Dogs

Der Hund bei Wilhelm Busch: Plisch, Plum und der Spitz

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Titelbild: „Dogs“ von mbarrison · CC BY-SA 2.0 · via Flickr · zugeschnitten

Kurzantwort: Hunde haben bei Wilhelm Busch zwei große Auftritte. In Plisch und Plum von 1882 sind zwei Welpen die Hauptfiguren: Der alte Kaspar Schlich will sie im Teich ertränken, zwei Jungen retten sie heraus. In Max und Moritz von 1865 tritt der Spitz der Witwe Bolte auf, der die Tat der Buben sieht und für ihren Diebstahl geprügelt wird. Beide Geschichten sind Bildergeschichten in Versen.

Wilhelm Busch, geboren am 14. April 1832 in Wiedensahl, gestorben am 9. Januar 1908 in Mechtshausen, gilt als Pionier der Bildergeschichte. Seine Figuren sind bis heute geläufig.

Tiere kommen bei ihm ständig vor. Ein Rabe, ein Affe, Bienen, Käfer, Enten. Der Hund nimmt darin eine besondere Stellung ein, weil er einmal die Hauptrolle bekommt.

Dieser Text geht die Hundeauftritte durch, nennt die Textstellen und ordnet ein, was daran heute unangenehm auffällt.

Plisch und Plum, 1882

Die Bildergeschichte erschien 1882 und ist Buschs einziges großes Werk mit Hunden als Titelfiguren. Sie besteht aus mehreren Kapiteln in gereimten Versen.

Der Anfang am Teich

Die Geschichte beginnt mit einem Mann, der zwei Welpen unter dem Arm trägt. Kaspar Schlich raucht Pfeife und findet die Tiere nutzlos. Am Teich wirft er sie ins Wasser.

Woher die Namen kommen

Die Namen sind Geräusche. Der erste Hund fällt mit einem „Plisch“ ins Wasser, der zweite mit einem „Plum“. Paul und Peter, die im Teich baden, haben alles gesehen, holen beide heraus und behalten die Namen.

Wie es ausgeht

Die Hunde richten zu Hause reihenweise Schaden an. Erst der strenge Lehrer Bokelmann bringt Jungen und Hunde unter Kontrolle. Am Ende kauft ein Herr namens Pief die beiden Hunde.

Der Spitz in Max und Moritz

Max und Moritz erschien 1865 und ist in sieben Streiche gegliedert. Im ersten Streich locken die Buben die Hühner der Witwe Bolte mit Brotstücken an Fäden, die Tiere verheddern sich im Apfelbaum und sterben.

Im zweiten Streich angeln sie den fertigen Braten durch den Schornstein aus der Küche. Der Spitz sieht es genau und schlägt an: „Rawau, rawau!“

Die Witwe glaubt ihm nicht. Sie hält den Hund für den Dieb und verprügelt ihn. Der einzige Zeuge wird bestraft, die Täter kommen davon.

Der Spitz bekommt keinen weiteren Auftritt. Er ist Nebenfigur und dient dazu, die Ungerechtigkeit sichtbar zu machen, über die im Buch niemand spricht.

Vielen Leserinnen bleibt gerade diese Szene im Gedächtnis. Sie ist die einzige im ganzen Buch, in der ein Unschuldiger die Strafe bekommt.

Was Busch mit den Tieren macht

Buschs Tiere sind selten Beiwerk. Sie haben Namen, Absichten und ein Gesicht, und sie geraten regelmäßig unter die Räder.

Der Effekt ist berechnet. Je genauer eine Figur gezeichnet ist, desto härter trifft das, was ihr zustößt, und desto zuverlässiger lacht das Publikum trotzdem.

Diese Schadenfreude ist der Motor fast aller Busch-Geschichten. Sie richtet sich am Ende auch gegen die Bösen: Kaspar Schlich, der die Welpen ertränken wollte, stirbt in der Geschichte an seinem eigenen Neid.

Wie Busch Hunde zeichnet

Busch braucht wenige Striche für eine Bewegung. Ein Hund, der springt, ist bei ihm eine Kurve mit vier Beinen und einer Rute.

Genau darin liegt sein Einfluss auf den Comic. Bewegung entsteht durch die Abfolge der Bilder und durch Lautwörter wie „Hubs“, „Plisch“ und „Plum“, die im Bild mitlaufen.

Die Verse tragen den Rest. Vier Hebungen, Paarreim, und der Reim liefert oft schon die Pointe, bevor du das Bild ganz gesehen hast.

Auffällig ist, wie wenig Busch seine Hunde vermenschlicht. Sie reden nicht, sie tragen keine Kleidung, sie sind Hunde und benehmen sich auch so.

Gerade das macht die beiden Welpen glaubwürdig. Was Plisch und Plum anstellen, kennt jeder, der schon einmal einen Junghund im Haus hatte.

Was heute schwer auszuhalten ist

Die Geschichten sind voller Gewalt gegen Tiere und Kinder. Ertränken, Prügel, tote Hühner, am Ende zermahlene Buben.

Busch schrieb im 19. Jahrhundert und bildete eine Erziehungspraxis ab, die damals verbreitet war. Als Empfehlung war das schon damals nicht gemeint; er stellte sie aus.

Für das Vorlesen heißt das trotzdem: Sprich die Stellen an, statt sie zu überblättern. Kinder merken selbst, dass mit dem Spitz etwas Ungerechtes passiert.

Wo du die Texte findest

Buschs Werke sind gemeinfrei, weil er 1908 gestorben ist. Der vollständige Text von Plisch und Plum steht mitsamt den Originalzeichnungen frei im Netz.

Das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover, das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst, stellt die Streiche aus Max und Moritz einzeln online. Dort kannst du den zweiten Streich mit dem Spitz Bild für Bild nachlesen.

In Wiedensahl, seinem Geburtsort, steht das Geburtshaus als Museum. Für den Einstieg reicht der Text: Die Geschichten sind kurz, und die Verse tragen sich beim Vorlesen von selbst.

Häufige Fragen

Welche Geschichte von Wilhelm Busch handelt von Hunden?

Plisch und Plum aus dem Jahr 1882. Die beiden Titelfiguren sind Hunde.

Wie heißt der Hund in Max und Moritz?

Spitz. Er gehört der Witwe Bolte und wird im zweiten Streich zu Unrecht für den Diebstahl des Bratens bestraft.

Woher kommen die Namen Plisch und Plum?

Aus dem Geräusch beim Aufprall im Wasser. Der erste Welpe macht „Plisch“, der zweite „Plum“.

Wer will die Hunde ertränken?

Der alte Kaspar Schlich. Paul und Peter beobachten ihn beim Baden und retten die Tiere heraus.

Sind Buschs Tiergeschichten für Kinder geeignet?

Das hängt vom Kind und von der Begleitung ab. Die Sprache ist eingängig, die Handlung ist an vielen Stellen brutal.

Welche weiteren Tiere kommen bei Busch vor?

Unter anderem der Rabe in Hans Huckebein, der Affe in Fipps, der Affe und die Bienen in Schnurrdiburr.

Quellen

Marlene Kort arbeitet fuer hunde-gesundheit.net mit Zuchtverbaenden und Fachpraxen zusammen.


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