Welpe in der Tierarztpraxis

Entwurmung bei Welpen: Wie oft nötig und warum so früh

Kurzantwort: Welpen werden nach dem sogenannten 2-2-2-Schema entwurmt: alle zwei Wochen ab der zweiten Lebenswoche bis zwei Wochen nach dem Absetzen von der Muttermilch, danach monatlich bis zum sechsten Lebensmonat. Der Grund für diesen engen Takt liegt in der besonderen Ansteckungsgefahr: Ist die Mutterhündin infiziert, stecken sich ihre Welpen laut ESCCAP Deutschland in rund 98 Prozent der Fälle bereits im Mutterleib mit Spulwürmern an, zusätzlich können sich die Larven über die Muttermilch reaktivieren. Die Mutterhündin wird deshalb bei der ersten Behandlung ihrer Welpen mitbehandelt. Ab dem siebten Lebensmonat wechseln Welpen in den normalen Entwurmungsplan erwachsener Hunde.

Kaum eine Frage sorgt bei frischgebackenen Welpenhaltern für so viel Verunsicherung wie die nach der richtigen Wurmkur: Wie oft ist wirklich nötig, und ab wann kann seltener behandelt werden?

Bei Welpen gilt ein deutlich engerer Rhythmus als bei erwachsenen Hunden – aus einem einfachen, biologisch begründeten Grund, der ESCCAP Deutschland zufolge weit vor der Geburt beginnt.

Warum Welpen anders entwurmt werden als erwachsene Hunde

Der entscheidende Unterschied zwischen Welpen und erwachsenen Hunden liegt im Infektionsweg mit Spulwürmern. Erwachsene Hunde infizieren sich meist über verunreinigten Boden oder Kot anderer Tiere. Welpen dagegen können bereits vor der Geburt betroffen sein: Bei einer infizierten Mutterhündin reaktivieren sich während der Trächtigkeit im Körper ruhende Larvenstadien und wandern über die Plazenta in die ungeborenen Welpen. Nach der Geburt kommt eine zweite Infektionsquelle hinzu, die Muttermilch, über die weitere reaktivierte Larven aufgenommen werden. Diese Larven wandern im Körper des Welpen zunächst über die Lunge, werden abgehustet und wieder verschluckt, bevor sie sich im Dünndarm zu erwachsenen Würmern entwickeln – ein Wanderungsweg, der erklärt, warum betroffene Welpen mitunter zusätzlich Husten zeigen.

Ansteckung schon im Mutterleib

Laut ESCCAP Deutschland liegt das Infektionsrisiko bei Welpen einer betroffenen Mutterhündin bei rund 98 Prozent. Das erklärt, warum eine Entwurmung erst nach der Geburt allein nicht ausreicht: Ohne konsequente vorbeugende Behandlung sind praktisch alle Welpen eines Wurfes bereits infiziert, noch bevor sie zum ersten Mal Kontakt zur Außenwelt hatten. Ein hoher Wurmbefall kann bei jungen Welpen zu ernsthaften, im Extremfall lebensbedrohlichen Verläufen führen, etwa durch einen Darmverschluss.

Welpe in der Tierarztpraxis
Welpe in der Tierarztpraxis Foto: Wonderlane, CC BY 4.0

Das 2-2-2-Schema im Detail

ESCCAP Deutschland empfiehlt für Welpen das sogenannte 2-2-2-Schema: Die erste Behandlung erfolgt am Ende der zweiten Lebenswoche, um zu verhindern, dass die aus der Muttermilch aufgenommenen Larven im Darm zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen. Danach folgt die Behandlung im Abstand von jeweils zwei Wochen, bis der Welpe seit zwei Wochen abgesetzt ist, also keine Muttermilch mehr trinkt. Erst dieser engmaschige Takt unterbricht den Kreislauf aus Reaktivierung und Neuinfektion zuverlässig. Zwischen den einzelnen Terminen liegen bewusst nur zwei statt vier Wochen, weil die Entwicklungszeit vom aufgenommenen Larvenstadium bis zur geschlechtsreifen, eierlegenden Wurmform bei Welpen deutlich kürzer verläuft als bei erwachsenen Hunden – ein längerer Abstand würde eine erneute Eiausscheidung und damit eine fortlaufende Umgebungskontamination riskieren.

Der Behandlungsplan nach dem Absetzen

Nach der Absetzphase reduziert sich die Häufigkeit, bleibt aber deutlich enger als bei erwachsenen Hunden: ESCCAP empfiehlt eine monatliche Entwurmung bis zum sechsten Lebensmonat. In dieser Phase ist das Immunsystem des jungen Hundes noch nicht vollständig ausgereift, und der Kontakt zu anderen Hunden, öffentlichen Grünflächen und potenziell kontaminiertem Boden nimmt mit zunehmender Mobilität stark zu.

Die Mutterhündin gehört zur Behandlung dazu

Ein häufig übersehener Punkt: Die Mutterhündin muss zeitgleich mit der ersten Behandlung ihrer Welpen mitbehandelt werden. Andernfalls bleibt sie eine fortlaufende Ansteckungsquelle über die Muttermilch, und der Behandlungserfolg bei den Welpen bleibt unvollständig. Seriöse Züchter planen diese Doppelbehandlung von Anfang an in Abstimmung mit ihrer Tierarztpraxis ein.

Übergang zum Erwachsenenplan

Ab dem siebten Lebensmonat wechseln junge Hunde in den regulären Entwurmungsplan für erwachsene Tiere. Dieser sieht laut ESCCAP für Hunde ohne besonderes Risiko mindestens vier Behandlungen im Jahr vor, für Hunde mit erhöhtem Risiko – etwa durch Rohfütterung, ausgeprägtes Jagdverhalten oder engen Kontakt zu kleinen Kindern – eine monatliche Behandlung. Der Übergang sollte fließend erfolgen, ohne größere Lücke zum letzten Welpentermin, da eine unbehandelte Zwischenphase das mühsam aufgebaute Schutzniveau schnell wieder zunichtemachen kann. Tierarztpraxen händigen für diesen Übergang häufig einen individuellen Impf- und Entwurmungsplan aus, der beide Behandlungsarten auf einen Blick zusammenfasst und Haltern hilft, keinen Termin im Trubel des ersten Welpenjahres zu übersehen.

Warum das gerade für Familien mit Kindern wichtig ist

Der bei Welpen häufigste Spulwurm, Toxocara canis, kann auch auf Menschen übertragen werden und beim Menschen ernste Organschäden verursachen, besonders bei kleinen Kindern, die häufiger engen Bodenkontakt haben und sich seltener konsequent die Hände waschen. Ein zuverlässig entwurmter Welpe senkt dieses Risiko für den gesamten Haushalt erheblich, weshalb Tierärzte das enge Behandlungsschema gerade in Familien mit Kindern besonders ernst nehmen.

Kotproben als Ergänzung zum festen Schema

Ergänzend zum festen 2-2-2-Schema kann eine Kotuntersuchung zusätzliche Sicherheit geben, besonders wenn ein Welpe trotz Behandlung Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder einen aufgeblähten Bauch zeigt. Eine solche Untersuchung weist Wurmeier im Kot nach und zeigt, ob die bisherige Behandlung ausreichend gewirkt hat. Sie ersetzt das feste Behandlungsschema in den ersten Lebensmonaten aber nicht, weil frisch aufgenommene Larven im Frühstadium der Infektion noch keine nachweisbaren Eier ausscheiden und ein negativer Befund deshalb trügerisch sein kann.

Nach dem sechsten Lebensmonat, wenn Welpen in den Erwachsenenplan wechseln, gewinnt die Kotuntersuchung als Alternative zur pauschalen Behandlung an Bedeutung: Wer seinen Hund seltener vorsorglich entwurmen möchte, kann ab diesem Zeitpunkt alle drei Monate eine Kotprobe untersuchen lassen und nur bei einem positiven Befund gezielt behandeln.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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