Kleiner brauner Dachshund-Welpe kuschelt sich in eine Wolldecke

Amerikanischer Zwergdackel: was hinter dem Namen wirklich steckt

Kurzantwort: Einen „amerikanischen Zwergdackel“ als eigenständige Rasse gibt es weder bei der FCI noch beim VDH. Der Begriff bezeichnet in Deutschland, Österreich und der Schweiz gezüchtete Dachshunde aus US-amerikanischen Linien, die oft kleiner und kurzrückiger sind als der hiesige Standard-Zwergteckel. Der FCI-Standard Nr. 148 kennt stattdessen drei über den Brustumfang definierte Größenklassen: Teckel, Zwergteckel und Kaninchenteckel. Alle drei tragen dieselbe genetische Veranlagung zu Bandscheibenerkrankungen, unabhängig von ihrer Größe.

„Amerikanischer Zwergdackel“ ist in den letzten Jahren zu einem gefragten Suchbegriff geworden — obwohl die Bezeichnung in keinem offiziellen Zuchtregister auftaucht.

Was Interessenten stattdessen wissen sollten: wie die tatsächlichen Größenklassen beim Dachshund definiert sind und warum die Größe bei dieser Rasse nicht das einzige Kriterium sein sollte.

Was der Begriff eigentlich bezeichnet

Zuchtstätten, die „amerikanische Zwergdackel“ anbieten, meinen damit in der Regel Dachshunde, deren Vorfahren aus US-amerikanischen Zuchtlinien stammen. Diese Hunde sind häufig insgesamt kürzer im Rücken und etwas kleiner als klassische deutsche Zwergteckel, mit einer Gewichtsspanne von etwa 4 bis 8 kg. In den USA wird zudem nicht wie in Deutschland zwischen Zwergdackel und Kaninchendackel unterschieden — dort gibt es praktisch nur die Kategorien Standard und Miniature.

Die tatsächlichen Größenklassen laut FCI-Standard

Der deutsche Ursprungsstandard Nr. 148 misst die Größe nicht an der Schulterhöhe, sondern am Brustumfang — gemessen frühestens im Alter von 15 Monaten, vom höchsten Punkt des Widerrists bis zum tiefsten Punkt der Brust:

  • Teckel: Rüden über 37 bis 47 cm, Hündinnen über 35 bis 45 cm Brustumfang
  • Zwergteckel: Rüden über 32 bis 37 cm, Hündinnen über 30 bis 35 cm
  • Kaninchenteckel: Rüden 27 bis 32 cm, Hündinnen 25 bis 30 cm

Zusammen mit drei Haararten — Kurzhaar, Rauhaar und Langhaar — ergeben sich laut FCI-Standard neun Varietäten der Rasse. Ältester Zuchtverein ist der Deutsche Teckelklub 1888 e.V.

Herkunft der Rasse

Der Dachshund ist laut FCI-Standard seit dem Mittelalter bekannt und wurde aus Bracken für die Jagd unter der Erde herausgezüchtet — heute gilt er als eine der vielseitigsten Jagdgebrauchshunderassen, die neben der Erdarbeit auch im spurlauten Jagen, im Stöbern und auf der Schweißfährte eingesetzt wird. Diese jagdliche Herkunft gilt für alle drei Größenklassen gleichermaßen, nicht nur für den Standard-Teckel.

Warum US-Linien keine eigene Rasse sind

Weder die FCI noch der VDH führen eine eigene Kategorie für aus den USA importierte oder daraus gezogene Zuchtlinien. Ein Dachshund bleibt genetisch und züchterisch ein Dachshund, unabhängig davon, ob seine Vorfahren aus deutschen, amerikanischen oder anderen Linien stammen. Wer gezielt nach besonders kleinen Tieren sucht, kauft de facto einen kleinwüchsigen Zwerg- oder Kaninchenteckel — nur außerhalb der Kontrolle durch einen FCI-Zuchtverein und dessen Gesundheitsauflagen.

Gesundheit: die Chondrodystrophie betrifft alle Größen

Nach Angaben eines Aufklärungsprojekts des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums tragen Dachshunde zusätzliche Kopien des FGF4-Gens auf Chromosom 12, die normalerweise nur einmal vorkommen. Diese Genverdopplung stört das Gleichgewicht der Wachstumshormone und führt zur sogenannten Osteochondrodystrophie — einer fehlerhaften Knorpel- und Knochenbildung, die auch die Bandscheiben betrifft und früh verkalken lässt.

Die Folge: Durchschnittlich erleidet jeder vierte Dackel im Lauf seines Lebens einen Bandscheibenvorfall, umgangssprachlich Dackellähme genannt. Symptome reichen von Schwierigkeiten beim Aufstehen und einem schmerzempfindlichen Rücken bis zu Lähmungen und Inkontinenz. Das Ministerium rät ausdrücklich davon ab, die Zucht auf immer kürzere Beine zu unterstützen — ein Hinweis, der auch für besonders klein beworbene „amerikanische“ Linien gilt, denn die Chondrodystrophie ist unabhängig von der Größenkategorie in der gesamten Rasse verbreitet.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Wer einen kleinen Dachshund sucht, sollte weniger nach der Herkunftsbezeichnung fragen als nach der Zuchtstätte selbst: Ist sie einem anerkannten Verein wie dem Deutschen Teckelklub angeschlossen? Werden Elterntiere auf Rückenprobleme und andere Erbkrankheiten untersucht? Wird gezielt auf noch kürzere Beine selektiert, statt auf Gesundheit zu achten?

Ein seriöser Züchter beantwortet diese Fragen offen, unabhängig davon, ob er seine Welpen als Zwergteckel, Kaninchenteckel oder unter einem Marketingbegriff wie „amerikanischer Zwergdackel“ anbietet.

Preislich unterscheidet sich ein Welpe aus seriöser Zucht kaum danach, ob er als Zwergteckel oder als „amerikanischer Zwergdackel“ vermarktet wird. Entscheidend für den Preis sind Gesundheitsuntersuchungen der Eltern, Wurfbetreuung und Vereinsanbindung — nicht die Herkunftsbezeichnung. Ein auffällig niedriger Preis bei gleichzeitig besonders extremer Kurzbeinigkeit sollte eher misstrauisch machen als anlocken.

Wesen und Erziehung

Der FCI-Standard beschreibt den Dachshund als freundlich, weder ängstlich noch aggressiv, mit ausgeglichenem Temperament sowie als passionierten, ausdauernden und flinken Jagdhund mit feiner Nase. Dieser Jagdtrieb steckt auch in kleinen und besonders klein gezüchteten Exemplaren — was sich im Alltag als ausgeprägtes Interesse an Spuren und Gerüchen zeigt, nicht selten verbunden mit einem eigenen Kopf, der konsequente, aber liebevolle Erziehung verlangt.

Die ersten Wochen und die Impfungen

Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt die Trennung vom Muttertier erst im Alter von über acht Wochen; bis zur 20. Woche ist dem Welpen mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich zu gewähren. Für die Grundimmunisierung nennt die Kleintierklinik der LMU München bei Welpen unter 16 Wochen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis ab der sechsten bis achten Woche, danach im Abstand von drei bis vier Wochen bis zur 16. Woche und erneut nach einem Jahr; Leptospirose ab der zwölften Woche zweimal, Tollwut einmal ab der zwölften Woche.

Gerade bei einer Rasse mit erhöhtem Bandscheibenrisiko zählt außerdem: keine Treppen und keine Sprünge vom Sofa, solange die Wachstumsfugen des Welpen noch offen sind. Diese Vorsicht bleibt ein Leben lang sinnvoll, unabhängig von der Größenklasse.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion hunde-gesundheit.net — er schreibt hier über Hunderassen, Haltung und Hundegesundheit.

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