Hund ohne Fell: Nackthundrassen, ihr Gen und die Qualzucht-Frage

Kurzantwort: Vier Rassen kommen von Natur aus ohne Fell: der Mexikanische Nackthund, der Peruanische Nackthund, der Chinesische Schopfhund und der American Hairless Terrier. Bei den ersten drei steckt eine Mutation im Gen FOXI3 dahinter, die auch Zähne fehlen lässt. Ein Gutachten zum Tierschutzgesetz stuft Haarlosigkeit deshalb als Qualzuchtmerkmal ein. Verliert ein normal behaarter Hund sein Fell, gehört er in die Praxis.

Ein Hund ohne Fell fällt auf. Die Haut ist warm, oft gefleckt, und viele Menschen fragen als Erstes, ob das Tier krank ist.

Die Antwort hängt davon ab, welchen Hund du vor dir hast. Bei einer Nackthundrasse ist die Haarlosigkeit angeboren und seit Jahrhunderten Teil der Rasse. Bei einem Labrador mit kahlen Flanken ist sie ein Symptom.

Hier steht, welche Rassen es gibt, was die Genetik dazu sagt, warum der Tierschutz die Zucht kritisch sieht und woran du krankhaften Fellverlust erkennst.

Diese Rassen haben von Natur aus kein Fell

Der Mexikanische Nackthund heißt in seiner Heimat Xoloitzcuintle und ist bei der FCI unter der Nummer 234 geführt. Es gibt ihn in drei Größen. Der Standard reicht von 46 bis 60 Zentimeter Schulterhöhe, die Intermediär-Variante von 36 bis 45, die Miniatur von 25 bis 35 Zentimeter.

Der Peruanische Nackthund (FCI 310) ist ebenfalls in drei Größen anerkannt. Beide Rassen gehen auf präkolumbische Hunde zurück, die auf Tonfiguren und Grabbeigaben dokumentiert sind.

Der Chinesische Schopfhund (FCI 288) trägt Haarbüschel an Kopf, Pfoten und Rute. In jedem Wurf fallen auch voll behaarte Welpen, die sogenannten Powderpuffs.

Der American Hairless Terrier ist die jüngste Rasse. Er stammt von einer haarlosen Rat-Terrier-Hündin ab, die 1972 in Louisiana geboren wurde. Seine Haarlosigkeit hat eine andere genetische Ursache als bei den drei älteren Rassen.

Das Gen dahinter: FOXI3

2008 veröffentlichte ein Team um Cord Drögemüller von der Universität Bern im Fachblatt Science, woher die Haarlosigkeit kommt. Bei Mexikanischen und Peruanischen Nackthunden sowie Chinesischen Schopfhunden fanden sie eine Verschiebungsmutation im Gen FOXI3 auf Chromosom 17.

Das Gen steuert die Entwicklung von Haaren und Zähnen. Deshalb fehlen haarlosen Hunden regelmäßig Prämolaren, oft auch Eck- oder Schneidezähne. Die Forscher nennen das Bild „Canine Ektodermale Dysplasie“.

Die Mutation wird semidominant vererbt. Ein Hund mit einer Kopie ist haarlos. Zwei Kopien überleben Embryonen nicht. Jeder haarlose Hund trägt deshalb genau eine Kopie, und in jedem Wurf gibt es behaarte Geschwister ohne die Mutation.

Beim American Hairless Terrier liegt eine rezessive Variante in einem anderen Gen vor, SGK3. Diese Hunde haben normale Zähne.

Warum Nackthunde als Qualzucht gelten

§ 11b des Tierschutzgesetzes verbietet es, Wirbeltiere zu züchten, wenn erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen.

Das Gutachten der Sachverständigengruppe „Tierschutz und Heimtierzucht“ zur Auslegung dieses Paragrafen nennt fehlendes Haarkleid als Merkmal, das ein Zuchtverbot begründet. Es führt dafür die Zahnanomalien, eine empfindliche Haut mit Neigung zu Sonnenbrand und Verletzungen sowie Probleme bei der Anpassung an Kälte und Hitze an.

Ein flächendeckendes Zuchtverbot für die vier Rassen gibt es in Deutschland trotzdem nicht. Die Tierschutz-Hundeverordnung untersagt seit 2022 aber, Hunde mit Qualzuchtmerkmalen auszustellen (§ 10). Der VDH führt die Rassen weiter, Zuchtvereine reagieren unterschiedlich.

Für dich als Halter heißt das: Ein Nackthund ist legal. Sein Körper hat aber eine Einschränkung, die du im Alltag ausgleichen musst.

Haut, Sonne, Kälte: Pflege im Alltag

Die Haut eines Nackthunds ist ungeschützt. Im Sommer braucht sie Schatten, oft auch Sonnencreme ohne Duftstoffe, im Winter braucht der Hund Kleidung.

Viele Nackthunde neigen zu Mitessern und Pickeln, weil Talg nicht über Haare abfließt. Regelmäßiges Waschen mit mildem Shampoo hilft, zu häufiges Waschen trocknet aus.

Wegen der fehlenden Zähne solltest du das Gebiss vom Tierarzt anschauen lassen. Bei manchen Hunden lohnt sich weicheres Futter.

Wenn ein behaarter Hund plötzlich Fell verliert

Bei einem Hund, der eigentlich Fell hat, sind kahle Stellen ein Befund. Tierärzte nennen das Alopezie.

Häufige Ursachen

Am öftesten stecken Parasiten und Allergien dahinter. Flöhe, Demodex-Milben und Futter- oder Umweltallergien führen zu Juckreiz, der Hund kratzt sich die Haare weg.

Hormonelle Ursachen kommen ohne Juckreiz aus. Eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Cushing-Syndrom lassen das Fell symmetrisch an beiden Flanken ausdünnen. Betroffene Hunde sind oft müde, trinken viel oder nehmen zu.

Rassetypische Formen

Bei Spitzen, Pomeranians und Chow-Chows gibt es die Alopezie X, bei der das Fell am Rumpf ausfällt und die Haut dunkel wird. Bei blauen Dobermännern und anderen verdünnten Farbschlägen tritt die Farbverdünnungsalopezie auf. Manche Rassen verlieren im Winter Fell an den Flanken, die saisonale Flankenalopezie.

Für die Abklärung braucht die Praxis ein Hautgeschabsel, ein Blutbild und je nach Verdacht Hormonwerte. Ohne Diagnose hilft kein Shampoo.

Bevor du einen Nackthund kaufst

Frag den Züchter nach Zahnstatus und Hautgesundheit der Elterntiere und danach, ob er im VDH oder einem seiner Vereine organisiert ist. Lass dir die Wurfgeschwister zeigen, behaarte Welpen gehören dazu.

Rechne mit laufenden Kosten für Kleidung, Sonnenschutz und Zahnkontrollen. Und plane, dass dein Hund im Winter schneller friert als jeder andere im Park.

Häufige Fragen

Sind Hunde ohne Fell Allergiker-Hunde?

Nein. Allergien richten sich meist gegen Hautschuppen und Speichel, die auch ein haarloser Hund abgibt.

Frieren Nackthunde?

Ja, schneller als behaarte Hunde. Unter etwa zehn Grad brauchen die meisten einen Mantel.

Warum fehlen Nackthunden Zähne?

Das Gen FOXI3 steuert Haare und Zähne zugleich. Die Mutation betrifft deshalb beides.

Ist die Zucht von Nackthunden in Deutschland verboten?

Ein generelles Verbot gibt es nicht. Ein Gutachten zum § 11b Tierschutzgesetz wertet Haarlosigkeit aber als Qualzuchtmerkmal, und Ausstellungen sind seit 2022 untersagt.

Mein Hund hat kahle Stellen. Was tun?

Praxis aufsuchen. Parasiten, Allergien und Hormonstörungen lassen sich behandeln, aber nur nach einer Diagnose.

Gibt es auch Katzen ohne Fell?

Ja, die Sphynx. Für sie gilt dieselbe Diskussion um Qualzucht.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion hunde-gesundheit.net — sie schreibt hier über Hunde, ihre Rassen und ihre Haltung.

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