Junger Bergamasker Hirtenhund mit noch lockigem, nicht verfilztem Fell im Schnee

Bergamasker Hirtenhund: Standard, Filzfell und Wesen

Kurzantwort: Der Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore Bergamasco) trägt die FCI-Standardnummer 194, Gruppe 1, Sektion 1, mit Arbeitsprüfung. Rüden erreichen ideal 60 cm Widerristhöhe und 32 bis 38 kg, Hündinnen ideal 56 cm und 26 bis 32 kg, jeweils mit einer Toleranz von 2 cm. Markenzeichen ist das lange, natürlich verfilzte Fell aus flachen Strähnen. Seit 2011 zählt die Rasse zu den gefährdeten Nutztierrassen.

Kein anderer Hirtenhund sieht aus wie ein Bergamasker — sein Fell bildet von selbst dichte, flache Filzsträhnen, die den ganzen Körper wie einen Umhang bedecken.

Hinter diesem auffälligen Äußeren steht eine Rasse, die über Jahrhunderte eng mit italienischen Hirten zusammenlebte und dadurch einen ausgeprägten Bezug zum Menschen entwickelt hat.

Was der Standard vorschreibt

Ursprungsland ist Italien, der aktuelle Standard wurde am 4. September 2020 veröffentlicht. Als Verwendungszweck nennt die FCI das Führen und Beschützen von Herden.

  • Rüden: ideal 60 cm Widerristhöhe, 32 bis 38 kg
  • Hündinnen: ideal 56 cm Widerristhöhe, 26 bis 32 kg
  • Toleranz: 2 cm nach oben oder unten
  • Klassifikation: Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde), Sektion 1 (Schäferhunde), mit Arbeitsprüfung

Herkunft: ein Arbeitshund aus den Alpen

Der Bergamasker stammt aus der Bergregion um Bergamo in Norditalien, wo er über Jahrhunderte als Hirtenhund in den Alpen arbeitete — bei jedem Wetter, oft tagelang mit der Herde unterwegs. Das dichte, verfilzte Fell entwickelte sich dabei nicht aus ästhetischen Gründen, sondern als natürlicher Schutz vor Kälte, Nässe und den rauen Bedingungen im alpinen Gelände.

Das Fell: die berühmten Fiocchi

Der VDH beschreibt den Bergamasker als durch sein langes, verfilztes Fell charakterisiert — in Züchterkreisen als „Fiocchi“ (italienisch für „Strähnen“ oder „Büschel“) bekannt. Diese flachen, filzartigen Strähnen bilden sich mit zunehmendem Alter von selbst aus einer Mischung aus grobem Deckhaar, feiner Unterwolle und öliger, ziegenhaarähnlicher Struktur. Anders als bei den meisten Rassen ist tägliches Bürsten hier fehl am Platz — es würde die charakteristischen Strähnen zerstören, statt das Fell zu pflegen.

Stattdessen werden die Filzstränge von Hand in Form gebracht und bei Bedarf getrennt, damit sie nicht zu einer einzigen, unbeweglichen Masse verklumpen. Für Welpenkäufer bedeutet das: Wer sich für die Rasse entscheidet, sollte sich vorab mit einem erfahrenen Züchter oder Halter über die richtige Fellpflege austauschen — Standardratschläge für „langhaarige Hunde“ passen hier nicht.

Wesen: Hirtenhund mit eigenem Kopf

Weil Bergamasker über Jahrhunderte in engem Kontakt mit Hirten lebten, sind sie laut VDH ausgesprochen menschenbezogen und umgänglich. Gleichzeitig bewachen sie ihre Herde nicht nur, sondern verstehen es auch, sie einfühlsam zu führen und zu treiben — eine Kombination aus Wachsamkeit und sanfter Steuerung, die selten in dieser Form vorkommt.

Als Familienhund gilt der Bergamasker als gesellig, anhänglich und liebenswert, braucht aber tägliche Beschäftigung. Der VDH beschreibt ihn als intelligenten Hütehund, der Herausforderungen liebt, die Problemlösung und eigenständiges Handeln erfordern — passende Aktivitäten sind Begleithundesport, Freizeitsport oder Fährtenarbeit.

Eine gefährdete Rasse

Seit 2011 zählt der Bergamasker Hirtenhund zu den gefährdeten Nutztierrassen. Das macht die Wahl des Züchters noch wichtiger: Bei einer Rasse mit vergleichsweise kleiner Zuchtpopulation zählt genetische Vielfalt zusätzlich zu den üblichen Gesundheitskriterien wie ausgewerteten Hüft- und Ellenbogenbefunden der Elterntiere.

Auslastung und Beschäftigung

Ein Bergamasker, der nur spazieren geht, ohne seine Intelligenz einzusetzen, langweilt sich schnell. Aufgaben, die eigenständiges Denken verlangen — etwa Fährtenarbeit, bei der der Hund selbstständig eine Spur verfolgt, statt nur Kommandos auszuführen — passen besser zum Naturell dieser Hütehundrasse als reiner Gehorsam.

Diese Eigenständigkeit erfordert im Gegenzug eine Erziehung, die nicht auf reinen Drill setzt: Ein Bergamasker arbeitet besser mit, wenn er versteht, warum eine Aufgabe Sinn ergibt, als wenn er stur ein Kommando abarbeiten soll.

Worauf beim Züchter zu achten ist

Frag gezielt nach ausgewerteten Gelenkbefunden beider Elterntiere und danach, wie der Zuchtverein mit der begrenzten genetischen Basis der gefährdeten Rasse umgeht. Ein seriöser Züchter kann außerdem erklären, wie sich die Fiocchi im Lauf des ersten Lebensjahres entwickeln und wie viel Zeit die spätere Fellpflege realistisch in Anspruch nimmt.

Die ersten Wochen und die Impfungen

Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt die Trennung vom Muttertier erst im Alter von über acht Wochen; bis zur 20. Woche ist dem Welpen mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich zu gewähren. Für die Grundimmunisierung nennt die Kleintierklinik der LMU München bei Welpen unter 16 Wochen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis ab der sechsten bis achten Woche, danach im Abstand von drei bis vier Wochen bis zur 16. Woche und erneut nach einem Jahr; Leptospirose ab der zwölften Woche zweimal, Tollwut einmal ab der zwölften Woche.

In den ersten Monaten zeigt sich beim Fell noch nichts von den späteren Fiocchi — das Welpenfell ist weich und unauffällig. Wer früh mit sanftem Handling und Berührungen am ganzen Körper übt, erleichtert sich die spätere Fellpflege, wenn die Verfilzung einsetzt. Auch der Kontakt zu unterschiedlichen Familienmitgliedern und ruhigen Alltagssituationen gehört in diese Phase, damit der spätere Hütehund seinen ausgeprägten Bezug zum Menschen von Anfang an auf die ganze Familie richtet, statt sich nur an eine einzelne Person zu binden.

Gesundheit im Blick behalten

Wie bei den meisten mittelgroßen bis großen Hütehunderassen gehören ausgewertete Hüft- und Ellenbogenbefunde der Elterntiere zu den wichtigsten Vorsorgepunkten. Weil das dichte Fell Hautprobleme optisch verdecken kann, lohnt sich bei einem Bergamasker außerdem, die Haut unter den Filzsträhnen regelmäßig zu kontrollieren — Reizungen oder Parasitenbefall fallen sonst später auf als bei kurzhaarigen Rassen.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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