Französische Bulldogge mit typischen Fledermausohren

Französische Bulldogge: Charakter, Gesundheit und Alltag

Kurzantwort: Die Französische Bulldogge ist verspielt, menschenbezogen und für ihre Größe erstaunlich robust im Wesen – gesundheitlich aber stark von ihrer kurzen Schnauze geprägt. Wegen der brachyzephalen Kopfform leidet nach einer britischen Studie von 2021 etwa die Hälfte der Rasse unter Symptomen des brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS). Wer sich für die Rasse entscheidet, sollte gezielt einen Züchter wählen, der auf offene Nasenlöcher, normale Atemgeräusche und Hitzeverträglichkeit der Elterntiere achtet.

Kaum eine Rasse polarisiert derzeit so sehr wie die Französische Bulldogge: Auf der einen Seite gehört sie zu den beliebtesten Hunderassen Europas, auf der anderen Seite steht sie im Zentrum der Debatte um sogenannte Qualzucht.

Wer eine Französische Bulldogge in die Familie holen möchte, sollte beide Seiten kennen – die liebenswerten Wesenszüge ebenso wie die gesundheitlichen Risiken, die mit dem extremen Kurzkopf-Körperbau der Rasse einhergehen.

Herkunft: vom englischen Ratten-Bulldog zum Pariser Modehund

Die Wurzeln der Französischen Bulldogge liegen im England des 19. Jahrhunderts, wo kleine Bulldoggen als Rattenfänger in Fabriken eingesetzt wurden. Englische Spitzenarbeiter brachten diese Hunde bei der Auswanderung nach Frankreich mit, wo sie mit lokalen Rassen gekreuzt und vor allem in Paris zum beliebten Begleithund der Mittelschicht und später der Bohème wurden. Ihren heutigen Namen verdankt sie also weniger ihrer tatsächlichen Herkunft als der Stadt, in der sie zur eigenständigen Rasse wurde.

Charakter: verspielt, anhänglich, stur mit Charme

Französische Bulldoggen gelten als menschenbezogen, verspielt und in der Regel gut verträglich mit Kindern und anderen Haustieren. Gleichzeitig haben sie einen eigenwilligen, gelegentlich sturen Charakterzug, der konsequente, aber liebevolle Erziehung erfordert. Ihr Bewegungsbedarf ist im Vergleich zu vielen anderen Rassen moderat, was sie auch für Wohnungshaltung interessant macht – gesundheitlich bedingt können sie ohnehin keine langen, anstrengenden Sporteinheiten leisten.

Französische Bulldogge beim Spielen im Park
Auch beim Spielen brauchen Französische Bulldoggen wegen ihrer kurzen Nase häufige Pausen. Foto: unbekannt, CC0

BOAS: das zentrale Gesundheitsthema der Rasse

Die kurze, breite Schnauze der Französischen Bulldogge ist zugleich ihr bekanntestes äußeres Merkmal und ihr größtes gesundheitliches Risiko. Die extreme Zuchtform führt häufig zu verengten Nasenlöchern, einem verlängerten weichen Gaumen, einer im Verhältnis zum verkürzten Kiefer zu großen Zunge und vergrößerten Rachenmandeln – zusammengefasst als brachyzephales obstruktives Atemwegssyndrom, kurz BOAS. Eine britische Studie aus dem Jahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte aller untersuchten Französischen Bulldoggen BOAS-Symptome zeigte – von hörbarem Schnarchen über eingeschränkte Belastbarkeit bis zu ernsthafter Atemnot bei Hitze oder Anstrengung.

Woran man erhöhtes Risiko erkennt

Typische Warnzeichen für ausgeprägtes BOAS sind lautes Schnarchen und Rasselgeräusche schon in Ruhe, schnelles Ermüden bei leichter Anstrengung, Würgen oder Erbrechen beim oder nach dem Fressen sowie bläuliche Schleimhäute bei Belastung oder Hitze – Letzteres ist ein akuter Notfall und gehört sofort tierärztlich behandelt. Ein erfahrener Tierarzt kann den Schweregrad mit standardisierten Belastungstests einschätzen und bei starker Ausprägung eine operative Erweiterung der Nasenlöcher oder eine Kürzung des weichen Gaumens empfehlen.

Hitze ist der größte Feind

Weil Hunde hauptsächlich über Hecheln Wärme abgeben und die verengten Atemwege der Französischen Bulldogge genau das erschweren, sind Hitzetage für diese Rasse besonders gefährlich. Spaziergänge sollten an warmen Tagen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden, ein Aufenthalt im aufgeheizten Auto ist für die Rasse potenziell lebensgefährlich, und im Sommer sollte immer ausreichend Wasser und ein schattiger Rückzugsort zur Verfügung stehen.

Weitere rassetypische Gesundheitsthemen

Neben BOAS neigt die Rasse zu Hautfaltendermatitis in den Gesichtsfalten, die regelmäßige Reinigung braucht, sowie zu Wirbelsäulenfehlbildungen wie Halbwirbeln, die bei einigen Tieren zu neurologischen Ausfällen führen können. Auch die Geburt verläuft bei vielen Zuchtlinien wegen der im Verhältnis zum Becken der Mutter großen Welpenköpfe erschwert, weshalb ein hoher Anteil der Würfe per Kaiserschnitt zur Welt kommt.

Eine der meistgefragten Rassen Europas

Mit weit über 100.000 registrierten Welpen pro Jahr allein in Europa zählt die Französische Bulldogge zu den drei beliebtesten Hunderassen überhaupt. Diese enorme Nachfrage hat allerdings eine Kehrseite: Sie hat auch unseriöse Vermehrer angezogen, die ohne Rücksicht auf Gesundheit und Wesensfestigkeit auf möglichst extreme, vermeintlich niedliche Merkmale züchten. Wer eine Französische Bulldogge sucht, tut deshalb gut daran, sich Zeit für die Züchterwahl zu nehmen, statt dem erstbesten günstigen Angebot im Internet zu folgen.

Die Qualzucht-Debatte

Der Begriff Qualzucht bezeichnet Zuchtformen, bei denen typische Rassemerkmale mit erheblichem Leiden der Tiere einhergehen – bei der Französischen Bulldogge betrifft das vor allem die extrem verkürzte Schnauze. Tierschutzverbände und zunehmend auch Tierärztekammern fordern deshalb, den Zuchtstandard in Richtung längerer, funktionsfähigerer Nasen zu verändern. Einzelne europäische Länder haben die Zucht besonders extremer Kurzköpfe bereits eingeschränkt. Wer eine Französische Bulldogge kauft, unterstützt mit der Wahl des Züchters direkt mit, in welche Richtung sich die Rasse künftig entwickelt.

Fell- und Zahnpflege im Alltag

Das kurze, glatte Fell der Französischen Bulldogge ist pflegeleicht und kommt mit gelegentlichem Bürsten aus. Mehr Aufmerksamkeit brauchen die Gesichtsfalten, die regelmäßig mit einem feuchten Tuch gereinigt und anschließend gut getrocknet werden sollten, damit sich darin keine Bakterien oder Pilze ansiedeln. Auch die Zähne verdienen besondere Beachtung, da der verkürzte Kiefer oft zu Fehlstellungen und dadurch zu vermehrter Zahnsteinbildung führt – regelmäßiges Zähneputzen beugt Zahnfleischentzündungen vor, idealerweise von Welpenalter an eingeübt, damit der Hund die Prozedur als normalen Teil des Alltags akzeptiert.

Worauf man beim Kauf achten sollte

Ein verantwortungsvoller Züchter lässt seine Zuchttiere vor dem Deckakt auf Atemgeräusche und Belastbarkeit untersuchen und verzichtet auf die Verpaarung von Elterntieren mit auffälligen Symptomen. Sichtbare Warnzeichen beim Welpenkauf sind laute Atemgeräusche schon in Ruhe, extrem kurze, flache Nasenrücken ohne sichtbare Nasenlöcher sowie Elterntiere, die bei leichter Anstrengung bereits deutlich schwer atmen. Seriöse Züchter geben zudem bereitwillig Auskunft über eventuelle Kaiserschnittgeburten in ihrer Zuchtlinie und über die Ergebnisse von Wirbelsäulenuntersuchungen der Elterntiere, statt solche Fragen auszuweichen.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

Nach oben scrollen