Hund liegt entspannt auf dem Boden

Läufigkeit bei der Hündin: Phasen, Dauer und Verhalten

Kurzantwort: Der Zyklus einer Hündin gliedert sich in vier Phasen: Proöstrus (Vorbrunst, etwa neun Tage mit blutigem Ausfluss), Östrus (Standhitze, etwa neun Tage, in denen die Hündin deckbereit ist), Metöstrus (Rückbildung der Gebärmutter, mehrere Wochen) und Anöstrus (Ruhephase). Im Schnitt wird eine Hündin alle sechs Monate läufig, bei kleinen Rassen können es auch drei bis vier Monate sein. Typische Verhaltensänderungen sind Anhänglichkeit, Unruhe und wechselnde Reaktionen auf Rüden – von abweisend in der Vorbrunst bis aufgeschlossen in der Standhitze.

Wer eine unkastrierte Hündin hält, erlebt die Läufigkeit zwei- bis dreimal im Jahr mit. Die Blutungen fallen auf, doch mindestens genauso auffällig sind die Verhaltensänderungen: Manche Hündinnen werden anhänglicher, andere unruhig oder kurzzeitig reizbarer gegenüber Rüden und Hündinnen.

Wie lange die einzelnen Phasen dauern und woran sie sich erkennen lassen, unterscheidet sich von Hündin zu Hündin und teils auch von Rasse zu Rasse. Ein Grundwissen über den Ablauf hilft trotzdem, normales Verhalten von einem Grund für den Tierarztbesuch zu unterscheiden – und den Alltag mit Leine, Spaziergängen und Besuch rechtzeitig zu planen.

Die vier Phasen der Läufigkeit im Überblick

Der Sexualzyklus der Hündin läuft in vier Abschnitten ab, die sich hormonell klar unterscheiden. Im Proöstrus, der Vorbrunst, schwillt die Vulva an und ein blutiger Ausfluss setzt ein – im Schnitt dauert diese Phase neun Tage, die Spanne reicht aber von drei bis siebzehn Tagen. Danach folgt der Östrus, die eigentliche Standhitze, ebenfalls im Schnitt neun Tage lang. Der Metöstrus bildet die Gebärmutterschleimhaut wieder zurück, was sich über neun bis zwölf Wochen hinziehen kann, auch wenn davon nach außen kaum noch etwas zu sehen ist. Im Anöstrus schließlich, der Ruhephase bis zur nächsten Läufigkeit, zeigt die Hündin keine äußeren Anzeichen des Zyklus mehr.

Verhalten in der Vorbrunst

Im Proöstrus wird die Hündin für Rüden interessant, weil sie über den Duft ihres Urins und Ausflusses signalisiert, dass ihr Zyklus begonnen hat – Deckversuche weist sie in dieser Phase aber noch konsequent ab. Manche Hündinnen lecken sich in dieser Zeit häufiger, andere wirken unruhiger als sonst, schlafen schlechter oder markieren öfter auf Spaziergängen. Die Blutung ist in der Vorbrunst meist am stärksten sichtbar und wird zum Ende der Phase hin heller.

Verhalten in der Standhitze

Mit dem Wechsel in den Östrus ändert sich das Bild deutlich: Die Hündin legt ihre Abwehrhaltung ab, sucht aktiv die Nähe von Rüden und zeigt die typische Standhitze mit seitlich gehaltener Rute, sobald ein Rüde sie berührt. Der Ausfluss wird heller und fleischwasserfarben, bei manchen Hündinnen ist er kaum noch zu bemerken. Genau in dieser Phase liegt auch der fruchtbare Zeitraum, weshalb unkastrierte Rüden auf Spaziergängen konsequent ferngehalten werden sollten, wenn kein Deckakt gewollt ist. Einige Hündinnen wirken in der Standhitze zusätzlich verspielter und lassen sich leichter ablenken, was das Training in dieser Zeit erschweren kann.

Hund liegt entspannt auf dem Boden
Foto: Rennett Stowe, CC BY 4.0

Wie oft und wie lange

Im Durchschnitt wird eine Hündin alle sechs Monate läufig. Kleine Rassen können bereits nach drei bis vier Monaten wieder so weit sein, große Rassen mitunter erst nach einem Jahr – der Rhythmus schwankt individuell und rassetypisch, eine feste Regel gibt es hier kaum. Eine einzelne Läufigkeit zieht sich über insgesamt rund drei Wochen mit sichtbaren Anzeichen, wobei Proöstrus und Östrus den auffälligen Teil ausmachen und der Metöstrus sich meist ohne äußere Anzeichen über mehrere weitere Wochen hinzieht.

Erste Läufigkeit: ab wann

Kleinere Rassen werden oft schon mit rund einem halben Jahr zum ersten Mal läufig, größere Hündinnen häufig erst um ihren ersten Geburtstag herum oder etwas später, weil sie insgesamt langsamer heranwachsen. Anders als beim Menschen gibt es bei Hündinnen keine Wechseljahre – sie bleiben grundsätzlich ihr ganzes Leben lang fruchtbar, auch wenn die Zyklen im Alter unregelmäßiger werden und die Abstände sich verändern können.

Scheinträchtigkeit nach der Läufigkeit

Bei manchen Hündinnen folgt einige Wochen nach dem Ende der Standhitze eine Scheinträchtigkeit: Der Hormonspiegel verhält sich dann ähnlich wie bei einer echten Trächtigkeit, obwohl kein Deckakt stattgefunden hat. Betroffene Hündinnen bauen mitunter ein Nest, verteidigen Kuscheltiere wie Welpen oder fressen schlechter. Die meisten Fälle bilden sich von selbst zurück, bei wiederholter oder stark ausgeprägter Scheinträchtigkeit ist aber ein Tierarztbesuch sinnvoll, um die Ursache abzuklären.

Praktische Tipps für den Alltag

Eine Hundehose mit Einlage hält die Wohnung sauber, ersetzt aber keine Aufsicht auf dem Spaziergang. In der Standhitze lohnt sich die Leine auch für sonst freilaufende Hündinnen, denn Rüden folgen der Duftspur über weite Strecken und lassen sich kaum abrufen. Wer keinen Nachwuchs möchte, hält in der gesamten Läufigkeit – nicht nur während der Standhitze – konsequent Abstand zu unkastrierten Rüden, denn Spermien können in der Hündin einige Tage überleben. Auffälliger, übelriechender Ausfluss außerhalb der Läufigkeit oder eine ungewöhnlich lange Blutung gehören in jedem Fall tierärztlich abgeklärt.

Kastration als Alternative

Viele Halterinnen und Halter stellen sich irgendwann die Frage, ob eine Kastration die Läufigkeit dauerhaft beendet. Fachlich richtig ist das: Ohne Eierstöcke fällt der hormonelle Zyklus komplett weg, und mit ihm auch die Blutungen, das veränderte Verhalten und das Risiko einer Scheinträchtigkeit. Ob und wann eine Kastration im Einzelfall sinnvoll ist, hängt aber von Rasse, Alter, Gesundheitszustand und Haltungssituation ab und gehört in ein persönliches Gespräch mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt, nicht in eine pauschale Empfehlung.

Wenn das Verhalten stark von der Norm abweicht

Nicht jede Verhaltensänderung während der Läufigkeit ist harmlos. Wirkt eine Hündin auffällig schlapp, verweigert über mehrere Tage das Futter, hat Fieber oder trinkt deutlich mehr als sonst, können das erste Anzeichen einer Gebärmutterentzündung sein, die vor allem in den Wochen nach dem Ende der Läufigkeit auftritt. Solche Symptome gehören zeitnah in tierärztliche Abklärung, weil sich eine Gebärmutterentzündung innerhalb weniger Tage zu einem ernsten Notfall entwickeln kann.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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