
Dass dasselbe Tier Treue und Verachtung bedeutet, hat einen einfachen Grund. Der Hund gehorcht. Wer das aus Sicht des Herrn betrachtet, nennt es Treue. Wer es von außen sieht, nennt es Unterwürfigkeit.
Häufige Fragen
Wofür steht der Hund als Symbol?
Für Treue, Wachsamkeit und Schutz. In der Mythologie zusätzlich für den Übergang ins Totenreich, in der Sprache für das Niedere.
Was bedeutet ein Hund im Traum?
Eine belegte Bedeutung gibt es nicht. Traumdeutungsbücher lesen einen freundlichen Hund als Freund oder Beschützer, einen aggressiven als Bedrohung.
Was bedeutet der Hund im chinesischen Horoskop?
Er ist das elfte Tierkreiszeichen. Hundejahre waren 2006 und 2018, das nächste beginnt 2030. Die Tradition schreibt Menschen aus diesen Jahren Ehrlichkeit und Loyalität zu.
Warum ist „Hund“ ein Schimpfwort?
Weil der Hund gehorcht und dient. Was der Herr Treue nennt, gilt von außen als Unterwürfigkeit. Die Brüder Grimm führen das Schimpfwort außerdem auf eine mittelalterliche Strafe zurück, bei der Verurteilte einen Hund tragen mussten.
Was bedeutet ein Hund auf einem Wappen?
Die Heraldik kennt Windhund, Rüde und Bracke als Wappentiere. Gemeinhin stehen sie für Treue und Wachsamkeit.
Welche Hund-Symbole gibt es als Emoji?
Zwei: 🐕 für das ganze Tier und 🐶 für den Hundekopf. Beide gehören seit 2010 zum Unicode-Standard.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.








