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Kurzantwort: „American Staffordshire Bullterrier“ ist kein offizieller Rassename, sondern eine Vermischung zweier eigenständiger Rassen: dem American Staffordshire Terrier (FCI-Standard Nr. 286, Ursprung USA, 46 bis 48 cm Schulterhöhe bei Rüden) und dem Staffordshire Bull Terrier (FCI-Standard Nr. 76, Ursprung Großbritannien, 35,5 bis 40,5 cm Schulterhöhe). Beide teilen gemeinsame Vorfahren, wurden aber getrennt weiterentwickelt und unterscheiden sich deutlich in Größe und Gewicht.
Der Suchbegriff verrät das Missverständnis schon im Namen: Zwei ähnlich klingende, aber unterschiedliche Rassen werden hier zu einer verschmolzen, die es in keinem Zuchtstandard gibt.
Wer sich für einen dieser Hunde interessiert, sollte die beiden real existierenden Rassen kennen – schon wegen der spürbaren Unterschiede in Statur und Gewicht.
Beide Rassen leiden zudem seit Jahrzehnten unter einem schlechten Ruf, der sich selten mit dem tatsächlichen Wesen der einzelnen Hunde deckt – ein Ruf, der bei genauerer Betrachtung ihrer offiziellen Zuchtstandards deutlich differenzierter ausfällt.
Warum „American Staffordshire Bullterrier“ kein Rassename ist
Weder die FCI noch ein nationaler Zuchtverband führt eine Rasse mit diesem Namen. In der Alltagssprache verschmelzen hier zwei Bezeichnungen: der American Staffordshire Terrier (kurz AmStaff) und der Staffordshire Bull Terrier (kurz Staffie). Beide klingen ähnlich, sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, sind aber eigenständige Rassen mit eigenem FCI-Standard.
Wer online nach „American Staffordshire Bullterrier“ sucht, meint in der Praxis fast immer eine der beiden folgenden Rassen – oder ist sich schlicht nicht sicher, welche.
American Staffordshire Terrier nach FCI-Standard Nr. 286
Der American Staffordshire Terrier stammt aus den USA; der gültige Standard wurde am 3. September 1996 veröffentlicht. Die FCI führt ihn in Gruppe 3 (Terrier), Sektion 3 (Bullartige Terrier). Rüden erreichen eine Schulterhöhe von etwa 46 bis 48 cm, Hündinnen 43 bis 46 cm.
Der Standard beschreibt einen untersetzten, muskulösen Hund mit großem Interesse an seiner Umgebung. Sein Mut gilt laut Standardtext als „sprichwörtlich“ – ein Hinweis auf die historische Verwendung der Rasse, die heute in seriöser Zucht keine Rolle mehr spielt.
Zuchtausschließende Fehler nennt der Standard ausdrücklich: aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde sowie Tiere mit deutlichen körperlichen oder Verhaltensauffälligkeiten sind von der Zucht ausgeschlossen – ein klarer Hinweis darauf, dass Wesensfestigkeit in der offiziellen Bewertung ausdrücklich mitzählt.

Staffordshire Bull Terrier nach FCI-Standard Nr. 76
Der Staffordshire Bull Terrier stammt aus Großbritannien; sein gültiger Standard datiert vom 24. Juni 1987. Auch er gehört zu FCI-Gruppe 3, Sektion 3. Mit einer erwünschten Widerristhöhe von 35,5 bis 40,5 cm und einem Gewicht von 11 bis 17 kg ist er spürbar kleiner und leichter als der American Staffordshire Terrier.
Der Standard beschreibt das Wesen als hochintelligent und liebevoll, „besonders zu Kindern“ – eine Formulierung, die im Text explizit so festgehalten ist. Kompakter Körperbau und kurzes, dichtes Fell prägen das Erscheinungsbild.
Auch beim Staffordshire Bull Terrier gilt: Der Standard fordert ausdrücklich Tapferkeit gepaart mit Zuverlässigkeit, nicht Aggressivität. Zuchtausschließende Fehler sind hier identisch mit denen des American Staffordshire Terrier formuliert.
Gemeinsame Wurzeln, getrennte Wege
Beide Rassen gehen auf dieselben britischen Ursprungshunde des 19. Jahrhunderts zurück. Ein Teil dieser Hunde blieb in Großbritannien und wurde zum heutigen Staffordshire Bull Terrier weiterentwickelt. Ein anderer Teil kam mit Auswanderern in die USA, wo Züchter über Generationen einen größeren, schwereren Typ formten – den heutigen American Staffordshire Terrier.
Diese getrennte Entwicklung erklärt, warum beide Rassen sich ähneln, ohne identisch zu sein: gleicher Ursprung, unterschiedliche Zuchtziele.
Häufig kommt zur Verwirrung noch eine dritte, nicht von der FCI anerkannte Bezeichnung hinzu: der „Pitbull“ oder „American Pit Bull Terrier“. Dieser wird in manchen Ländern von einzelnen Verbänden geführt, bleibt in Deutschland aber ohne FCI-Standard – ein weiterer Grund, warum bei der Namenswahl genau hingesehen werden sollte.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
- Größe: American Staffordshire Terrier deutlich größer (46 bis 48 cm) als Staffordshire Bull Terrier (35,5 bis 40,5 cm)
- Gewicht: Staffordshire Bull Terrier 11 bis 17 kg, American Staffordshire Terrier proportional schwerer
- Körperbau: Staffordshire Bull Terrier kompakter und gedrungener, American Staffordshire Terrier athletischer und höher gestellt
- Ursprung: Staffordshire Bull Terrier Großbritannien, American Staffordshire Terrier USA
Rechtliche Einordnung: von Bundesland zu Bundesland verschieden
Eine bundeseinheitliche Rasseliste gibt es in Deutschland nicht. Ob und in welche Kategorie eine Rasse als „Listenhund“ eingestuft wird, regelt jedes Bundesland separat, und die Einstufung von American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bull Terrier unterscheidet sich dabei von Land zu Land. Vor der Anschaffung lohnt sich deshalb immer eine Nachfrage beim zuständigen Ordnungsamt am eigenen Wohnort.
Wer sich für einen der beiden Hunde entscheidet, sollte sich zudem an einen Zuchtverein mit Anbindung an einen nationalen Verband wenden, statt einem Inserat mit unklarer Rassezuordnung zu vertrauen.
Vor der Anschaffung: Sachkundenachweis prüfen
In mehreren Bundesländern ist für als Listenhund geführte Rassen ein behördlicher Sachkundenachweis sowie ein Wesenstest Voraussetzung für die Haltung, bevor der Hund überhaupt einziehen darf. Diese Anforderungen sollten vor dem Welpenkauf geklärt sein, nicht erst danach.
Wer sich unsicher ist, findet die genauen Regelungen beim eigenen Ordnungsamt oder in der jeweiligen Landeshundeverordnung – beides verlässlicher als Aussagen aus Foren oder von Verkäufern.
Erziehung: Konsequenz statt Härte
Beide Rassen gelten als lernwillig und menschenbezogen, brauchen aber von Anfang an klare, konsequente Regeln. Fachleute raten übereinstimmend zu positiver, belohnungsbasierter Erziehung statt zu Zwangsmethoden – gerade bei muskulösen Rassen kann harte Konfrontation Vertrauen zerstören, statt Gehorsam aufzubauen.
Ein guter Welpenkurs mit erfahrenem Trainer legt früh den Grundstein für einen zuverlässig führbaren erwachsenen Hund, unabhängig davon, welche der beiden Rassen im Einzelfall gemeint ist.
Auch der regelmäßige Kontakt zu anderen Hunden gehört zum Erziehungsprogramm dazu: Gut sozialisierte Vertreter beider Rassen gelten in der Praxis als verträglich mit Artgenossen, sofern diese Sozialisation früh und konsequent stattgefunden hat.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 286: American Staffordshire Terrier
- FCI-Standard Nr. 76: Staffordshire Bull Terrier
- Wikipedia: Listenhund
Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.








