Sloughi, ein nordafrikanischer Windhund aus dem Maghreb

Afrikanische Hunderasse: Herkunft, FCI-Status und Merkmale

Kurzantwort: Als afrikanische Hunderassen gelten unter anderem der Basenji aus Zentralafrika, der Rhodesian Ridgeback aus dem südlichen Afrika, die Windhunde Azawakh und Sloughi aus der Sahelzone und Nordafrika sowie der südafrikanische Boerboel. Nicht alle davon sind bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI) als eigenständige Rasse anerkannt: Der Boerboel etwa fehlt bislang im FCI-Register, während Basenji, Ridgeback, Azawakh und Sloughi jeweils einen eigenen FCI-Standard besitzen.

Wer nach „der“ afrikanischen Hunderasse sucht, findet keine einzelne Antwort, sondern eine Handvoll sehr unterschiedlicher Rassen: schlanke Windhunde für die offene Weite der Sahelzone, einen fast lautlosen Jäger aus dem Kongobecken und kräftige Wachhunde vom südafrikanischen Kap.

Gemeinsam ist den meisten dieser Rassen, dass sie nicht am Reißbrett eines Zuchtvereins entstanden, sondern über Generationen durch die jeweilige Aufgabe vor Ort geformt wurden – und dass ihre offizielle Anerkennung bei der FCI ganz unterschiedlich verlief.

Was die FCI-Anerkennung für afrikanische Rassen bedeutet

Die FCI vergibt für jede anerkannte Rasse einen Rassestandard, der Herkunftsland und Aussehen verbindlich festlegt. Bei Rassen aus Ländern, die selbst kein FCI-Mitglied sind, übernimmt oft ein anderer Verband die Pflege des Standards. So trägt der Basenji als Ursprungsland Zentralafrika, gepflegt wird der Standard aber über einen britischen Zuchtverband. Beim Rhodesian Ridgeback stammt der Standard direkt von der Kennel Union of Southern Africa und dem Zimbabwe Kennel Club – die Rasse wird also tatsächlich von afrikanischen Verbänden verwaltet – ein Unterschied, den viele Ratgeber zu diesem Thema gar nicht erwähnen.

Basenji: der ruhige Hund ohne klassisches Bellen aus Zentralafrika

Der Basenji stammt aus dem Kongobecken und zählt zu den ältesten bekannten Haushunderassen. Statt zu bellen, gibt er einen jodelartigen Laut von sich. Lokale Volksgruppen setzten ihn traditionell zur Jagd mit Netzen ein, wo Lautlosigkeit ein Vorteil war. Die FCI führt ihn in Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp).

Rhodesian Ridgeback: einziger südafrikanischer FCI-Standard mit Ursprung vor Ort

Der Ridgeback stammt aus dem Gebiet der heutigen Staaten Simbabwe und Südafrika. Buren kreuzten mitgebrachte europäische Jagdhunde mit den Hunden der Khoikhoi, die bereits einen Fellkamm auf dem Rücken trugen – dieser „Ridge“ gibt der Rasse ihren Namen. Eingesetzt wurde sie unter anderem, um Löwen bei der Jagd zu stellen, ohne sie selbst anzugreifen.

Boerboel, ein südafrikanischer Wach- und Schutzhund
Der Boerboel wurde zum Schutz südafrikanischer Farmen gezüchtet und ist bislang nicht FCI-anerkannt. Foto: Vida Booysen, CC BY-SA 4.0

Boerboel: der Wächter ohne FCI-Standard

Der Boerboel stammt aus Südafrika und geht unter anderem auf den heute ausgestorbenen Brabanter Bullenbeißer zurück, den niederländische Siedler mitbrachten. Mit bis zu 90 Kilogramm zählt er zu den schwersten afrikanischen Rassen und wurde zum Schutz von Haus, Hof und Vieh gezüchtet. Anders als Basenji oder Ridgeback besitzt er bislang keinen eigenen FCI-Standard, wird aber von südafrikanischen und internationalen Zuchtverbänden außerhalb der FCI geführt.

Azawakh: Windhund der Sahelzone

Der Azawakh kommt aus der Sahelzone, vor allem aus Mali und Niger, wo Tuareg-Nomaden ihn zur Jagd auf Gazellen und zum Schutz der Lager einsetzten. Sein Körperbau ist extrem schlank, mit wenig Unterhautfettgewebe – eine Anpassung an die Hitze seiner Heimat. Die FCI führt ihn in Gruppe 10 (Windhunde).

Sloughi: der Windhund des Maghreb

Der Sloughi stammt aus Nordafrika, vor allem aus Marokko, Algerien und Tunesien, und diente Beduinen traditionell zur Jagd auf Gazellen, Hasen und Wüstenfüchse. Kurzhaarig und sehr schlank gebaut, ist er auf hohe Geschwindigkeit über kurze Strecken ausgelegt. Anders als der ähnlich aussehende Azawakh trägt er meist ein sandfarbenes bis rötliches Fell ohne die typische Schlankheit im Extrem. In seiner Heimat genießt der Sloughi bei manchen Volksgruppen einen besonderen Status: Anders als andere Hunde galt er traditionell nicht als unrein und durfte im Zelt der Familie schlafen.

Africanis: die unstandardisierte Landrasse

Neben den offiziell anerkannten Rassen gibt es in weiten Teilen Afrikas den sogenannten Africanis – eine Bezeichnung für die ursprünglichen, nicht gezielt gezüchteten Dorfhunde des südlichen Afrikas. Sie besitzen keinen FCI-Standard, weil sie keine Rasse im klassischen Sinn sind, sondern eine genetisch vielfältige Population, die sich über Jahrtausende ohne menschliche Zuchtwahl an Klima und Umgebung angepasst hat. Einzelne Zuchtinitiativen in Südafrika versuchen inzwischen, den Africanis als eigenständige Rasse zu etablieren.

Was afrikanische Rassen in der Haltung oft gemeinsam brauchen

Windhundtypen wie Azawakh und Sloughi haben einen ausgeprägten Jagdtrieb und brauchen sicher eingezäunte Flächen für freien Auslauf. Wächterrassen wie Boerboel und Ridgeback verlangen frühe, konsequente Sozialisation, damit natürliche Wachsamkeit nicht in Misstrauen umschlägt. Klimatisch geformt sind fast alle afrikanischen Ursprungsrassen kurzhaarig und hitzetolerant, was sie in deutschen Wintern empfindlicher gegen Kälte macht als robuste europäische Gebrauchshunde.

Gesundheit: robuste Herkunft mit rassetypischen Ausnahmen

Weil die natürliche Auslese über Jahrhunderte strenger war als jede spätere gezielte Zuchtwahl, gelten viele afrikanische Ursprungsrassen als robust und wenig anfällig für Erbkrankheiten, die bei stark auf ein bestimmtes Aussehen hin gezüchteten Rassen häufiger auftreten. Es gibt jedoch rassetypische Ausnahmen: Der Basenji neigt zu einer erblichen Nierenerkrankung namens Fanconi-Syndrom, auf die seriöse Zuchtvereine ihre Zuchttiere testen lassen. Windhundtypen wie Azawakh und Sloughi haben durch ihren extrem geringen Körperfettanteil eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Narkosemitteln, worauf Tierarztpraxen vor Operationen hingewiesen werden sollten.

Verfügbarkeit in Deutschland

Alle hier vorgestellten Rassen zählen hierzulande zu den seltenen Erscheinungen. Für Basenji, Azawakh und Sloughi gibt es dem VDH angeschlossene Rasseklubs mit kontrollierter Zucht und Gesundheitschecks. Wartezeiten von mehreren Monaten bis über einem Jahr sind bei diesen Rassen keine Seltenheit, weil die Wurfzahlen in Deutschland gering bleiben. Beim Boerboel kommt hinzu, dass er wegen seiner Größe und seines Schutztriebs in einigen deutschen Bundesländern unter die Regelungen für große oder als gefährlich eingestufte Hunderassen fallen kann – vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick in die jeweilige Landeshundeverordnung.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

Nach oben scrollen