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Titelbild: Foto: „-2018-04-22- Cadu 01 (40923544544)“ von Romerito Pontes from São Carlos · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Nach Angaben des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) liegt die Häufigkeit von Bandscheibenvorfällen beim Dackel in der größten englischen Studie bei 15,7 Prozent, in VDH-angeschlossenen Dackelvereinen sogar unter 10 Prozent – die häufig kolportierte Zahl von 25 Prozent bezeichnet der VDH als übertrieben. Ursache ist eine genetische Mutation, die zu einer vorzeitigen Verkalkung der Bandscheiben führt und bei über 20 Hunderassen vorkommt, besonders ausgeprägt beim Dackel.
Kaum eine Rasse wird so oft mit einer bestimmten Diagnose in Verbindung gebracht wie der Dackel mit dem Bandscheibenvorfall. Manche Zahlen, die dazu kursieren, halten einer genaueren Prüfung allerdings nicht stand.
Für Halter eines alten Dackels lohnt sich trotzdem ein realistischer Blick auf das Risiko – und auf das, was sich im Alltag tatsächlich beeinflussen lässt.
Genetik ist dabei nur ein Teil der Geschichte. Ebenso wichtig ist, wie ein Dackel über sein gesamtes Leben hinweg gehalten wird – von der Fütterung bis zum täglichen Bewegungsablauf.
Warum der Dackel als besonders bandscheibengefährdet gilt
Der lange Rücken und die kurzen Beine, die den Dackel unverwechselbar machen, gehen auf dieselbe genetische Besonderheit zurück, die auch seine Bandscheiben betrifft: die Chondrodystrophie. Diese vor über 4.000 Jahren entstandene Mutation – eine FGF4-Retrogeninsertion auf Chromosom 12 – sorgt für den charakteristischen Körperbau, lässt aber gleichzeitig die Bandscheiben vorzeitig verknöchern.
Betroffen von dieser Mutation sind laut VDH etwa 14 Prozent aller Rassehunde und 11 Prozent aller Mischlinge; bei über 20 Hunderassen liegt die Allelfrequenz sogar bei über 90 Prozent. Der Dackel ist damit ein besonders bekanntes, aber nicht das einzige Beispiel.
Zu den weiteren betroffenen Rassen zählen unter anderem Basset Hound, Corgi und Beagle – auch sie tragen die kurzen Beine und den verlängerten Rücken, der mit derselben genetischen Grundlage einhergeht wie beim Dackel.
Wie hoch das Risiko wirklich ist
Die oft zitierte Aussage, „jeder vierte Dackel“ erleide im Laufe seines Lebens einen Bandscheibenvorfall, bezeichnet der VDH ausdrücklich als übertrieben. Die größte englische Studie zum Thema kommt auf eine Prävalenz von 15,7 Prozent. In Dackelvereinen, die dem VDH angeschlossen sind, liegt der Anteil sogar unter 10 Prozent.
Neben der genetischen Veranlagung nennt der VDH ausdrücklich Umweltfaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel als zusätzliche Risikofaktoren – Punkte, die Halter im Gegensatz zur Genetik direkt beeinflussen können.

Vorbeugung: Gentest, Röntgen, Gewicht
In der Zucht setzen viele Dackelzüchter inzwischen auf Gentests und Röntgenuntersuchungen der Wirbelsäule, um das Risiko in der eigenen Linie einzuschätzen. VDH und Deutscher Teckelklub 1888 e.V. (DTK) unterstützen zudem Forschung zu weiteren, bislang unbekannten Risikofaktoren.
Im Alltag eines alten Dackels bleiben Gewichtskontrolle und regelmäßige, moderate Bewegung die wichtigsten Stellschrauben, die Halter selbst in der Hand haben – unabhängig davon, was genetisch bereits feststeht.
Auch die Fütterung spielt eine unterschätzte Rolle: Übergewicht erhöht die dauerhafte Belastung der Wirbelsäule bei jedem Schritt, weshalb Tierärzte bei chondrodystrophen Rassen wie dem Dackel besonders konsequent auf ein schlankes Idealgewicht achten.
Rückenschonende Haltung im Alter
Mit zunehmendem Alter lohnt es sich besonders, Sprünge von Sofa oder Bett sowie steile Treppen zu vermeiden. Rampen oder kleine Stufen helfen, die immer wiederkehrende Stoßbelastung auf die Wirbelsäule zu reduzieren.
Auch beim Hochheben zählt die richtige Technik: Ein alter Dackel sollte unter Brust und Hinterhand gleichzeitig gestützt werden, statt ihn allein an den Vorderbeinen oder am Bauch hochzuziehen.
Rutschige Böden wie Fliesen oder Parkett ohne Teppichläufer erhöhen zusätzlich das Risiko unkontrollierter Bewegungen. Rutschfeste Unterlagen an den wichtigsten Laufwegen kosten wenig, entlasten die Wirbelsäule aber spürbar im Alltag.
Symptome, die aufmerksam machen sollten
Ein plötzlich aufgekrümmter Rücken, Zittern, Berührungsempfindlichkeit entlang der Wirbelsäule oder eine sichtbare Bewegungsunlust zählen zu den Anzeichen, die Halter ernst nehmen sollten. Im fortgeschrittenen Fall können Koordinationsstörungen oder eine Schwäche der Hinterhand hinzukommen.
Solche Symptome sind grundsätzlich ein Fall für die tierärztliche Praxis – abwartendes Beobachten über mehrere Tage kann bei einem tatsächlichen Bandscheibenvorfall den Behandlungserfolg verschlechtern.
Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zur Kontrolle fahren. Eine unnötige Vorstellung kostet Zeit und Geld, ein verpasster Notfall kann bleibende Schäden bedeuten.
Weitere Themen im Seniorenalter
Neben dem Rücken verdienen bei älteren Dackeln auch Zähne, Augen und Gehör regelmäßige Kontrolle. Viele altersbedingte Veränderungen entwickeln sich schleichend und fallen erst auf, wenn sie schon fortgeschritten sind – ein Grund, warum tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen im Seniorenalter häufiger sinnvoll sind als in jüngeren Jahren.
Bewegung im Alter: weniger Sprung, mehr Kontinuität
Ein alter Dackel braucht nicht weniger Bewegung als ein junger, sondern andere Bewegung: mehrere kurze, ruhige Spaziergänge statt einer langen, anstrengenden Runde. Schwimmen, sofern der Hund es mag, belastet die Gelenke kaum und stärkt gleichzeitig die Rückenmuskulatur, die die Wirbelsäule stützt.
Wichtiger als die reine Distanz ist dabei die Regelmäßigkeit: Ein Bewegungsprogramm, das jeden Tag stattfindet, nützt der Rückengesundheit mehr als ein einzelner langer Ausflug am Wochenende.
Physiotherapie und Reha im höheren Alter
Für ältere Dackel bieten spezialisierte Tierphysiotherapeuten gezielte Übungen an, die die Rückenmuskulatur stärken, ohne die Wirbelsäule zusätzlich zu belasten. Auch Unterwasserlaufbänder, wie sie manche Tierkliniken anbieten, ermöglichen gelenkschonendes Training bei reduzierter Gewichtsbelastung.
Ein Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt zeigt, ob und ab welchem Punkt sich eine solche begleitende Therapie für den eigenen Hund lohnt – präventiv oder als Ergänzung nach einem überstandenen Vorfall.
Manche Krankenversicherungen für Hunde übernehmen zumindest einen Teil solcher physiotherapeutischen Behandlungen – ein Punkt, der sich lohnt, schon beim Abschluss einer Versicherung für einen Dackel gezielt nachzufragen.
Auch eine angepasste Liegefläche mit ausreichender Polsterung entlastet die Wirbelsäule im Ruhezustand spürbar, gerade wenn der Hund wegen seines Alters ohnehin schon längere Ruhephasen braucht als früher.
Quellen
Von Felix, Redaktion hunde-gesundheit.net. Bei ernsten Beschwerden verweist der Text auf die Tierarztpraxis.

Felix lebt mit einem Mops in einer Stadtwohnung und kennt jede Wiese im Umkreis von drei Kilometern. Er schreibt über Rassen, Verhalten und das Zusammenleben auf engem Raum.

